Zunehmende Belastung
Hitzewellen erhöhen Nachfrage nach Fernkälte in Österreichs Städten
- Wien gilt als Vorzeigemodell bei der Fernkälte – doch auch andere österreichische Städte bauen ihre Netze zunehmend aus.
- Foto: Michael Horak / Wien Energie
- hochgeladen von Amina Salkovic
Hitzewellen werden für Städte zunehmend zur Belastung. Immer mehr Gebäudebetreiber setzen deshalb auf Fernkälte statt auf einzelne Klimageräte. Das Netz wächst nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Landeshauptstädten.
ÖSTERREICH. Temperaturen über 35 Grad sind in vielen Städten längst keine Ausnahme mehr. Besonders ältere Menschen, Kinder und Personen mit Vorerkrankungen sind durch längere Hitzeperioden gefährdet. Dadurch steigt die Nachfrage nach Kühlung in Gebäuden. Neben klassischen Klimaanlagen rückt die Fernkälte stärker in den Fokus.
Das Prinzip ähnelt der Fernwärme: Kälte wird zentral erzeugt und über ein unterirdisches Rohrleitungsnetz zu Gebäuden transportiert. Versorgt werden etwa Büros, Krankenhäuser, Kulturhäuser, öffentliche Einrichtungen und zunehmend auch Wohnanlagen. Gegenüber einzelnen Klimageräten gilt Fernkälte als effizienter, sie braucht keine Außengeräte an Fassaden und reduziert Abwärme auf Straßenebene.
Ausbau in mehreren Städten
Die Fernwärmewirtschaft will bis 2035 insgesamt 193,2 Millionen Euro investieren. Damit sollen rund 200 Megawatt zusätzliche Fernkälteleistung entstehen.
In Linz betreibt die Linz AG bereits drei große Fernkältezentralen. Zusätzlich investiert das Unternehmen 95 Millionen Euro in das Projekt "Klimatunnel", mit dem größere Gebäude gekühlt werden sollen.
- Auch in Graz wird Fernkälte eingesetzt. Das Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum Graz (LKH Graz) wird über eine eigene Energiezentrale mit Wärme-Kälte-Kopplung versorgt.
- Foto: Kanizaj
- hochgeladen von Nina Schemmerl
Auch in Graz wird Fernkälte eingesetzt. Das Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum Graz (LKH Graz) wird über eine eigene Energiezentrale mit Wärme-Kälte-Kopplung versorgt. In der Smart City Graz kühlt die Energie Graz zudem Wohnungen und Büros mit einem kombinierten Energiekonzept aus Geothermie, Wärmepumpen und Photovoltaik.
In St. Pölten werden unter anderem das Universitätsklinikum, die Fachhochschule und der Bahnhof mit Fernkälte versorgt. Bregenz startete 2025 mit nachhaltiger Gebäudekühlung. Dort kommt Bodenseewasser im Rahmen eines sogenannten "Free Cooling"-Verfahrens zum Einsatz. Erste angeschlossene Gebäude sind das Festspielhaus und das städtische Schwimmbad.
Wien baut Netz weiter aus
Besonders weit ausgebaut ist das System in Wien. Das Fernkältenetz ist dort mehr als 30 Kilometer lang und versorgt bereits über 220 Gebäude. Dazu zählen unter anderem der Austria Campus, das Naturhistorische Museum, das Ronacher, das Rathaus, das AKH und der Hauptbahnhof. Im Juni nahm die Wien Energie eine neue Kältezentrale im Donaufeld in Betrieb. Insgesamt betreibt das Unternehmen nun 25 Kältezentralen.
- Die Länge des Fernkältenetzes in Österreich.
- Foto: Fachverband Gas Wärme
- hochgeladen von Kevin Chi
Seit 2009 hat sich der Verkauf von Fernkälte in Österreich von rund 25 Gigawattstunden auf zuletzt 228 Gigawattstunden fast verzehnfacht. Ende des vergangenen Jahres betrug die Gesamtlänge des heimischen Fernkältenetzes mehr als 45 Kilometer, die installierte Leistung lag bei 211 Megawatt. "Die Hitzerekorde der vergangenen Jahre heizen die Nachfrage nach Fernkälte im ganzen Bundesgebiet an", sagt Katalin Griessmair-Farkas, stellvertretende Geschäftsführerin des Fachverbands Gas Wärme.
Für Fernkälte wird Wasser auf etwa fünf bis sechs Grad gekühlt und zu den Gebäuden transportiert. Nach der Nutzung fließt es mit rund 16 Grad zur erneuten Abkühlung zurück. Eingesetzt werden dafür unter anderem hocheffiziente Kompressoren oder Absorptionskältemaschinen, die Wärmequellen wie Abwärme aus Industrie, Abfallverbrennung oder Geothermie nutzen können.
Das könnte dich ebenfalls interessieren:
Aktuelle Nachrichten aus Österreich auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.