12.01.2018, 00:30 Uhr

Atomkaftwerk Dukovany vor Ausbau - Protest aus Österreich

Das tschechische Atomkraftwerk Dukovany stammt noch aus dem Kommunimus. Jetzt soll es ausgebaut werden. (Foto: Petr Kadlec/Flickr/CC BY-SA 2.0)

Das tschechische Atomkraftwerk Dukovany soll ausgebaut werden. Dagegen hagelt es Proteste aus Österreich. Unter anderem von den Bundesländern. Die werden dem tschechischen Umweltministerium jetzt eine gemeinsame parteiübergreifende Stellungnahme gegen den Ausbau übermitteln. Denn derzeit läuft eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu der man bis 15. Jänner Stellung beziehen kann.

"Es sind noch sehr viele Fragen offen"

"In der UVP müssen noch viele Fragen geklärt werden. Von der fraglichen Versorgung mit ausreichend Kühlwasser über die Erdbebengefährdung bis hin zur fehlenden Entsorgungsmöglichkeit von radioaktivem Müll. In unserer Stellungnahmen haben wir das alles angeführt. Auch die Finanzierung des geplanten Ausbaus ist weiterhin nicht geklärt. Die tschechischen Betreiber stehen also noch vor vielen ungelösten Fragen", sagt der niederösterreichische LH-Stellvertreter und Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (ÖVP) zu meinbezirk.at.

Verstrahlung wie bei Tschernobyl

Pernkopf, einer der Initiatoren der österreichischen Stellungnahme, geht davon aus, dass Tschechien diese Fragen "sehr ernst" nimmt. Das AKW Dukovany ist cirka 30 Kilometer von der niederösterreichische Grenze und knapp 100 Kilometer von Wien entfernt.

Im Katastrophenfall und bei üblicher Wetterlage wären Niederöstereich, Wien und das nördliche Burgenland schwer betroffen. Laut diversen Szenarien von Umweltschutzorganisationen wäre mit einer Verstrahlung wie bei Tschernobyl und darüber hinaus zu rechen.


Auch privat für Alternativ-Energie: LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf vor seiner eigenen Photovoltaik-Anlage

Eine Altlast aus dem Kommunismus

Dukovany ist nämlich ein Sowjet-AKW aus den 1980er-Jahren. Ohne modernes Schutzhüllen-System. Immer wieder müssen die bestehenden Reaktoren außerplanmäßig abgeschaltet werden. Das letzte Mal erst am 30. Dezember wie die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima unlängst mitteilte. Für Sima ist Dukovany der "Pannen-Reaktor vor den Toren Wiens".

Trotzdem wurde erst kürzlich die Laufzeit für alle vier bestehenden Reaktoren verlängert. Und mindestens ein zusätzlicher Reaktorblock soll jetzt also dazukommen. Denn Tschechien will die Atomenergie ausbauen. Dukovany liefert derzeit 20 Prozent des tschechischen Stroms. 

"Subventionen für Atomkraftwerke untersagen"

Verhindern wird sich der Ausbau nicht lassen. Denn auch in der EU kann jedes Land seine eigene Energiepolitik betreiben. Dazu Pernkopf: "Wir brauchen einen verpflichtenden Ausstiegsplan aller EU-Staaten aus der Atomkraft. Die Europäische Kommission muss die Subventionen für Atomkraftwerke endlich untersagen. Die Atomkraft bleibt eine Hochrisikotechnologie und ohne Subvention ist jeder AKW-Neubau unwirtschaftlich. Damit wäre ein Ausbau für die Betreiber nicht mehr lukrativ."

Die Lösung liegt für Pernkopf im Ausbau der alternativen Energieformen. Niederösterreich und das Burgenland beziehen ja bereits mehr als 100 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbarer Energie.

Sind wir für den Fall des Falles vorbereitet?

Schließlich wollen wir noch wissen, ob Österreich für den Fall eines Atom-Unfalls an unseren Grenzen gerüstet ist? Pernkopf: "Es gibt viele Vorkehrungen im Strahlenschutz und Katastrophenschutzbereich über den Zivilschutzverband, den Feuerwehren und bei allen Hilfsorganisationen. Wir hoffen, dass wir diese Notfallpläne nie brauchen werden."

Redaktion: Wolfgang Unterhuber



Leserrekationen



60 Jahre Laufzeit für AKW?

Sehr geehrter Herr Unterhuber,sehr geehrte Damen und Herren!

Wer mit einem 20 Jahre alten Fahrzeug unterwegs ist, muss damit rechnen, jederzeit eine Panne zu haben. Warum soll dies bei den noch viel komplizierteren Atomkraftwerken anders sein? Da ein Großteil der AKWs in Mitteleuropa bereits mehr als 30 Jahre in Betrieb sind, werden sich Störfälle häufen. Eine Verlängerung der Laufzeit für Kernkraftwerke auf 60 Jahre, wie es sich einige Betreiber wünschen, finde ich bedenklich.
Angesichts der begrenzten Vorräte und der Risiken heutiger Energiequellen stellt sich die Frage: Kann die Menschheit ihren scheinbar grenzenlosen Hunger nach Energie nur stillen, indem sie die Erde ruiniert?
Sonne, Wind, Wasser und die Geothermische Energie sind die umweltfreundlichere Alternative zu Kohle, Erdöl, Erdgas und Kernenergie. Das die Umwelt und langfristig jeder Mensch, von einer Umstellung auf umweltfreundlichere Energiequellen profitieren würde, steht außer Frage.

Mit freundlichen Grüßen
Ing. Harald S.
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Sehr geehrter Hr. Unterhuber !

Gut, dass dieses Thema wieder einmal behandelt wird. Allerdings gestatten sie mir zwei Anmerkungen dazu:
1.) Es gibt die Möglichkeit für Haushalte und Betriebe, auf absolut sauberen Ökostrom umzusteigen und sich dadurch atomstromfrei zu versorgen. Erst vor kurzem hat der WWF dazu eine nachvollziehbare Bewertung der Stromanbieter veröffentlicht, da ja leider auch einige Landesversorger mit Atomstromerzeugern firmenrechtlich “verbandelt” sind.
2.) Den parteiübergreifenden Zusammenschluss, gegen Widerstände den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung zur Vermeidung von Atomstrom in unseren Netzen voranzutreiben, sehe ich in Niederösterreich, z.B. bei uns im Waldviertel nicht: Nicht nur, dass erneuerbare Energienutzung im Wahlprogramm der FPÖ in NÖ.zur kommenden Landtagswahl komplett fehlt, es war auch die FPÖ, die in den letzten Jahren bei uns im Waldviertel mit Falschmeldungen wie “Wir haben eh schon genug Strom zur Eigenversorgung im Waldviertel, da gehts den Betreibern nur ums Geschäft” und massiven Kampagnen gegen jede Art von Windkraftnutzung (z.B.in der Gde. Großgöttfritz) mobil gemacht hat.

Mit freundlichen Grüßen
Ing. Ewald G.
Energieberater und Stadtrat, Zwettl, NÖ
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Sehr geehrter Herr Chefredakteur,
zu Ihrem Artikel „Der Atomstrom und das Gewissen“ darf ich mich wie nachstehend äußern.

Ich bin Gegner der Atomkraft und habe daher überhaupt kein Verständnis für Erweiterungen an derartigen Kraftwerken, speziell wenn sich diese in Nähe zu österreichischem Staatsgebiet befinden.
Leider kann ich Ihr Lob auf die österreichischen Politiker nicht wirklich nachvollziehen. Die Damen und Herren können gerne parteiübergreifend in Österreich gegen Atomstrom auftreten, bringen tut das ohnedies nichts – wie dem Ihrer Kolumne angeschlossenen Bericht über Dukovany zu entnehmen ist.

Vielmehr stört es mich ganz gewaltig, dass weder Politiker noch Journalisten den Mut aufbringen, um der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen. Ganz im Gegenteil, wie Sie auch richtig festgestellt haben, sind wir wohl gegen Atomstrom, nehmen diesen dann aber gerne in Anspruch, wenn inländisch Stromengpässe bestehen, wie dies ja laufend der Fall ist. Was ich nicht verstehe ist, dass man hier nicht die Wahrheit sagen kann oder will. Es geht einfach auf Dauer nicht, dass wir immer mehr Energie verbrauchen als vorhanden ist. Über zig Jahrtausende konnten die Lebewesen auf der Erde mit der zur Verfügung stehenden Energie das Auslangen finden. Offenbar glauben Teile der „modernen Menschheit“, dass man Strom und Erdöl so verbrauchen kann, als ob diese Energielieferanten unendlich zur Verfügung stehen würden. Niemand aus meinem Umfeld glaubt jedoch ernsthaft, dass wir ständig mehr verbrauchen können als an sich vorhanden ist und dass ein immer steigendes Wirtschaftswachstum möglich ist. Warum vermeiden dann unsere Politiker dies öffentlich anzusprechen? Nur mit höchstmöglicher Schonung der Energiereserven wird es möglich sein, während der kommenden Jahrzehnte noch Energieträger zur Verfügung zu haben. Stattdessen werden die Bürger dazu animiert, ständig neue Energiefresser anzuschaffen, im Haushalt muss alles elektrisch ablaufen, in der Küche bis hin zum Dosenöffner und sogar zu elektrisch öffnenden Schranktüren! Weiters müssen Computer, Modem, TV- und Videogeräte, ständig am Netz hängen, damit diese bequem mittels Fernbedienungen eingeschaltet werden können, ganz zu schweigen von der Neuheit „Smart-Home“, wo ja die ganze Steuerung des Objekts und der Liegenschaft automatisch erfolgen soll. All diese Entwicklungen sichern einen ständig zunehmenden Energiebedarf.

Unsere Politiker plappern aber großteils nur das nach, was aus der EU kommt. So treibt man momentan die Leute zum Kauf von Elektroautos, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was das zukünftig für einen Einfluss auf die Stromversorgung haben wird, wo wir doch schon ohne E-Mobilität unseren Bedarf nicht selbst decken können. Was geschieht dann in rund 5 Jahren, wenn Berge alter „ausgelutschter“ Autobatterien anfallen werden. So weit ich weiss, gibt’s dafür kein Recycling, somit wird dann alles auf Deponien wandern ... Abgesehen von der „Sauberkeit“ der E-Autos, wo EU-weit die Energie aus Kohle- und Atomkraftwerken kommt. Den Bürgern will man E-Mobilität verordnen, selber lassen sich die Damen und Herren aber in ihren deutschen Luxuslimousinen mit leistungsstarken Verbrennern herum chauffieren!

Energieziele und Umweltstrategien wurden festgeschrieben, siehe Kyoto bis 2020. Jetzt, wo der Termin vor der Türe steht, erkennt man unschwer das totale Versagen (siehe Deutschland Braunkohle) und verschiebt halt einfach alles auf 2030. Man darf davon ausgehen, dass dann 2030 wieder nichts erreicht worden ist und weitere Zeiterstreckungen kommen werden. Aber man legt fest, dass spätestens 2040 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden sollen. Dieser Punkt erledigt sich vielleicht ohnehin von selbst, weil dann einfach kein Erdöl mehr gefördert werden kann oder Treibstoffe ohnehin unerschwinglich teuer geworden sind.
Ich meine daher, dass es über kurz oder lang zu Energierationierungen kommen wird. Jeder Haushalt wird dann nur eine gewisse Energiemenge (kWh) pro Tag verbrauchen dürfen, dank Smartmeter werden die Energielieferanten dann ganz einfach nach Erreichen des vorgegebenen Tageswertes die Stromzufuhr kappen. Ähnliches wird es auch im privaten Autoverkehr geben – vielleicht erinnern Sie sich noch an die Erdölkrise in den 70er-Jahren, wo man das eigene Auto an einem Tag der Woche nicht nutzen durfte …
Somit gehe ich davon aus, dass die Politik im Energiebereich einfach nichts zukunftsweisendes zu Stande bringen wird und stehe daher den Entwicklungen in diesem Bereich sehr skeptisch gegenüber.
Daher sollte man auch mit dem Lob eher sparsam umgehen.

Ich freue mich auf ihre nächste Kolumne, wünsche alles Gute,
freundliche Grüße
Ing. Wolfgang R.
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Sehr geehrter Herr Chefredakteur,

ich möchte mich für Ihre Kolumne “Der Atomstrom und das Gewissen” auf Seite 40 bedanken.
Sie schreiben vollkommen richtig, dass wir in Spitzenzeiten auch Atomstrom importieren. Ich habe auch diesbezüglich die EVN angeschrieben (auf meiner Rechnung wird kein Atomstromanteil und radioaktiver Abfall von 0 ausgewiesen), aber noch keine Antwort erhalten.
Leider bezeichnen Sie auch mich als Scheinheiligen, der gegen Windräder protestiert (inzwischen tue ich das!). Ich würde aber im Gegensatz dazu (und auch zu früher – ich war 1978 dabei) nicht mehr gegen Kernkraft protestieren. Und das nicht nur, wie Sie im Artikel auf der gleichen Seite erwähnen, weil sich der Ausbau nicht verhindern lassen wird, sondern auch u.A., dass ich mir von der 4. (und vielleicht späterer) Generation eine wesentlich erhöhte Sicherheit, eine drastische Reduzierung des “Abfalls” und durch schnelle Brüter eine (fast) unerschöpfliche Energiequelle erwarte, sowie durch die von der Politik irrigerweise gewünschte CO2-Reduktion, die sich auf keine andere Art der Stromerzeugung außer Wasserkraft erreichen lässt! Inzwischen wurde ja schon nachgewiesen, dass sogar die “nachhaltigen” Pellets dem Umweltschutzgedanken diametral entgegenstehen. Von grünen Aktivisten wird sogar gegen Wasserkraft protestiert (z.B. Ötztal; es wurde sogar tlw. der Abriss von Kampkraftwerken gefordert).
Und hier schließt sich aber leider der Kreis, dass Sie vollkommen Recht haben, mit Ihrer Aussage, dass eben jene Scheinheiligen am lautesten aufschreien würden, wenn der Strom abgedreht würde.
Kurz noch zu Ihrer Bemerkung zur Unwirtschaftlichkeit ohne Milliardenstützungen: Wie würde die Rechnung (für den Konsumenten) aussehen, wenn überhaupt keine Art der Stromerzeugung subventioniert werden würde (wird nämlich jede! – ist allerdings vollkommen unrealistisch) und dafür keinerlei Sonderabgaben- und –steuern auf Strom erhöben würden?

Mit freundlichen Grüßen

Martin P.
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