Interview zur Wiederwahl
Wirtschaftsbund-Obmann Josef Herk über Kurz, Kahr und Körperschaftssteuer

Lobt Sebastian Kurz für seinen Rücktritt, sieht Elke Kahr kritisch: der steirische Wirtschaftsbund-Obmann Josef Herk.
  • Lobt Sebastian Kurz für seinen Rücktritt, sieht Elke Kahr kritisch: der steirische Wirtschaftsbund-Obmann Josef Herk.
  • Foto: Markus Jöbstl
  • hochgeladen von Roland Reischl

Am 13. Oktober stellt sich Josef Herk der Wiederwahl als Obmann des steirischen Wirtschaftsbundes. In bewegten Zeiten von Pandemie, Euroskills und Kanzler-Rücktritt stand der obersteirische Unternehmer und Wirtschaftskammerpräsident der WOCHE Rede und Antwort.

WOCHE: Wie geht es Ihnen persönlich nach den Berg- und Talfahrten der letzten Zeit?
Josef Herk: Mit den Euro Skills haben wir unser Land in der ganzen Welt hervorragend präsentiert, da waren Emotionen im Spiel,  die Begeisterung ausgelöst haben. Das hat Kraft gegeben, vor allem nach diesen herausfordernden Monaten der Pandemie. Der Schritt von Sebastian Kurz verlangt mir großen Respekt ab. Für uns als Wirtschaft ist Stabilität ein wichtiger Faktor, vor allem in Zeiten des Aufschwungs.


Ihr Urteil zur ökosozialen Steuerreform?

Es ist ein riesiges Paket, das vor allem den Menschen wieder mehr Netto vom Brutto gibt. Auch die Senkung der KöSt über die kommenden Jahre macht unseren Standort attraktiver und die steuerfreien Prämien von 3.000 Euro sind ein wichtiger Schritt. Auch im Bereich Umweltschutz wurde mit Hausverstand gehandelt.

Würden Sie den Entwurf als unternehmerfreundlich bezeichnen?
Ich würde ihn als leistungsfreundlich bezeichnen. Menschen, die etwas leisten im Beruf, wie auch in der Erziehung mit dem Familienbonus, werden entlastet. Das ist nicht nur für die Unternehmer gut, sondern für alle Menschen.

Was ist gelungen, wo hat die Reform Defizite?
Gelungen ist eine wichtige Entlastung, gepaart mit einem Umweltschutz, der auch für die Wirtschaft tragbar ist. Aus meiner Sicht hätte man noch eine Spur weitergreifen können, aber das sehen wir in der Interessensvertretung wohl immer. In der CO2-Bepreisung sind wir jetzt bereits nahe an Deutschland dran, Kritik kann ich daher nicht verstehen kann. Wenn man die Mineralölsteuer mitberechnet, haben wir bei Diesel eine Besteuerung von 163 Euro pro Tonne.

Themenwechsel: Wie sieht eine Bilanz der letzten Jahre im Wirtschaftsbund aus?
Wir konnten vieles in die Wege leiten und umsetzen. Da wäre die Arbeitszeitflexibilisierung, die gut angenommen wird und auch nicht, wie von manchen befürchtet, ausbeuterisch ist. Wir konnten in der Struktur zukunftsfitte Veränderungen einleiten, Stichwort Sozialversicherungen. Obwohl wir oft auf Unverständnis gestoßen sind, war es richtig, ständig auf den Ausbau der Infrastruktur zu drängen, beim Breitband wären wir sonst nach wie vor Entwicklungsland. Ein Punkt, den wir leider nie ganz abhaken können, ist der Abbau von Bürokratie. Um international wettbewerbsfähiger zu sein, ist die Steuer- und Abgabenlast noch immer zu hoch.

Wie sehen Sie aktuell die Lage des Wirtschaftsstandortes Steiermark, auch im Vergleich zu anderen Regionen Österreichs und Europas?
In Österreich und auch innerhalb der Regionen Europas ist die Steiermark an der Spitze. Wir liegen bei der Forschungs- und Entwicklungsquote im europäischen Spitzenfeld. Das verdanken wir dem guten Zusammenspiel zwischen Land, Stadt Graz und unseren Betrieben. Ich hoffe nur, dass sich die künftige Grazer Bürgermeisterin ihrer Verantwortung gegenüber dem Standort bewusst ist.

Stichwort Arbeitszeitflexibilisierung, was braucht es, was fehlt?
Es gibt unterschiedlichste Modelle, die für unterschiedliche Branchen passend sind. Das heißt so wenig Regulation wie möglich und so viel wie nötig, denn Flexibilität lässt sich nicht über einen Kamm scheren, In manchen Bereichen möchten die Arbeitnehmer mehr als es das Gesetz zulässt. Unsere Betriebe brauchen motivierte Mitarbeiter, wenn es für den Betriebsablauf passt, sind sie die letzten, die flexible Modelle ablehnen. Wir wissen, dass wir hier neue Wege gehen müssen.

Gefühlt ist der Arbeitsmarkt leergefegt von guten Arbeitskräften, wie kann man da gegensteuern?
Wir haben bereits Vorkrisenniveau erreicht und auch dort haben wir immer betont, dass es gezielte Maßnahmen braucht. Die müssen das Nachschärfen bei Zumutsbarkeits- und Zuverdienstgrenzen genauso umfassen wie Projekte, um Langzeitarbeitslose wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Grundvoraussetzung dafür ist, dass sich Arbeiten lohnen muss. Auch bei der Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern gebe es noch mehr Möglichkeiten.

Was sehen Sie als größte Aufgabe des Wirtschaftsbundes für die kommenden Monate und Jahre?
In den Themen werden wir aus meiner Sicht drei wichtige Aspekte beachten müssen. Zum einen wären das die Arbeitskräfte, die uns aktuell fehlen und langfristig gedacht auch die Ausbildung von jungen Menschen. Das Zweite ist der Mix aus Globalität und Regionalität. Wir müssen unsere Regionen und deren Infrastruktur stärken, damit wir am globalen Markt bestehen können. Rund 50 Prozent unserer steirischen Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt vom Export abhängig. Das dritte Thema ist die Nachhaltigkeit. Auf der einen Seite im Sinne des Umweltschutzes, wo wir weiter an neuen Technologien und Lösungen forschen und entwickeln müssen. Aber auch die Nachhaltigkeit des Unternehmertums an sich. Wir brauchen flexiblere und bessere Lösungen, wenn es um Nachfolge, Übernahmen und Start-Ups geht.

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