Nach Krisenstab
Reisewarnung für betroffene Coronavirus-Gebiete in Italien

"Wir können nicht damit rechnen, dass das Virus einen Bogen um Österreich macht", sagte Bundeskanzler Kurz nach dem Krisenstab im Innenministerium.
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Am Montag kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei einer Pressekonferenz an, dass das Außenministerium eine Reisewarnung für die vom Coronavirus betroffenen Gebiete in Norditalien herausgibt.

ÖSTERREICH. Anlässlich der Sitzung des Krisenstabes im Innenministerium nach den Coronavirus-Infektionen im Nachbarland Italien am Wochenende klärten Kanzler Kurz, Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) über das weitere Vorgehen Österreichs auf.

"Wir sind mit einer Situation konfrontiert, dass die Zahl der Corona-Infizierten in den letzen Wochen massiv angestiegen ist", betonte Kurz und sprach von einer "globalen Herausforderung". Von den bisher rund 79.000 bestätigten Fällen seien rund 98 Prozent in China. Bisher seien die 189 gezählten Verdachtsfälle in Österreich alle negativ getestet worden. "Aber wir dürfen nicht davon ausgehen, dass das auch so bleibt" sagte Kurz. Man rüste sich daher in Österreich für alle Szenarien. 

Fünf Punkte-Plan

Seit dem 25. Jänner gibt es in Österreich eine Meldepflicht für Ärzte. Beim heutigen Krisenstab habe man fünf weitere Punkte festgelegt, so Kurz: "Zum Ersten wird es ab heute tägliche Berichte des Innenministers und des Gesundheitsministers an mich als Bundeskanzler geben und es wird auch eine tägliche Information für die Öffentlichkeit geben, um bestmöglich aufzuklären." Zweitens wolle man eine gute Zusammenarbeit mit den Ländern und Gemeinden. "Wir haben daher die Landeshauptleute für eine Sitzung für Donnerstag nach Wien eingeladen", wo die Zusammenarbeit mit den Länder abgestimmt werde, so der Kanzler weiter. Auch den nationalen Sicherheitsrat am Freitag werde man zum Austausch darüber mit der Opposition und anderen Experten nutzen. 

Drittens werde es eine Informationskampagne für die Bevölkerung geben, um aufzuklären, "wie man sich selbst schützen kann", und welche Informationen in den Medien richtig oder falsch seien, erklärte Kurz. Der vierte Punkt ist eine punktuelle Reisewarnung für die betroffenen Gebiete, die das Außenministerium erlassen werde, informierte Kurz, um den "Schutz der österreichischen Bevölkerung zu gewährleisten".

"Kein Grund zur Panik"

Der fünfte Punkt sei eine Intensivierung der Zusammenarbeit u.a. mit den Nachbarstaaten. "Wir werden die Warnketten noch enger knüpfen, damit es bei Verdachtsfällen auch sofortige Grenzstopps geben kann, so wie das Gestern bei einem Zug der Fall war." Die beiden Verdachtsfälle des Eurocity von Venedig nach München hatten sich als negativ herausgestellt. Der Bundeskanzler betonte, dass kein Grund zur Panik bestehe, fügte aber hinzu: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass es Coronafälle auch in anderen europäischen Staaten und in Österreich geben kann und vielleicht geben wird." 

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Nehammer: "Nehmen Lage sehr ernst"

"Wir nehmen die Lage in Italien sehr ernst und sind über unseren Verbindungsbeamten in Italien in enger Abstimmung mit den italienischen Behörden", sagte Innenminister Karl Nehammer. Der Einsatzstab im Innenministerium werde morgen wieder zusammentreten. "Im Einsatzstab wird die aktuelle Lage diskutiert und Maßnahmen besprochen, die sehr rasch umgesetzt werden können", sagte der interimistische Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit und Leiter des Bundeskriminalamts, Franz Lang. So sei es theoretisch und wenn notwendig möglich, binnen einer Stunde Grenzkontrollen an der italienischen Grenze anzuordnen, ergänzte Lang. "Darüber hinaus gibt es am Flughafen Wien Schwechat Maßnahmen bei Flügen aus China", sagte Nehammer und sprach die Fiebermessung von Einreisenden an. In den Landespolizeidirektionen habe man Kompetenzteams eingerichtet, die speziell im Umgang mit möglichen Infizierten geschult seien. 

Das BMI unterstütze aber auch vor Ort in China. "Heute Nacht hat das Innenministerium ein Hilfspaket nach China geschickt, darin enthalten sind unter anderem Schutzmasken und Schutzhandschuhe", sagte Innenminister Nehammer. Das Verteidigungsministerium bereite außerdem ABC-Spezialisten des Bundesheeres vor, "dass sind diejenigen die besonders geschult sind beim Einsatz atomarer, biologischer und chemischer Waffen und eine hohe Resilienz im Umgang mit Infektionen haben". Nehammer sprach von einem "Zusammenwirken aller". 

Anschober: "Corona ist in Europäischen Union angekommen" 

"In den letzen 48 Stunden hat sich einiges verändert", betonte Gesundheitsminister Rudi Anschober in Folge. "Das Coronavirus ist jetzt auch in Europa angekommen." Man könne nicht mehr von einer regionalen Epidemie in China sprechen. Man sei aber auch noch ein "großes Stück" davon entfernt, dass eine globale Pandemie entstehe, so Anschober. Er habe in der Früh lange mit dem italienischen Gesundheitsminister Roberto Speranza telefoniert, der "mir geschildert hat , mit welchen Maßnahmen Italien in den nächsten Tagen vorgehen wird. Italien beabsichtige in den nächsten tagen tausende Testungen durchzuführen", so Anschober. Die Vorgehensweise in Italien werde eine mögliche Ausbreitung des Virus in Europa "wesentlich mitentscheiden". 

Am Dienstag findet deshalb in Rom eine Konferenz der Gesundheitsminister der Nachbarländer Schweiz, Frankreich , Slowenien, Italien und Deutschland statt, bestätigte der Gesundheitsminister. Man werde darüber beraten "wie wir in einer engen Abstimmungen, in einer guten Zusammenarbeit diese Situation lösen wollen". "Wir sitzen hier wirklich in einem gemeinsamen Boot und sind gemeinsam betroffen", sagte Anschober. Am Montag früh habe es außerdem eine Konferenz der Gesundheitslandesrätinnen gegeben, um die Bundesländer zu informieren.

Großteil der Fälle einfacher Krankheitsverlauf 

Anschober wies weiter darauf hin, dass die chinesischen Behörden mittlerweile 45.000 Erkrankungen analysiert hätten. „Sie sind darauf gekommen, dass es in 81 Prozent der Fälle einen einfachen Krankheitsverlauf gibt, in weitern 14 Prozent wurden schwere Erkrankungen festgestellt.“ Es sei ernst, aber bei weitem nicht der Fall, dass 100 Prozent problematische Krankheitsverläufe seien. Maßnahmen, die man den Österreichern raten könne, seien u.a. die gleichen wie bei einer Grippe, so der Gesundheitsminister abschließend. „Dieses mehrfache Händewaschen, das hat schon einen Effekt, sagt uns jeder Medizinexperte“.

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Julia Schmidbaur aus Wieden

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