100 Tage Koralmbahn
Erste Bilanz: So kommt die Koralmbahn bei den Fahrgästen an
- Per Fernzug kann man von der Weststeiermark aus weit reisen.
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Seit 100 Tagen fährt die Koralmbahn zwischen Graz und Klagenfurt – Zeit für eine erste Bilanz. MeinBezirk hat sich bei Fahrgästen umgehört und bei den ÖBB nachgefragt.
SÜDWESTSTEIERMARK. Mit großer Show und noch größeren Erwartungen wurde die Koralmbahn im Dezember eröffnet. Ob sich die Hoffnungen eines neuen Wirtschaftsraums und auf Wachstum der Region erfüllen, wird man die nächsten Jahre sehen. Nach gut drei Monaten Bahnbetrieb zeigt sich jedoch schon, wie die neue Strecke funktioniert – und vor allem, wie sie bei den Fahrgästen ankommt.
MeinBezirk hat sich dazu im Frühverkehr am Bahnhof Weststeiermark umgehört. "Schnell war's, bequem und natürlich gut erreichbar. Früher mussten wir nach Graz fahren, um passend an den Fernverkehr angebunden zu sein. Das geht jetzt viel einfacher", erzählt ein Bahnfahrer aus Bad Schwanberg.
- Der Parkplatz am Bahnhof Weststeiermark ist immer gut gefüllt.
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Er fährt, wie viele, mit dem Auto direkt zum Bahnhof – der Großteil des Parkplatzes ist jeden Tag voll. "Aber manchmal erlebe ich es auch, wenn der Zug hier einfährt und die S-Bahn dann gerade abfährt, dass die Leute enttäuscht sind."
Das liegt daran, dass der Fahrplan aufgrund der vielen Zugkreuzungen von Nah- und Fernverkehr in Richtung Graz ausgelegt ist.
Probleme im Fahrplan
Railjets aus Kärnten kommen zu jeder Stunde um :38 am Bahnhof Weststeiermark an. Die S-Bahn nach Deutschlandsberg (Richtung Wies-Eibiswald) fährt meist in der gleichen Minute ab – sonst mindestens eine halbe Stunde später, der Bus fast eine Stunde später. Ähnlich ist es in die andere Richtung nach Lieboch.Umgekehrt kommt ein Zug von Deutschlandsberg um :22 am Bhf Weststeiermark an, der Bus um :30 – die Railjets nach Klagenfurt fahren aber schon um :20.
Züge aus Graz kommen meist um :18 oder um :37 an, haben also deutlich bessere Anschlüsse in die Region. Von Weststeiermark nach Graz gibt es gleich mehrere Abfahrten, meist um :23, :40 und :53.
Genau das stört aber einige Fahrgäste: "Fast immer, wenn ich hierherkomme, muss ich eine Stunde warten, damit ich von den ÖBB zur GKB komme. Das ist echt ziemlich nervig, das muss getauscht werden", sagt uns ein junger Mann bei der Umfrage am Bahnhof.
- Auch die GKB fährt den neuen Bahnhof Weststeiermark an – die Anschlüsse stellen noch ein Problem dar.
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Andere erzählen von viel mehr Möglichkeiten und Verbindungen, dass es schneller und günstiger ist und tadellos funktioniert – wenn man pünktlich ist. "Die Koralmbahn fährt eh. Es sind die Regionalzüge, wo es ein bisserl hapert", berichtet eine junge Pendlerin, die jeden Tag nach Graz fährt, von verpassten Zügen. "Aber sonst ist es super, eine Viertelstunde nach Graz ist ein Traum."
"16 Minuten nach Graz sind ein Traum."
Pendlerin am Bahnhof Weststeiermark
MeinBezirk hat auch bei "Fahrgast Steiermark", der Interessenvertretung der Fahrgäste, nachgefragt: "Der Fernverkehr auf der Koralmbahn läuft nach unseren Erfahrungen weitgehend störungsfrei und problemlos", sagt Generalsekretär Marcus Pirker. "Es scheint auch einige Minuten Fahrzeitreserven zu geben, da uns Berichte von verspätet abgefahrenen, aber pünktlich angekommenen Zügen bekannt sind."
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Der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) sieht Vorteile in der Steiermark und Kärnten: "Die Koralmbahn hat die Mobilität für viele verbessert. Viele nutzen die neue Verbindung."
ÖBB sind zufrieden
Bei den ÖBB zeigt man sich auch zufrieden. "Die Inbetriebnahme der größten neuen Bahnstrecke der Zweiten Republik ist eine riesengroße Herausforderung. Mit penibler Vorbereitung, ausführlichen Tests und einer großen Teamleistung ist diese Phase ohne große Überraschungen über die Bühne gegangen", sagt ÖBB-Pressesprecherin Rosanna Zernatto-Peschel.
- Der Bahnhof Weststeiermark in Groß St. Florian ist ein zentraler Punkt der Koralmbahn.
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Anpassungen werde es immer wieder geben. "Grundsätzlich kann man bei Bahninfrastruktur von einer Nutzungsdauer von weit mehr als 100 Jahren ausgehen. Entsprechend kann man sagen, dass wir uns immer noch in einer Hochlaufphase befinden."
7.000 Fahrgäste pro Tag
Laut ÖBB sind im Schnitt etwa 7.000 Reisende in Zügen auf der Koralmbahn unterwegs. Eine Zahl, die durchaus innerhalb der Erwartungen von Experten liegt. Wobei Verkehrsplaner Helmut Adelsberger meint: "Es geht ohnehin nicht nur um die Frage, wie viele Menschen die Strecke frequentieren. Das ist zwar wesentlich für den wirtschaftlichen Erfolg, aber eigentlich geht es vor allem um raumstrukturelle Verbesserungen."
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Sehr gut angenommen werde laut ÖBB das neue Railjet-Ziel Triest, das vom Bhf Weststeiermark in unter fünf Stunden erreichbar ist – obwohl man mit dem Auto noch eine Stunde schneller wäre.
- Im Inneren ist der Bahnhof Weststeiermark noch ziemlich leer.
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Auch der Bahnhof Weststeiermark werde sehr gut angenommen. Was dort fehlt, sind Lokale oder Shops – die Geschäftsflächen stehen immer noch leer und stehen zur Vermietung. Laut ÖBB laufen derzeit konstruktive Gespräche mit potenziellen Interessenten.
- Eine neue Buslinie fährt vom Bahnhof nach Deutschlandsberg.
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Und ein (Streit-)Thema ist weiterhin das fehlende Klima- bzw. Regionalticket. Regionale Klimatickets aus Steiermark oder Kärnten gelten im Koralmtunnel nicht. Die ÖBB preisen weiterhin das österreichweite Klimaticket als beste Möglichkeit an. "Die Verkehrsverbünde Steiermark und Kärnten könnten aber z.B. nach dem Vorbild des Klimaticket Metropolregion ein Klimaticket Südösterreich einführen, was jedoch zusätzlichen Finanzierungsbedarf erfordert", sagt Zernatto-Peschel.
- Seit 1. März fährt auch die Westbahn auf der neuen Strecke.
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Die Grünen haben am Dienstag im Steirischen Landtag eine Lösung wie in Tirol und Vorarlberg ein, wo man den Arlbergtunnel mit grenzüberschreitenden Zonen in die Verkehrsverbünde integriert hat. Der Antrag wurde von der Landesregierung abgelehnt. FPÖ und ÖVP fordern wiederum die SPÖ-Minister Hanke (Verkehr) und Marterbauer (Finanz) auf, eine Lösung mit den Bundesbahnen zu finden und auch zu finanzieren. Es geht um zehn bis 15 Millionen Euro pro Bundesland. Der VCÖ drängt hier, wie viele Fahrgäste, auf eine rasche Lösung und Umsetzung.
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