Interview
Bildungsminister Wiederkehr zu Reformen im Kindergarten & Kopftuchverbot
- Die fehlenden Deutschkenntnisse seien derzeit das drängendste Problem im österreichischen Bildungssystem, sagte Minister Christoph Wiederkehr (Neos) in der „Pressestunde“ am Sonntag.
- Foto: Andreas Pölzl/MeinBezirk Wien
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Am Sonntag äußerte sich Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) in der „ORF-Pressestunde“ zu Reformen im Kindergarten und dem Schulsystem. Auch zum Kopftuchverbot bezog der Bildungsminister Stellung.
ÖSTERREICH. Kopftuchverbot, verpflichtende Deutschförderung und mehr Geld für benachteiligte Schulen – Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) möchte das österreichische Bildungssystem grundlegend umbauen, wie er in der „ORF-Pressestunde“ schilderte. Die fehlenden Deutschkenntnisse seien derzeit das drängendste Problem im österreichischen Bildungssystem.
Wiederkehr sieht zudem im Kopftuchverbot für unter 14-Jährige eine "Schutzmaßnahme für Mädchen", etwa vor sozialem Druck. Dass das Verhältnis zwischen Schülerinnen und Lehrkräften darunter leiden könnte, glaubt er nicht. Sanktionen sollen hierbei die Eltern treffen, während die Lehrkräfte und Schulen lediglich eine Meldepflicht hätten.
Gute Deutschkenntnisse als "Voraussetzung"
Inhaltlich setzt der Bildungsminister vor allem bei der Sprache an. Eine gute Deutschkenntnis sehe er als „Voraussetzung“, wie er betonte – wer sie nicht beherrsche, habe schlechtere Chancen im Bildungssystem. Kinder mit Sprachdefiziten sollen verpflichtend mehr Zeit im Kindergarten verbringen, neben einem zweiten verpflichtenden Kinderjahr seien auch bis zu 30 Stunden Kindergarten pro Woche im Gespräch.
- Eine gute Deutschkenntnis sehe er als „Voraussetzung“, wie er betonte – wer sie nicht beherrsche, habe schlechtere Chancen im Bildungssystem.
- Foto: Maximilian Spitzauer/MeinBezirk
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Die Zahlen seien "alarmierend", so Wiederkehr. Rund die Hälfte der Volksschulkinder erreiche die Lernziele im Lesen nicht. Entsprechend soll auch das Schulsystem selbst reformiert werden. Geplant sind mehr Autonomie für Schulen bei gleichzeitig klarer Leistungsüberprüfung sowie Pilotprojekte für eine sechsjährige Volksschule, um längeres gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Am geplanten Pilotprojekt für die sechsjährige Volksschule gebe es sehr viel Interesse, so Wiederkehr.
Mehr Plätze & Qualität im Kindergarten
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf sogenannten Brennpunktschulen. Rund 400 Standorte mit besonders großen Herausforderungen würden hierfür zusätzliche Mittel erhalten – insgesamt 65 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Die betroffenen Schulen können dabei selbst entscheiden, wie sie das Geld einsetzen möchten.
Parallel dazu sind Investitionen in den Kindergartenbereich geplant. Neben mehr Plätzen soll die Qualität angehoben werden – etwa durch kleinere Gruppen und besser ausgebildetes Personal. Ab kommendem Semester kann man erstmals Elementarpädagogik an der Uni studieren.
Kritik von der Opposition
Ein Koalitionspartner rückte derweil die Sonderpädagogik in den Fokus. Der ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti hob hervor, dass im Regierungsprogramm verankerte Vorhaben – etwa ein Anspruch auf ein zusätzliches 11. und 12. Schuljahr für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf – zügig umgesetzt werden sollten.
Von der Opposition folgte Kritik. „Bildungsminister Wiederkehr ist gut im Ankündigen, aber schlecht im Umsetzen. Davon haben weder die Kinder noch die Lehrer etwas", meinte etwa die grüne Bildungssprecherin Sigi Maurer. Bildungssprecher der FPÖ, Hermann Brückl, sieht in den Maßnahmen ein Paket, "das die Probleme nur verwalten würde, anstatt zu lösen".
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