Fatih Birol: Vom Schneeschieber in Wien zum Chef der International Energy Agency

Fatih Birol, Chef der zur OECD-gehörenden International Energy Agency.
  • Fatih Birol, Chef der zur OECD-gehörenden International Energy Agency.
  • Foto: IEA/Michael Dean
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ÖSTERREICH. Leicht sei es nicht Fatih Birol, den Chef der zur OECD gehörenden Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris, als Redner zu bekommen, hört man in den Fluren des geschichtsträchtigen Palais Niederösterreich in der Wiener Herrengasse, das diesen Mittwoch zum Ort einer hochkarätigen Veranstaltung wurde. An dieser nahm auch Birol trotz der gleichzeitig in Bonn stattfindenden UN-Klimakonferenz teil, um gemeinsam mit dem Verbund den World Energy Outlook 2017 zu präsentieren.

Ein Danke an Österreich

Dass der Energy Outlook 2017 ausgerechnet in Wien präsentiert wird, ist einerseits Verbund-Aufsichtsratsvorsitzendem Gerhard Roiss zu verdanken und andererseits der Tatsache geschuldet, dass Birol, der insgesamt dreizehn Jahre lang in Wien lebte, eng mit der Donaumetropole verbunden ist. Der aus Ankara stammende Energiewirtschaftsexperte besserte sich am Anfang seiner Studienzeit in Wien seinen Lebensunterhalt als Schneeschieber und Gepäckträger auf, erzählt er auf der Bühne. Anschließend habe er ein Stipendium der östereichischen Regierung erhalten und schloß sein Doktorat an der TU Wien ab. Seinen Auftritt am Mittwoch nutzte er, um sich bei Österreich dafür zu bedanken. Bevor Birol zur IEA kam, war er für die OPEC in Wien tätig.

Chinas Weltrolle

Die wichtigsten Ergebnisse des knapp 800-Seiten Wälzers, der zum ersten Mal vor 40 Jahren erschien, fasste Birol folgendermaßen zusammen: Die globale Situation in Sachen Energie wird von vier großen Umbrüchen geprägt. Erstens die Tatsache, dass die USA dabei sind zum führenden Öl- und Gasexporteur zu werden. Zweitens wird Solarenergie in vielen Ländern zur günstigsten Energiequelle für Strom. Drittens hat China der Luftverschmutzung den Kampf angesagt und peilt unter dem Motto "Der Himmel über China soll wieder blau werden" eine Energiewende an. "Alles, was China unternimmt, wird die Dinge weltweit verändern", ist Birol überzeugt. Und viertens wird die Elektrifizierung durch Elektroautos und die Digitalisierung stärker vorangetrieben werden.

E-Autos vollbringen kein Klimawunder

Diese von China vorangetriebene Energiewende werde die globalen Trends antreiben. Aktuell ist China etwa der größte Abnehmer von Elektroautos, von denen weltweit zwei Millionen im Umlauf sind. Das entspricht laut IEA 0,2 Prozent aller Pkws weltweit.  Laut Prognosen soll deren Anzahl bis 2040 auf fast 300 Millionen Stück ansteigen. Doch die Rettung des Klimas sei durch Elektroautos nicht gewährleistet, denn während die Nachfrage nach fossilen Treibstoffen für Pkws bis 2040 laut IEA-Prognosen sinken wird, werde diese bei Lkws, Luftverkehr und in der petrochemischen Industrie weiter ansteigen.

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