Nach Gewalttaten
Heimschuh lädt zum offenen Gespräch über Femizid, Suizid und Gewalt

Gemeinsam will Heimschuh die Trauerarbeit im Ort gemeinsam mit ausgebildeten Expertinnen und Experten bewältigen. | Foto: MeinBezirk/Waltraud Fischer
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  • Gemeinsam will Heimschuh die Trauerarbeit im Ort gemeinsam mit ausgebildeten Expertinnen und Experten bewältigen.
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Nach dem unfassbaren Femizid und Suizid in der Gemeinde Heimschuh steht die Bevölkerung weiter unter Schock. Um offen über die Themen Femizid, Suizid und Gewalt sprechen zu können, wird die Schutzengelhalle in Heimschuh am Dienstag, dem 5. Mai um 17 Uhr zum Begegnungsraum für alle. 

HEIMSCHUH. Nichts ist in der Naturparkgemeinde Heimschuh, wie es einmal war und die schwarze Fahne weht vor dem Gemeindeamt im Ortszentrum und erinnert an einen schwarzen Sonntag, der nicht in Worte gefasst werden kann: Ein 36-Jähriger erschießt seine Ehefrau und anschließend sich selbst. Zurück bleiben zwei Kinder, die von einem Moment auf den anderen beide Eltern verlieren. Zurück bleiben Angehörige, Freundinnen und Freunde, Nachbarinnen und Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen sowie eine Gesellschaft, die heuer bereits zum neunten Mal erleben muss, dass eine Frau von einem Mann aus ihrem Umfeld getötet wird.

Natascha Bergler, Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle Leibnitz, steht mit ihrem Team bei Frauenanliegen aller Art unterstützend zur Seite. | Foto: Christian Freydl
  • Natascha Bergler, Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle Leibnitz, steht mit ihrem Team bei Frauenanliegen aller Art unterstützend zur Seite.
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Das Leben danach

Während im Kindergarten und in der örtlichen Volksschule Expertinnen und Experten professionelle Hilfe anbieten, bringen sich auch die Frauenberatungsstelle "Freiraum" und "Go on" mit einem Angebot für die gesamte Bevölkerung in die Thematik ein. Die beiden Organisationen sind an die Gemeinde Heimschuh herangetreten und werden gemeinsam mit dem Gewaltschutzzentrum Leibnitz, dem Verein Frauenhäuser Steiermark und der Männerberatung Leibnitz am Dienstag, dem 5. Mai um 17 Uhr in der Schutzengelhalle Heimschuh einen Begegnungsraum ermöglichen, wo alle willkommen sind und offen über die Themen Femizid, Suizid und Gewalt sprechen können.

Die Betroffenheit in der Bevölkerung über den Femizid und Suizid in Heimschuh, der zwei Buben zu Vollwaisen machte, ist groß. | Foto: klimkin/Pixabay
  • Die Betroffenheit in der Bevölkerung über den Femizid und Suizid in Heimschuh, der zwei Buben zu Vollwaisen machte, ist groß.
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"Es tut gut, Gedanken zu teilen oder einfach zuzuhören. Im Rahmen des Treffens wird ein geschützter Raum für Gespräche, Begegnung und den Austausch geschaffen. Fragen, Erfahrungen und Ideen sind beim offenen Treffen jederzeit möglich", lädt Natascha Bergler von der Frauenberatungsstelle Leibnitz ein.

Was nach einer Gewalttat wichtig ist

Taten wie jene in Heimschuh erschüttern zutiefst. Sie machen sprachlos, traurig, wütend und fassungslos. Viele Menschen fragen sich danach: Was kann ich sagen? Wie kann ich helfen? Wie gehe ich damit um, wenn einem selbst die Worte fehlen?

Gerade dann ist es wichtig, nicht wegzusehen. Oft sind es keine perfekten Worte, die gebraucht werden, sondern ehrliche Anteilnahme, Aufmerksamkeit und Menschlichkeit.

Hinschauen statt verdrängen

Gewalt kann überall passieren. Gewalt betrifft nicht nur „andere“ oder findet nur „anderswo“ statt. Sie kann in jeder Familie, jeder Nachbarschaft und jedem sozialen Umfeld vorkommen. Deshalb ist es wichtig, Gewalt in all ihren Formen ernst zu nehmen. Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben ohne Gewalt.

Gewalt ist keine Privatsache – Nähe zeigen

Nach solchen Taten herrscht oft Unsicherheit. Viele Menschen meiden Betroffene aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Doch Schweigen kann zusätzlich belasten. Ein einfaches: „Ich bin da“, „Wie geht es dir?“ oder „Du bist nicht allein“, kann mehr helfen als viele Worte. Unterstützung anzubieten und präsent zu bleiben, ist oft das Wertvollste.

Unterschiedliche Reaktionen sind normal

Menschen reagieren auf erschütternde Ereignisse sehr verschieden. Manche erstarren, andere werden wütend, ziehen sich zurück oder leiden unter Schlafproblemen und Unruhe. All diese Reaktionen sind normal und dürfen sein. Jede und jeder verarbeitet Erlebtes auf eigene Weise und im eigenen Tempo.

Zuhören statt erklären

Nicht alles braucht sofort Antworten. Für manche Taten gibt es keine verständlichen Erklärungen. Wichtiger ist es, zuzuhören, Gefühle ernst zu nehmen und Raum für Trauer, Fragen oder Sprachlosigkeit zu geben. Manchmal hilft stille Anwesenheit mehr als jedes Gespräch.

Vorsicht mit Ratschlägen

Gut gemeinte Sätze wie: „Du musst jetzt stark sein“ oder „Denk positiv“ können Druck erzeugen. Betroffene brauchen keine schnellen Lösungen, sondern Mitgefühl, Zeit und Verständnis. Gefühle dürfen da sein: ohne bewertet oder relativiert zu werden.

Kinder besonders im Blick behalten

Kinder nehmen Spannungen und Veränderungen sehr genau wahr. Nach solchen Ereignissen suchen sie nach Sicherheit, Nähe und Orientierung. Sie sollten mit ihren Eindrücken nicht allein gelassen werden. Ehrliche, altersgerechte Worte helfen, nach dem Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Noch wichtiger als Worte sind Wärme, Geborgenheit und verlässliche Bezugspersonen.

Auch auf sich selbst achten

Solche Taten belasten nicht nur unmittelbar Betroffene, sondern auch Angehörige, Freund*innen, Helfende und das Umfeld. Wenn Du merkst, dass Dich das Geschehen stark mitnimmt, hole Dir Unterstützung. Selbstfürsorge ist notwendig und wichtig.

Männer in Verantwortung nehmen

Auch Männer brauchen Räume, in denen Gefühle, Überforderung, Krisen und Verletzlichkeit offen angesprochen werden können, ohne Scham und ohne Angst vor Bewertung. Gleichzeitig ist es notwendig, dass vor allem Männer andere Männer in die Verantwortung nehmen. Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen, sondern oft viel früher: in abwertenden Aussagen, Kontrolle, Einschüchterung oder Grenzüberschreitungen. Hinsehen, ansprechen und Gewalt nicht tolerieren ist ein wichtiger Beitrag, um Eskalationen frühzeitig entgegenzuwirken.

Hilfsangebote kennen und vermitteln

Niemand muss mit Gewalt und ihren Folgen allein bleiben. Hilfreich kann es sein, Informationen zu Beratungsstellen weiterzugeben, gemeinsam anzurufen oder zu einem Termin zu begleiten.

Wenn Worte fehlen, bleibt dennoch etwas, das jede und jeder geben kann: Menschlichkeit. Hinschauen. Zuhören. Dasein.

Hilfe bei Gewalt

Solltest du Opfer von Gewalt sein oder Gewalt wahrnehmen, wende dich jederzeit an den Polizeinotruf 133 oder 112. Gehörlose und Hörbehinderte können per SMS an 0800/133 133 Hilfe rufen.

Weitere Anlaufstellen:

„PsyNot“ – Psychiatrisches Krisentelefon Steiermark: 0800/22 25 55

Telefonseelsorge: 142 (ohne Vorwahl)

Rat auf Draht: 147 (ohne Vorwahl)

Gewaltschutzzentrum Steiermark: 0316/77 41 99

Frauenhelpline: 0800/22 25 55

Steirisches Beziehungstelefon: 0800/20 44 22

Frauenhäuser: 0316/42 99 00

 Notruf bei sexueller Gewalt: 0316/31 80 77

Männernotruf: 0800/24 62 47

Männerinfo Krisenhelpline: 0800/40 07 77

Polizei: 133, Hotline: 0800/216346

Pro Senectute Beratungs-Hotline „Gewalt im Alter“: 0699/11 20 00 99

HelpChat „Halt der Gewalt“ Onlineberatung: täglich 18 bis 22 Uhr und jeden Freitag von 9 bis 23 Uhr

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