20.12.2017, 13:14 Uhr

Werner Kogler über die Zukunft der Grünen: "Wir wären mehr gebraucht worden denn je"

Bundessprecher der Grünen Werner Kogler bei der Grünen Weihnacht im Wiener Votivkino.

Es war ein hartes Jahr für die Grünen. Im Wiener Votivkino spricht Werner Kogler bei der Grünen Weihnacht über Fehler und Zukunft der Partei.

WIEN. Das hätte sich vor einem Jahr wohl noch niemand gedacht. Nachdem die Grünen gerade erst den Sieg von Alexander van der Bellen bei der Bundespräsidentenwahl gefeiert haben, sieht es schon im ersten Halbjahr 2017 nicht mehr so rosig für die Partei aus. 

Ein Dämpfer nach dem anderen 

Nach der Trennung von den "Junge Grüne" Anfang des Jahres und dem Rücktritt von Frontfrau Eva Glawischnig mussten die Grünen auch noch mit dem Verlassen der Partei von Peter Pilz im Juli kämpfen, der kurz darauf auch noch mit einer eigenen "Liste Pilz" ebenfalls im Wählerpool seiner ehemaligen Partei fischte.

Mit Ulrike Lunacek als Nachfolgerin von Eva Glawischnig schaffte die Umwelt-Partei bei dieser Nationalratswahl dann aber nicht einmal den Einzug in den Nationalrat. Die Grünen mussten sich mit 3,8 Prozent zufrieden geben und verpassten so den Einzug um nur 0,2 Prozent. Seit Mitte Oktober ist nun Werner Kogler Bundessprecher der Grünen. 

Nach dieser Niederlage und dem Schock innerhalb der Partei musste man sich an die Ursachenanalyse wagen. Warum haben die Grünen so viele Stimmen verloren? Eine von vielen Fragen, denen sich Werner Kogler am 19. Dezember bei der Grünen Weihnacht im Votivkino gestellt hat.

Fehlersuche in den eigenen Reihen

Innerhalb der Partei weiß man definitiv, dass in diesem Jahr viele Faktoren mitgespielt haben, die für das vernichtende Ergebnis bei der Wahl ausschlaggebend waren. "Was ich nicht verzeihe ist, dass Entscheidungen getroffen wurden und dann ein kommunikatives Versagen stattfand. Gerade für die junge Generation sind die Grünen inhaltlich wohl am ehesten interessant" meint Werner Kogler. 

Aber auch die Endphase des Wahlkampfes wurde seitens des Publikums kritisiert. "Wir hätten sagen müssen, für uns kann es eng werden", gesteht Kogler, "wir wären mehr gebraucht worden denn je", ist sich der neue Bundessprecher der Grünen sicher.


Wie es weiter geht

Wie sieht nun die Zukunft aus? Für Werner Kogler steht fest, dass es ein "back to the roots" nur dahingehend geben soll, dass man sich inhaltlich wieder stärker orientiert und wieder breite Zugänge zur Ökologie findet. Die Grünen sollen eine monodimensionale, ideologische Gruppe sein, die aber durchaus auch an einer Regierungsbeteiligung interessiert sind. "In dem Moment, wo man sich entscheidet ins Parlament zu gehen, muss man auch bereit sein sich an der Regierungsbildung zu beteiligen", meint der Bundessprecher, "aber die ideologischen Wurzeln müssen inhaltlich erhalten bleiben." 

Für 2018 gibt es schon Pläne. Ein Ideenmangel herrscht bei den Grünen laut Kogler nicht, natürlich aber ein Geldmangel. Die Netto-Schulden der Partei betragen in etwa die Kosten für den Bundespräsidenten Wahlkampf. Eine Neustrukturierung ist also unumgänglich. Im kommenden Jahr wird es seitens der Grünen Spendenaufrufe geben und auch die Option Crowdfounding hält man sich offen. 

Stimmung: entschlossen bis angespannt

Zumindest die Stimmung bei der Grünen Weihnacht wirkte, wie momentan die gesamte Partei. Einerseits mit Ziel vor Augen und hoffnungsvoll, andererseits doch angespannt und etwas chaotisch. Der Unmut einiger Stammwähler, wie mit manchen Situationen umgegangen wurde, war ebenso zu spüren, wie eine Bereitschaft für einen Neuaufbau der Grünen. 
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