Forderung: Mehr Unterstützung für Menschen mit Handicap

Selbstständig leben: Rene Leitner will mehr Möglichkeiten für Menschen mit Handicap im ländlichen Raum.
  • Selbstständig leben: Rene Leitner will mehr Möglichkeiten für Menschen mit Handicap im ländlichen Raum.
  • Foto: Privat
  • hochgeladen von Nina Schemmerl

WOCHE-Leser Rene Leitner wünscht sich mehr Unterstützung für Menschen mit Handicap.

Seit einem Snowboard-Unfall 2003 sitzt Rene Leitner im Rollstuhl. Seither hat sich sein Leben verändert. Gleichgeblieben ist aber die Frage, an wen er sich wenden kann, um Unterstützung zu bekommen. Neben medizinischer Versorgung und Pflegepersonal meint er alltägliche Kleinigkeiten wie Förderanträge, Autokauf, Restaurantbesuche, Partner- oder Jobsuche. Der Kumberger wünscht sich deshalb mehr Unterstützung für Menschen mit Behinderung – vor allem in ländlichen Regionen.

Austausch ermöglichen

"Wenn man selbst nicht betroffen ist, hat man natürlich kein Gespür dafür, welche Hürden zu überwinden sind", sagt Leitner. So gilt zum Beispiel erst seit Dezember 2019 die Befreiung der motorbezogenen Versicherungssteuer für Menschen mit Behinderungen. Auch fiel für ihn durch die Hochzeit mit seiner Frau seine Rezeptgebührenbefreiung. "Das sind Sachen, die mich beeinflusst haben. Ich verstehe nicht, warum es einem Menschen mit Behinderung oft so schwer gemacht wird, selbstständig zu sein. Seit dem Unfall, sagt Leitner, ist er deshalb über sich hinausgewachsen. "Meine Persönlichkeit hat sich ins Positive entwickelt. Ich habe gelernt, Dinge selbst anpacken zu müssen. Es gibt für fast alles eine Lösung." Trotzdem: "Ich möchte einfach wie ein normaler Mensch behandelt werden. Behinderung ist keine Krankheit, es ist nur ein Handicap", betont Leitner.
Und dazu gehört es auch, gehört zu werden. Wer nicht in Ballungszentren und damit in unmittelbarer Nähe vieler Anlaufstellen wohnt, hat es schwer, Infos zu bekommen. "Im Bezirk gibt es im Verhältnis nichts." Deshalb will der 42-Jährige mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen (s. Info unten), eine Plattform gründen, um sich austauschen zu können. "Jeder hat etwas anderes durchmachen müssen. Deshalb hat auch jeder etwas zu erzählen oder kann Tipps geben. Ich meine nicht die Theorie, sondern die Praxis."

Angebote schaffen

Auch Selbstständigkeit durch Mobilität ist Leitner ein wichtiges Anliegen. "Der öffentliche Verkehr in Graz funktioniert immer besser. Aber im Umland sind barrierefreie Öffis oder Behindertenparkplätze Mangelware." So auch in seiner Heimatgemeinde, etwa bei der Park-and-Ride-Anlage der Haltestelle Kumbergbrücke. Das dürfte sich allerdings bald ändern: Auf Nachfrage der WOCHE, warum hier kein Behindertenparkplatz verfügbar ist, heißt es aus dem Gemeindeamt, dass man sich so bald wie möglich um einen Behindertenparkplatz kümmern wird.
Gute Nachrichten hat auch Siegfried Suppan, Leiter der Anwaltschaft für Menschen mit Behinderung: "Es gibt Möglichkeiten und Anlaufstellen. Aber ja, es stimmt, diese sind großteils in Graz angesiedelt. Deshalb werden nach dem Pilotprojekt in Voitsberg weitere sieben regionale Beratungsstellen in der Steiermark heuer eröffnet." Besetzt werden diese unter anderem von akademisch ausgebildeten Peer-Beratern, also Personen, die sich in derselben Situation befinden. Ihre Ausbildung absolvieren sie an der Fachhochschule Joanneum.
Ziel ist, so wie es sich auch Leitner wünscht, vor allem in ländlichen Regionen leichter erreichbar zu sein, um Erstinformationen geben zu können.

Jetzt melden!
"Ich wünsche mir, dass es mehr Unterstützung und mehr Möglichkeiten gibt, damit sich Menschen mit einem Handicap austauschen können", sagt Rene Leitner (s. Bericht rechts). Deshalb möchte der Kumberger eine Plattform gründen und mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen. Ziel ist die Vernetzung. Ob medizinisches Wissen, rechtliche Angelegenheiten, Fragen rund um Gesundheit, Kinder mit Handicap, Wohlbefinden, Hobbys, Vereinswesen, Barrierefreiheit, Partnerschaft und Sexualität etc. sollen hier Platz finden. Schreiben Sie uns:gu-nord@woche.at.

Allgemeine Infos und Ansprechpartner:
- Anwaltschaft für Menschen mit Behinderung; Bürgergasse 5, 8010 Graz, 0316/8772745, amb@stmk.gv.at
- Rechtliche Erstinformationen unter www.https://www.oesterreich.gv.at/themen/menschen_mit_behinderungen

2 Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen