Mehrere Verhaftungen
Groß angelegter Betrug in Graz, 68 Führerscheinprüfungen manipuliert

Von der Polizei sichergestellt: Mit diesem Equipment, das teilweise am Körper der Prüflinge festgeklebt war, wurden die Führerscheinprüfungen absolviert.
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  • Von der Polizei sichergestellt: Mit diesem Equipment, das teilweise am Körper der Prüflinge festgeklebt war, wurden die Führerscheinprüfungen absolviert.
  • Foto: LPD Steiermark
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Großer Ermittlungserfolg für die steirische Polizei: Groß angelegter Schwindel bei Führerscheinprüfungen aufgedeckt, man geht von 68 manipulierten theoretischen Prüfungen aus, gegen 90 Beschuldigte wird ermittelt.

Es war über ein Jahr akribische Ermittlungsarbeit notwendig, jetzt hat die Landespolizeidirektion Steiermark zugeschlagen und eine höchst professionell angelegte Masche an Führerschein-Betrügereien aufgedeckt.

Manipulation mit Mini-Kopfhörern und Mini-Kameras

Bereits vor rund einem Jahr wurden die Ermittlunsgarbeiten aufgenommen, weil es immer wieder Hinweise gab, dass theoretische Führerschein-Prüfungen mit Mini-Kameras und MiniKopfhörern manipuliert würden.
Wie die Ermittlungen ergaben, wurden die Prüfungsfragen mit Fotos an fremde Personen weitergeleitet. Diese wiederum übermittelten die richtigen Antworten per Audioübertragung an die Prüflinge. Die richtigen Antworten mussten von den Prüflingen, die oftmals der deutschen Sprache nur eingeschränkt mächtig waren, lediglich per Tastatur in das Prüfungsprogramm eingegeben werden. 
Tatsächlich konnten bei einer dieser Prüfungen zwei Personen festgestellt werden, die mit Minikameras (verbaut in kleinen Hemdknöpfen), mit Mobiltelefonen zur Bildübertragung, mobilen W-Lan-Routern, Power Banks sowie mit Mobiltelefonen für den Empfang der Audioübertragung und In-Ear-Kopfhörern (in einer Größe von zwei Millimetern im Durchmesser und zwei Millimetern Länge) ausgestattet waren. Dieses IT-Equipment war teilweise mit Klebestreifen an den Körper der Führerscheinprüflinge geklebt oder an der Innenseite der T-Shirts (in verschiedenen Größen und Aussehen) verbaut. Zusätzlich waren Induktionskabeln um den Hals der Prüflinge geklebt, um die kabellose Audioübertragung in die Ohren zu gewährleisten.

Ein Vergleichsfoto: Der Schreibstift oben zeigt, wie klein die Kopfhörer waren, mit denen bei den Führerscheinprüfungen betrogen wurde.
  • Ein Vergleichsfoto: Der Schreibstift oben zeigt, wie klein die Kopfhörer waren, mit denen bei den Führerscheinprüfungen betrogen wurde.
  • Foto: LPD Steiermark
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Bei Führerschein-Prüfungen schnappte Falle immer wieder zu

Bei weiteren Erhebungen forschten die Beamten dann ein Paar im Alter von 26 Jahren aus Graz aus, das im Verdacht steht, in zahlreichen Fällen die richtigen Antworten eingesagt zu haben. In der Wohnung des Paares konnte umfangreiches IT-Equipment sichergestellt werden.
Bei den Einvernahmen gaben die Verdächtigen zu, dass sie dies nicht das erste Mal gemacht haben, sondern bereits acht solche Hilfestellungen bei den Prüfungen geleistet haben – und weitere, unter anderem bereits für den nächsten Tag, geplant und vorbereitet waren.

Kaum sichtbar: Die Miniaturkamera (siehe Pfeil) wurde am T-Shirt angebracht.
  • Kaum sichtbar: Die Miniaturkamera (siehe Pfeil) wurde am T-Shirt angebracht.
  • Foto: LPD Steiermark
  • hochgeladen von Roland Reischl

In den darauffolgenden Monaten wurden immer wieder, vorwiegend ausländische Prüflinge bei Manipulationshandlungen ertappt, IT-Equipment sichergestellt und die Beschuldigten angezeigt. Aufgrund von Auswertungen des sichergestellten IT-Equipments konnten dann die Hintermänner, die als „Einsager“ fungierten, ausgeforscht werden.
Einem der Hauptverdächtigen und seinen Komplizen konnte aufgrund von gesicherten Fotos von Führerscheinprüfungen auf einem sichergestellten Mobiltelefon gleich 35 ähnlich gelagerte Manipulationen von Führerscheinprüfungen nachgewiesen werden. Dieser Hauptverdächtige, ein 34-jähriger Syrer aus Wien, befindet sich wegen anderer strafbarer Handlungen bereits in Haft.

2.000 Euro kostete der Führerschein

Für die Bereitstellung des Equipments und der Beantwortung der Fragen wurde meist ein Betrag von 2.000 Euro verlangt, der sofort nach bestandener Prüfung zu bezahlen war. Insgesamt wird jetzt in 68 Fällen solcher Manipulationen der Führerscheinprüfung mit 90 Beschuldigten ermittelt. Außerdem werden alle Führerscheinberechtigungen, bei denen eine Manipulation nachgewiesen werden konnte, aberkannt, die Verfahren zum Entzug der Lenkerberechtigungen wurden bereits eingeleitet.

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