Ihr Urteil schützt Graz – ASVK-Vorsitzende Gertraud Strempfl-Ledl in "Gefragte Frauen"

Architektur als bedeutendste Kunstform: Gertraud Strempfl-Ledl ist der Meinung, dass Architektur und ein lebenswertes Umfeld zu den wichtigsten Parametern einer friedvollen Gesellschaft zählen.
  • Architektur als bedeutendste Kunstform: Gertraud Strempfl-Ledl ist der Meinung, dass Architektur und ein lebenswertes Umfeld zu den wichtigsten Parametern einer friedvollen Gesellschaft zählen.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Gertraud Strempfl-Ledl ist im Internationalen Städteforum Graz tätig und Altstadtschutzkommisssions-Vorsitzende.

Sie wacht über den Grazer Altstadtschutz: Gertraud Strempfl-Ledl hat den Vorsitz der Altstadtsachverständigenkommission (ASVK) 2015 übernommen und leitet die Grazer Geschäftsstelle des Internationalen Städteforums (ISG). Mit der WOCHE spricht sie über die Bedeutung von Architektur, ihren Zugang zum Altstadtschutz und wie sich Frau in einer Männerdomäne behauptet.

WOCHE: Die Stadt ist quasi Ihr Beruf – was macht Ihrer Meinung nach eine Stadt und insbesondere Graz aus?
Gertraud Strempfl-Ledl: Städte müssen lebendig sein und ihren Bewohnern gehören. Das Gleichgewicht zwischen Touristen und Einheimischen muss noch stimmen, Bewohner dürfen nicht überrumpelt werden. Denn nur durch Menschen, die in den Städten wohnen und leben, haben Städte auch ein besonderes Flair. Das ist in Graz zum Glück so, daher ist es auch so wunderbar lebenswert und authentisch.

Und Graz wäre nicht Graz ohne seine Altstadt. Sie achten darauf, dass diese intakt bleibt ...
Korrekt, wir erstellen Gutachten und Stellungnahmen für die Baubehörde der Stadt Graz. Jeder, der in den sechs Schutzzonen etwas bauen möchte, muss dies von der Baubehörde genehmigen lassen, und wir geben unsere Expertise zum Altstadtschutz ab.

Manche beklagen restriktive und, ihrer Meinung nach, nicht schlüssige Entscheidungen.
Ich kann verstehen, dass viele Menschen unsere Vorgehensweise nicht nachvollziehen können. Aber das Grazer Altstadterhaltungsgesetz und die drei dazugehörigen Verordnungen geben uns einen Beurteilungsrahmen, nach dem wir Bauprojekte zu begutachten haben. Wir haben Sprechstunden, wo alle Antragsteller persönlich mit den Kommissionsmitgliedern ihre Entwürfe besprechen können. So kann gemeinsam ein guter Weg für beide Seiten gefunden werden. Mir ist bewusst, dass die Kommunikation nicht perfekt ist, aber mir ist es wichtig, dass es Ansprechpersonen gibt, mit denen alles besprochen werden kann. Daher denke ich, dass dieser "böse Geist" der ASVK nicht mehr präsent ist.

Warum ist Altstadtschutz wichtig für eine Stadt?
Wir haben ein historisches und architektonisches Erbe, wie etwa unsere Dächerlandschaft, das schutzwürdig ist. Es hat einen besonderen Stellenwert und trägt zum Erscheinungsbild und Charakter von Graz bei. Wir sind international sehr gut aufgestellt, viele Städte beneiden uns um unseren Altstadtschutz. An dieser Stelle möchte ich auch allen Eigentümern für ihr Engagement danken, denn sie bekommen für dieses Gemeinwohl öffentlich zu wenig Anerkennung.

Was fällt unter Ihre Arbeit im Internationalen Städteforum?
Das ISG ist 1976 aus der Protestbewegung "Rettet die Grazer Altstadt" entstanden und leistet Lobby- und Publikationsarbeit. Wir sind ein internationaler Verein, dem 70 europäische Städte angehören, die sich mit dem Erhalt des Baukulturerbes, dem UNESCO-Weltkulturerbe, aber auch zeitgenössischen Bauten in historischen Städten befassen. Viermal jährlich geben wir ein zweisprachiges Magazin heraus und organisieren regelmäßig Symposien zu verschiedenen Altstadt-Themen.

Die Architekturwelt ist noch immer männlich dominiert. Wie setzt man sich da als Frau durch?
Als ich als Assistentin an der Architektur-Fakultät begonnen habe, hielten mich viele Kollegen für die neue Institutssekretärin. Das war nicht immer leicht, man muss sich als Frau nach wie vor mehr behaupten. Auch der Equal Pay Day zeigt, dass wir noch lange nicht am Ziel sind.

Und auch die Balance zwischen Familie und Beruf muss erst mal gefunden werden?
Definitiv! Halbe-halbe wird bei uns gelebt, und trotz Ganztagsbetreuung musste meine Mutter oft helfen. Man darf, muss und soll Hilfe annehmen.

Wohnen Sie als ASVK-Vorsitzende in der Altstadt?
Nein, ich wohne am Berliner Ring, der einzigen Trabantenstadt von Graz.

WOCHE-WORDRAP

Graz ist ... wunderbar lebenswert.
Ich singe ... beim Radfahren.
Meine liebste Altstadt ... Venedig
Meine Kindheitsheldin ... Pippi Langstrumpf

Steckbrief

Geboren am 11.10.1968
Verheiratet, eine Tochter
1993 Abschluss des Kunstgeschichte-Studiums, bis 2004 Assistentin an der TU, seit 2005 für das ISG tätig, seit 2012 in der ASVK, seit 2015 deren Vorsitzende
Hobbys: Waldspaziergänge, Lesen, Reisen, Kino

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