Serie zur Sportgeschichte
Eine Stadt findet zum sozialen Straßenfußball
- Bei der Homeless World Cup-Premiere anno 2003 in Graz holte sich das Österreichische Team den Sieg.
- Foto: GEPA
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Homeless Worldcup: Wie der soziale Straßenfußball in Graz seinen Anfang nahm und wann der nächste Cup ansteht.
Ein Beitrag von Christoph Hofer
Fußball war und ist ein Sport, der Völker verbindet, weltweit gespielt wird und über alle Gesellschaftsschichten hinweg populär ist. Gerade in ärmeren Ländern identifizieren sich viele Fans mit jenen Stars, die das Kicken einst auf der Straße erlernten. Nur ein Bruchteil dieser spielenden Kinder, wie etwa ein Ronaldo, konnte sich den Profi-Traum erfüllen.
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In den letzten Jahrzehnten hat sich aber nicht nur die Sportart selbst weiterentwickelt, sondern auch das Umfeld. Paradebeispiel ist die Einführung einer eigenen Fußballweltmeisterschaft für Obdachlose im Jahr 2003: Nicht ganz zufällig wurde die erste Auflage damals in Graz ausgetragen.
Graz als Premiere
Initiiert wurde das als Homeless World Cup (HWC) titulierte Event für Obdachlose, Flüchtlinge, Suchtkranke und Menschen mit psychischen Problemen nämlich von Harald Peter Schmied, dem damaligen Chefredakteur des Grazer Magazins „Megaphon“ und dem Schotten Mel Young, der dem internationalen Straßenzeitungs-Netzwerk INSP angehörte.
Mit der Ausrichtung des Homeless World Cups sollten Obdachlose bei der Reintegration in die Gesellschaft unterstützt werden. Erste Bühne war dann eben Graz, wo das Event neben dem „Megaphon“ auch von „Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas“ und der Caritas unterstützt wurde. Gespielt wurde von 7. Bis 12. Juli auf Straßenasphalt, und zwar am Hauptplatz und im Paradeishof.
Schon bei der ersten Auflage waren Teams aus 20 Ländern am Start. Jubeln durften am Ende die Lokalmatadoren: Das österreichische Team, das sich damals ausschließlich aus afrikanischen Migranten zusammensetzte, konnte sich im Finale gegen England durchsetzen.
Einmalige Chance
Die erfolgreiche WM in Graz sollte als Startschuss zur weltweiten Nutzung der lebensverändernden Kraft des Fußballsports im Bereich der Obdachlosenarbeit fungieren. Schnell unterstützten auch UNO und UEFA dieses Sportereignis, das fortan jährlich zur Austragung kam. Gespielt wurde beispielsweise schon in Südafrika, Australien, Brasilien, Mexiko und Schottland, das bis dato letzte Turnier ging 2019 und damit noch vor der Coronapandemie in Wales über die Bühne.
Vieles wurde seit 2003 professionalisiert, die Grundregeln für die Teilnahme sind noch die gleichen: So darf jede Person, die im Jahr vor der WM obdachlos war, nur einmal im Leben beim Homeless World Cup mitspielen.
- Der HWC erhielt 2017 den Menschenrechtspreis der Stadt Graz.
- Foto: Caritas
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Training für den nächsten Cup
Das österreichische Team wird dabei übrigens bereits seit 2004 vom ehemaligen Fußballprofi Gilbert Prilasnig betreut. Für den 48-Jährigen, derzeit Jugendleiter beim SK Sturm, ist es Jahr für Jahr immer wieder eine Herausforderung, ein völlig neues Team auf die WM vorzubereiten. Mittlerweile wird Prilasnig als Coach von der früheren Sturm-Graz-Spielerin Emily Cancienne unterstützt.
Dieser beispielhafte Einsatz für Menschen am Rande der Gesellschaft wurde auch schon mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Graz im Jahr 2017. Mitinitiator Schmied verstarb 2018 nach langer, schwerer Krankheit. Er würde sich mit Sicherheit freuen, wenn sein Lebenswerk fortgesetzt wird: Zwei Homeless World Cup-Auflagen mussten aufgrund der Coronasituation bereits abgesagt werden, 2022 soll es mit dem sozialen Straßenfußball aber endlich wieder weitergehen …
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