Alarmierende Zahlen
Einsamkeit betrifft jede vierte Person in Österreich
- 700.000 Menschen in Österreich fühlen sich einsam. (Symbolbild)
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Eine aktuelle Studie im Auftrag der Caritas zeigt, dass Einsamkeit in Österreich auf hohem Niveau verharrt: Über 700.000 Menschen fühlen sich häufig einsam, jede vierte Person wünscht sich mehr soziale Kontakte. Gefordert wird ein nationaler Aktionsplan gegen Einsamkeit, mehr analoge Begegnungsräume und stärkere politische Maßnahmen – insbesondere zum Schutz junger Menschen vor digitalem Druck.
ÖSTERREICH. Einsamkeit ist in Österreich weiterhin stark verbreitet und hat sich auf einem alarmierend hohen Niveau verfestigt. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Studie des Sozialforschungsinstituts "Foresight" im Auftrag der Caritas Erzdiözese Wien. Demnach fühlen sich mehr als 700.000 Menschen sehr häufig einsam, jede vierte Person wünscht sich mehr soziale Kontakte. Besonders besorgniserregend: Immer mehr Menschen schränken aus finanziellen Gründen ihre sozialen Beziehungen ein. Der Anteil hat sich seit 2023 beinahe verdoppelt.
"Die Corona-Pandemie mag vorbei sein, die stille Pandemie der Einsamkeit hält an", sagte Caritasdirektor Klaus Schwertner bei der Präsentation der Studie im Vorfeld des sogenannten Blue Monday. So wird immer der dritte Montag im Januar genannt, der als der traurigste Tag des Jahres gilt.
Einsamkeit sei längst zu einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung geworden. 61 Prozent der Befragten empfinden sie weiterhin als Tabuthema. "Einsame Menschen wieder in die Gesellschaft zu holen, ist keine Aufgabe für Social Media", betonte Schwertner. Es brauche analoge Orte der Begegnung, sozialen Zusammenhalt und gezielte politische Maßnahmen.
Caritas fordert nationalen Aktionsplan
Die Caritas erneuerte daher ihre Forderung nach einem nationalen Aktionsplan gegen Einsamkeit. Unterstützt wurde diese von Thomas Wochele-Thoma, ärztlicher Leiter der Caritas, der auf die gesundheitlichen Folgen hinwies: Einsamkeit erhöhe nachweislich das Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und vorzeitigen Tod – stärker als Rauchen oder Alkoholkonsum. Zudem gefährde sie gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Prozesse und sei eng mit Armut verknüpft.
- Die Caritas bietet zahlreiche Angebote gegen Einsamkeit. (Symbolfoto)
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Schwertner sprach sich für eine ressortübergreifende Strategie, einen Regierungsbeauftragten gegen Einsamkeit sowie stärkere Förderung lokaler Initiativen und Freiwilligenarbeit aus. Auch ein Mindestalter für Social-Media-Nutzung nach australischem Vorbild wird von der Caritas unterstützt. "Kinder brauchen Schutzräume, keine digitalen Dauerbelastungen", so Schwertner.
Plaudernetz als Erfolgsmodell
Wie Einsamkeit konkret begegnet werden kann, zeigt das Caritas-Plaudernetz. Seit dem Start im April 2020 wurden über 70.000 Gespräche geführt, allein im Jahr 2025 mehr als 15.000. Mehr als 4.100 freiwillige Plauderpartnerinnen und -partnern engagieren sich derzeit. Die anonyme und kostenlose Hotline ist täglich erreichbar und richtet sich bewusst nicht an Menschen in akuten Krisen, sondern bietet Raum für alltägliche Gespräche und menschliche Nähe. Eine Zusammenfassung der Caritas-Angebote findest du hier.
Laut der Studie stimmen zwei Drittel der Befragten zu, dass ein gutes Telefonat hilft, sich weniger einsam zu fühlen. Auch ehrenamtliches Engagement wirkt sich positiv aus. Das Plaudernetz, das mittlerweile auch in Deutschland gestartet ist, gilt damit als niederschwelliges und wirksames Instrument gegen soziale Isolation.
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