Corona-Umfrage
Auslastung der Industriebetriebe teilweise unter 50 Prozent

Sieht die Wirtschaft vor einem schweren Weg zurück: der steirische IV-Geschäftsführer Gernot Pagger.
  • Sieht die Wirtschaft vor einem schweren Weg zurück: der steirische IV-Geschäftsführer Gernot Pagger.
  • Foto: IV/Kanizaj
  • hochgeladen von Roland Reischl

Die steirische Industriellenvereinigung (IV) hat eine Blitzumfrage unter 74 Industriebetrieben durchgeführt, die Ergebnisse sind naturgemäß wenig erfreulich.
Rund ein Viertel der Unternehmen kommt im April auf eine Auslastung von nicht einmal 50 Prozent. Etwa die Hälfte der Unternehmen ist zwar bis Ende des Monats noch relativ gut ausgelastet, dieser Wert reduziert sich jedoch in weiterer Folge deutlich, im 2. Quartal ist es nur mehr ein Drittel der Unternehmen.
IV-Geschäftsführer Gernot Pagger betrachtet dies durchaus mit Sorge: „Wir sehen, dass sich die Auftragslage im Mai und im Juni – auch verglichen zum April – nochmals spürbar verschlechtern wird." Der Weg zurück weder über den Sommer einsetzen und mindestens bis weit in den Herbst hineinreichen. "Es wird ein langer Weg, geprägt von vielen Unsicherheiten sein“, so Pagger. Er erwartet eine Entspannung in zwei Geschwindigkeiten: Die Investitionsgüterindustrie werde wohl rascher aus der Krise finden als die Konsumgüterindustrie.

Märkte, Lieferketten und Reisetätigkeit als Hemmschuh

Die Prognosen seien außerdem von einer zunehmenden Unsicherheit begleitet. Sind es derzeit nur 3 Prozent der Betriebe, die die weitere Entwicklung nicht abschätzen können, steigt dieser Wert auf 20 Prozent bzw. 23 Prozent in der 6- und 9-Monatsperspektive. Gründe dafür gibt es viele, hauptsächlich sind es die nicht kalkulierbare Entwicklung von Hauptabsatzmärkten sowie Zulieferregionen.
Fast 50 Prozent der Unternehmen steht derzeit vor der Herausforderung, dass die für die Produktion in der Steiermark nötigen Vorprodukte, Bauteile und Komponenten aus dem Ausland nicht zur Gänze gewährleistet sind. Zudem befinden sich mit Italien, Großbritannien und den USA drei der zentralsten steirischen Exportmärkte in besonders schwierigen Situationen. Auch der eingeschränkte Personenverkehr ist Thema, mangels internationaler Reisemöglichkeiten können die Betreuung von Baustellen im Ausland, nötige Wartungsarbeiten bei internationalen Kunden sowie die Vertriebstätigkeit derzeit nur äußerst minimal erfolgen. Wesentlich ist, dass das Tagespendeln aus Slowenien und Ungarn in die Steiermark auch weiterhin reibungslos möglich sein wird.

"Keine neuen Steuern einführen"

Nach dem Rekordinvestitionsjahr 2019 wurden jetzt viele Investitionsvorhaben für 2020 „on hold“ gesetzt – primär aufgrund von Nachfrageeinbrüchen. Um die Investitionstätigkeit von Unternehmen wieder zu befeuern ist aus Sicht der IV ein investitionsfreundliches Klima notwendig. „Was Österreich jetzt mehr denn je braucht, sind Investitionen und Wachstum. Neue Steuern würden beides behindern“, so Pagger. Für einen möglichst raschen Weg zurück benötigt es aus Sicht der Umfrageteilnehmer ein unbürokratisches Umsetzen der ausgearbeiteten. Hilfsprogramme, um insbesondere die Liquidität der Unternehmen aufrechtzuerhalten.

Österreich kommt schneller als andere wieder in Fahrt

Pagger ist aber durchaus zuversichtlich: „Österreich ist es mit den gesetzten Maßnahmen schneller als vielen anderen Ländern gelungen, einen Weg aus der Krise zu finden und einzuschlagen. Das Aufrechterhalten der Produktion in den vergangenen Wochen, das nunmehrige geordnete Wiederhochfahren der restlichen Wirtschaft und damit verbunden eine frühzeitige Lieferfähigkeit der österreichischen Unternehmen ist eine Chance, sich nachhaltig erfolgreich auf den Märkten zu positionieren. Die dafür notwendigen Mitarbeiter haben die Unternehmen in der Industrie in Beschäftigung gehalten."


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