Die Hintergründe
Warum die Steiermark Österreichs teuerste Öffis hat

Die steirischen Öffipreise sind im österreichischen Vergleich hoch. Mit 1. Juli steigen sie wieder.  | Foto: Susanne Veronik
3Bilder
  • Die steirischen Öffipreise sind im österreichischen Vergleich hoch. Mit 1. Juli steigen sie wieder.
  • Foto: Susanne Veronik
  • hochgeladen von Susanne Veronik

Vergleicht man Stunden-, Tages-, Monats- und Jahreskarten, zahlen steirische Öffifahrerinnen und -fahrer für ihre Tickets im Durchschnitt am meisten. Aber warum ist das so? MeinBezirk hat nachgefragt. 

STEIERMARK. Alle Jahre wieder ist die Preisgestaltung der öffentlichen Verkehrsmittel großes Gesprächsthema, mit 1. Juli steigen die Preise in der Steiermark wieder an. Für eine Stundenkarte zahlt man dann pro Zone, egal ob in Graz, Leibnitz oder Leoben, 3,10 Euro, für eine Tageskarte 6,80 Euro, beides sind österreichische Höchstwerte. Preislich der Steiermark am nächsten sind Tirol und Oberösterreich, wo man drei oder 2,80 Euro (Kernzone Linz) für die Stundenkarte zahlt. Auch bei den Tageskarten ist Tirol am nächsten dran, dort zahlt man 6,60 Euro. Bei den Monatskarten landet die Steiermark mit 64,70 Euro auf Platz zwei hinter Salzburg, wo man für eine Zone 65 Euro zahlen muss. 

Preise Stundenkarten ab Juli
    Bundesland Preis
    Steiermark 3,10 Euro
    Tirol 3 Euro
    Salzburg 3 Euro (Kernzone)
    Oberösterreich 2,8 Euro (Kernzone)
    Wien 2,4 Euro
    Niederösterreich 2 Euro
    Burgenland 2 Euro
    Kärnten 2 Euro
    Vorarlberg 1,8 Euro

Platz drei bei Klimatickets

Heißes politisches Thema war auch die Erhöhung des Bundesland-Klimatickets, das ab Juli 499 Euro statt 468 Euro kosten wird. Damit liegt die Steiermark auf Platz drei, dieses Mal hinter Tirol (561,80 Euro) und Oberösterreich (550 Euro). In beiden Bundesländern gibt es allerdings noch andere Jahreskarten, für gewisse Bezirke oder die Landeshauptstädte (z.B. Klimaticket Innsbruck, Klimaticket "Regional und Linz"), in der Steiermark gibt es diese Varianten nicht mehr. 

Preise Bundesland-Klimaticket ab Juli
    Bundesland Preis
    Tirol 561,80 Euro
    Oberösterreich 550 Euro
    Steiermark 499 Euro
    NÖ + BGLD 495 Euro
    Kärnten 399 Euro
    Salzburg 360 Euro
    Wien 360 Euro
    Vorarlberg 326 Euro

Für den Geschäftsführer des steirischen Verkehrsverbundes, Peter Gspaltl, eine positive Entwicklung, vor allem für Pendlerinnen und Pendler. Er nennt das Beispiel Leoben-Graz, hier habe man vor Vereinheitlichung des Klimatickets über 1.000 Euro für eine Jahreskarte gezahlt. 

Preise Tageskarten ab Juli
    Bundesland Preis
    Steiermark 6,80 Euro
    Tirol 6,60 Euro
    Oberösterreich 5,60 Euro
    Kärnten 5,60 Euro (Stadttarif)
    Wien 4,80 Euro
    Salzburg 4,70 Euro
    NÖ und BGLD 3,90 Euro
    Vorarlberg 3,30 Euro

Weite Wege, großes Angebot

Angesprochen auf die Preisdebatte verweist Gspaltl auf drei Punkte: die Größe des Bundeslandes, den Ausbau des Angebotes sowie die vertragliche Regelung mit den Verkehrsbetrieben. Allein in den vergangenen Jahren habe man das Angebot der steirischen Öffis in Bezug auf Regionalzüge und -busse fast verdoppelt, zusätzliche Erweiterungen seien in den nächsten Jahren keine geplant. Wenn, dann werde umstrukturieren. Aktuell sind 333 Regiobus- und 11 Regiobahnlinien in der Steiermark unterwegs, Gspaltl dazu: "Das Angebot ist top, jetzt geht es darum, das den Leuten schmackhaft zu machen." 

Vertragliche Erhöhungen

Vor fast genau 30 Jahren schlossen sich die steirischen Verkehrsbetriebe zum Verkehrsverbund zusammen. Damit verbunden war die Vereinheitlichung der Tarife, zuvor bestimmten die regionalen Anbieter ihre Preise auf Basis der Wirtschaftlichkeit selbst. Im Zuge dessen wurden den Verkehrsbetrieben eine sogenannte "Alteinnahmen-Garantie" vertraglich zugesichert, den Unternehmen wurde also garantiert, dass deren Einnahmen durch den Zusammenschluss nicht sinken. Auch vertraglich festgehalten wurde die jährliche Anpassung an die Teuerungsrate, die bei maximal dem 1,75-Fachen des Verbraucherpreisindexes liegt.

Wer zahlt, schafft an

Aus dem Ticketverkauf heraus wäre dieses System nicht finanzierbar, auch reich werde man mit dem öffentlichen Verkehr nicht. Bereits jetzt kommen rund 70 bis 80 Prozent der Mittel, die den öffentlichen Verkehr finanzieren, aus Steuergeld. Daraus entwickelt sich auch der politische Einfluss auf Planung und Preisgestaltung. Gspaltl betont, dass bei einem Verzicht auf eine Tarifanpassung, der bereits hohe Steuergeldanteil noch weiter steigen würde. 

"Die Tarifgestaltung ist ein sehr transparenter Prozess, der mit allen Partner vertraglich geregelt ist."
Peter Gspaltl, Geschäftsführer des steirischen Verkehrverbund

Einen negativen Einfluss auf die Nutzung der Öffis hatten die Preiserhöhungen der letzten Jahre nicht, ganz im Gegenteil. Die Zahl der Jahreskartenbesitzerinnen und -besitzer ist seit der Einführung des Klimatickets um rund 50.000 Personen gestiegen, ohne dass es zu Rückgängen beim Verkauf anderer Tickettypen (Stunden-, Tages-, Wochen- und Monatskarten) gekommen ist, die Öffinutzung ist also gestiegen. 

Peter Gspaltl, Geschäftsführer des steirischen Verkehrsverbundes, betont das breite Öffi-Angebot in der Steiermark.  | Foto: Foto Jörgler
  • Peter Gspaltl, Geschäftsführer des steirischen Verkehrsverbundes, betont das breite Öffi-Angebot in der Steiermark.
  • Foto: Foto Jörgler
  • hochgeladen von Christoph Hofer

Zehn Cent mehr "nicht ausschlaggebend" 

Vor allem für kürzere Strecken, beispielsweise für drei Bimstationen in Graz, sorgt die Bepreisung der Stundenkarte immer wieder für Unmut. Gspaltl sieht aber dieses Gegenargument nicht als Hemmschwelle zur Öffinutzung: "Wer sich um 3,10 Euro keine Stundenkarte kauft, der tut das bei einem Preis von 2,90 Euro auch nicht. Zehn Cent mehr oder weniger sind für die Nutzung nicht ausschlaggebend."

Du möchtest aktuelle Meldungen und Storys aus deinem Bezirk direkt in dein E-Mail-Postfach erhalten?

Dann abonniere den MeinBezirk.at-Newsletter!

Das könnte dich auch noch interessieren: 

Steirisches Gesamtverkehrskonzept präsentiert

Neue Verbindungen zu steirischen Naturparks sind geplant
Die steirischen Öffipreise sind im österreichischen Vergleich hoch. Mit 1. Juli steigen sie wieder.  | Foto: Susanne Veronik
Als Gründe für die Preisentwicklung wird das breite Angebote, die Größe des Bundeslandes sowie die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Anbietern genannt.  | Foto: Veronika Teubl-Lafer
Peter Gspaltl, Geschäftsführer des steirischen Verkehrsverbundes, betont das breite Öffi-Angebot in der Steiermark.  | Foto: Foto Jörgler
0:46
0:46

Jetzt teilnehmen!
Regionale Kundenbindung stärken und Wettbewerbsvorteil gewinnen

Viele Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in die Gewinnung neuer Kundinnen und Kunden. Dabei wird oft übersehen, wie viel Potenzial bereits in der bestehenden Stammkundschaft steckt. Wer regelmäßig gekauft hat, kommt meist auch gerne wieder. Vorausgesetzt, der Kontakt bleibt bestehen. STEIERMARK. Genau hier setzt die MeinBezirk App an. Sie unterstützt regionale Betriebe dabei, mit ihrer Kundschaft in Verbindung zu bleiben und gleichzeitig neue Interessierte aus der Umgebung zu erreichen....

Anzeige
Vom Strettweger Kultwagen bis zum Red Bull Ring: Die Erlebnisregion Murtal verbindet Kultur, Familienausflüge und spannende Abenteuer für jedes Alter.
27

Erlebnisregion Murtal
Das Murtal zwischen Kulturaction und Motorentspannung

Vom Strettweger Kultwagen zum Formel1 Boliden, vom Eisenbahnmuseum zum Kettenkarussell im Märchenwald – das Murtal bietet eine vielfältige Mischung aus erlebnisreichem Familienspaß und spannenden Museumshotspots. MURTAL. Hier kommen kulturinteressierte Großeltern genauso auf ihre Kosten wie sportfanatische Eltern und energiegeladene Kids, ganz nach dem Motto der Region “Die Mischung macht’s”! Kulturaction für alle Generationen Der Mix aus Kultur und Action zieht sich wie ein roter Faden durch...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.