01.11.2017, 07:00 Uhr

Nach dem Wahlkampf: Kurz-Büro ist auf dem Markt

Zu vermieten: Trotz des hohen Preises kommen neue Mieter. (Foto: WOCHE)

4.775 Euro Miete für 55 Quadratmeter in der Sporgasse. Die Räume des "Team Kurz" sind zu vermieten.

Jahrzehntelang war in der Sporgasse 19 das burgenländische Maßhemdenunternehmen "Gloriette" beheimatet, vor der Wahl diente das Lokal dem Wahlkampfteam von Sebastian Kurz, und nun steht es leer. Auf "willhaben" entdeckt man die Anzeige: Für 55 Quadratmeter, davon 38 Quadratmeter Verkaufsfläche, wird eine Gesamtmiete von 4.775,39 Euro verlangt. Grund für die WOCHE nachzufragen, ob dieser Preis überhöht ist und wie Experten diese Preisentwicklung sehen.

"Miete ist angemessen"

"Angebot und Nachfrage sind entscheidend", erklärt der mit der Immobilie beauftragte Makler Gerd Nemetz. Solange es jemanden gibt, der den Preis für die Lage zahlt, könne man einen solchen Preis auch verlangen. Die Verhandlungen mit einem zukünftigen Mieter sind schon fortgeschritten, bestätigt sowohl Nemetz als auch Eigentümer "Palmers Immobilien AG". "Die Nettomiete beträgt 3.800 Euro und ist für ein Lokal in dieser Lage selbstverständlich angemessen", antwortet Palmers-AG-Vorstand Gernot Essl auf WOCHE-Nachfrage.

Große Konkurrenz

"Die Miete war der Hauptgrund", erzählt Franz Weiß, Prokurist von "Gloriette", dem ehemaligen Mieter dieses Geschäftslokals. Die Miete sei in den vergangenen Jahren nämlich verdoppelt worden. "Die Umsätze haben gepasst. Wir wollten diesen Standort nicht aufgeben", sagt Weiß, der auf der Suche nach einem neuen Standort in Graz ist. "Es wird für regionale Unternehmer immer schwieriger, sich zu behaupten", erörtert Weiß weiter, dass man als stationärer Händler bereits im Kampf gegen das Online-Geschäft ist. WKO-Regionalstellenleiter Viktor Larissegger betont, dass es keine Mietobergrenze gibt, aber dass man mit der Stadt Graz und dem Citymanagement am Leerflächenmanagement arbeitet. "Eine gewisse Beständigkeit wäre für Unternehmer wie für Stammkunden wünschenswert", so Larissegger.

Der Handel im Wandel

Mit dem konkreten Beispiel konfrontiert nennt Gerald Gollenz, Obmann der Immobilien-Fachgruppe der WKO Steiermark als auch die Geschäftsführung von "JKP Immobilien", die sehr viele Geschäftsräumlichkeiten in Graz vermietet, als überzogen. "Verlangen kann man es, aber ob man es bekommt, ist die Frage", so die JKP-Geschäftsführung, die hier eine Miete von 2.500 bis maximal 3.000 Euro für realistisch erachtet. "Der Handel ist im Wandel, und die Leerstände sind ein Produkt der hohen Mieten", wird von JKP bestätigt.
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