Kunst und Kultur
Sammlung Lukesch reist von der Steiermark nach Rio de Janeiro

Honorarkonsul der Republik Brasilien Gunter Griss, Museumsdirektor Alexander Kellner, UMJ-Dirketorin Alexia Getzinger, Kulturlandesrat Christopher Drexler, Regina Pildner-Steinburg (Nichte der Brüder Lukesch), Botschafter José Antonio Marcondes und Universalmuseum Joanneum-Direktor Wolfgang Muchitsch (v.l.) vor der Kiste mit den 197 Objekten, die zum Transport nach Rio de Janeiro bereitgemacht wird
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  • Honorarkonsul der Republik Brasilien Gunter Griss, Museumsdirektor Alexander Kellner, UMJ-Dirketorin Alexia Getzinger, Kulturlandesrat Christopher Drexler, Regina Pildner-Steinburg (Nichte der Brüder Lukesch), Botschafter José Antonio Marcondes und Universalmuseum Joanneum-Direktor Wolfgang Muchitsch (v.l.) vor der Kiste mit den 197 Objekten, die zum Transport nach Rio de Janeiro bereitgemacht wird
  • Foto: steiermark.at/Streibl
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Das Universalmuseum Joanneum übergibt 197 Exponate der Sammlung Lukesch an das Brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro, das nach einem wüsten Brand am Wiederaufbau der Bestände arbeitet. Auch auf Schloss Stainz und im ehemaligen "Indianermuseum" in Preding bzw. in Köflach waren wertvolle Stücke aus der Sammlung um den steirischen Priester untergebracht.

Die Steiermärkische Landesregierung und das Universalmuseum Joanneum übergeben die 197 Objekte umfassende Sammlung des steirischen Priesters Anton Lukesch (1912 Graz–2003 Lima) an das Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro (Nationalmuseum der Bundesuniversität von Rio de Janeiro), das in der Nacht von 2. auf 3. September 2018 bei einem verheerenden Brand einen Großteil seiner Sammlung verlor. Dabei handelt es sich um die weltweit erste Schenkung an das Museum, das in den nächsten Jahren an seinem Wiederaufbau arbeiten wird. Die Sammlung Lukesch umfasst Objekte der indigenen Volksgruppen der Kaiapó, der Asurini und der Araweté wie etwa Kultobjekte, Keramik, Federschmuck oder auch Bogen und Pfeile, die bei Zeremonien verwendet wurden.


Die Person Anton Lukesch

Monsignore a.o. Univ.-Prof. DDDr. Anton Lukesch (1912 Graz–2003 Lima), Absolvent der Rechtswissenschaften und Theologie der Universität Graz und 1948 zum Priester geweiht, trat in den Orden der Missionare vom Kostbaren Blut in Salzburg ein und brach 1952 zu seinem ersten Missionseinsatz nach Brasilien auf. Nach einem Zwischenspiel von 1959 bis 1965 als steirischer Caritasdirektor kehrte er wieder nach Südamerika zurück und lebte 15 Jahre lang als Missionar unter den indigenen Völkern am brasilianischen Rio Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas im brasilianischen Bundesstaat Para. Er beschäftigte sich dort wissenschaftlich intensiv mit der Mythologie der indigenen Bevölkerung, vor allem des Stammes der Kaiapó, und entdeckte zusammen mit seinem Bruder Pater Karl Lukesch im Jahr 1971 den Indiostamm der Asurini, die bis dahin völlig isoliert gelebt hatten. Auch als späterer Professor für Missionswissenschaft und Völkerkunde an den Universitäten Graz und Wien betrieb er immer wieder Forschungen im Amazonasgebiet, bis er im Ruhestand 1985 endgültig nach Südamerika zurückkehrte, um sich den verarmten Indios in den Anden zu widmen, wo er 2003 in Lima verstarb.

Botschafter José Antonio Marcondes, Museumsdirektor Alexander Kellner, Kulturlandesrat Christopher Drexler und Universalmuseum Joanneum-Direktor Wolfgang Muchitsch (v.l.) präsentieren einen Federschmuck aus der Sammlung Lukesch.
  • Botschafter José Antonio Marcondes, Museumsdirektor Alexander Kellner, Kulturlandesrat Christopher Drexler und Universalmuseum Joanneum-Direktor Wolfgang Muchitsch (v.l.) präsentieren einen Federschmuck aus der Sammlung Lukesch.
  • Foto: steiermark.at/Streibl
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Die Sammlung Lukesch und ihre Geschichte

Das Land Steiermark erwarb 1982 von Anton Lukesch und dessen Bruder Karl deren Brasilien-Sammlung, um Lukesch mit dem Verkaufserlös die Errichtung einer Krankenstation für die Asurini zu ermöglichen. Diese Sammlung, in den Jahren 1953 bis 1982 angelegt, umfasst 197 Objekte, großteils Kultobjekte, Keramiken, Werkzeuge, Waffen und Schmuckgegenstände der brasilianischen Indiostämme der Kaiapó, Asurini und Araweté des Amazonasgebietes. Besonders eindrucksvoll sind etwa eine Kette aus Brüllaffenzähnen sowie der gut erhaltene Federschmuck, u. a. aus den Schwanzfedern des Aras. Die Verantwortung über die Verwaltung der Sammlung wurde der Kulturabteilung des Landes (Referat Volkskultur) übertragen. Die Objekte wurden u. a. ab 1982 in Schloss Stainz bzw. von 2002 – anlässlich des 90. Geburtstages von Anton Lukesch – bis 2013 in Preding gezeigt, kuratiert vom Kulturantrophologen Helmut Eberhart von der Universität Graz. 2013 wurde die Sammlung schlussendlich in einem Schulgebäude in Köflach eingelagert, mit der Absicht, sie im dortigen Stadtmuseum neu aufzustellen. Nachdem dieser Plan nie verwirklicht wurde, verschwand die Sammlung aus der öffentlichen Wahrnehmung. Als die Stadt Köflach die Flächen, auf denen die Sammlung gelagert war, für andere Zwecke benötigte, suchte das Land Steiermark nach einer sinnvollen Nutzung der Sammlung und trat damit an das Universalmuseum Joanneum heran.

Die Schenkung an das Brasilianische Nationalmuseum

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und Kulturlandesrat Christopher Drexler entschieden sich Namens des Landes Steiermark, die Sammlung als Geschenk des Landes dem Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro zu überlassen. Im Auftrag des Landes Steiermark wurde seitens des Universalmuseums Joanneum der Kontakt mit dem Museumsdirektor und Paläontologen Alexander Kellner hergestellt, der von dieser Schenkung äußerst begeistert war. Das Nationalmuseum der Bundesuniversität von Rio de Janeiro, gegründet 1818 und somit die älteste wissenschaftliche Einrichtung Brasiliens, ist das größte natur- und völkerkundliche Museum Lateinamerikas mit einer bedeutenden paläontologischen und anthropologischen Sammlung. Beim Großbrand in der Nacht von 2. auf 3. September 2018 wurde das Museumsgebäude des Museo Nacional schwer in Mitleidenschaft gezogen, wobei ein großer Teil der rund 20 Millionen Exponate, vor allem auch der ethnologischen Sammlung, verloren ging oder stark beschädigt wurde.

Museumsdirektor Alexander Kellner (l.) und Kulturlandesrat Christopher Drexler bei der Unterzeichnung des Schenkungsvertrages
  • Museumsdirektor Alexander Kellner (l.) und Kulturlandesrat Christopher Drexler bei der Unterzeichnung des Schenkungsvertrages
  • Foto: steiermark.at/Streibl
  • hochgeladen von Susanne Veronik

Die Sammlung Lukesch wurde in den letzten Monaten durch das Universalmuseum Joanneum auf ihre Vollständigkeit überprüft, durch eine Restauratorin fachgerecht aufbereitet und dokumentiert sowie für den Transport nach Brasilien vorbereitet. Das Land Steiermark ist über das Universalmuseum Joanneum die erste Institution weltweit, die das von der Brandkatastrophe heimgesuchte Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro durch die Rückgabe von Originalobjekten unterstützt. Die Schenkung ist mit der Auflage verbunden, dass das Museu Nacional die Ursprungsgesellschaften am Rio Xingu, von denen diese Objekte stammen, über diese Schenkung informiert und diesen die Objekte für Forschungs- und Ausstellungszwecke zugänglich macht.

Die Übergabe der Sammlung Lukesch an das Brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro halte ich für einen entscheidenden und wichtigen Schritt, sowohl aus ethischer wie auch aus wissenschaftlicher Sicht. Das Land Steiermark setzt damit einen Meilenstein, der internationale Vorbildwirkung entfalten kann. Die Übergabe dieser Sammlung, die den Missionen, der Forschung und dem Zusammenleben der Brüder Lukesch mit indigenen Völkern des Amazonasgebietes entstammt, soll gerade in Ländern, die Artefakte von Ureinwohnern besitzen, zu einem Diskussionsprozess über den Umgang mit diesen Objekten führen. Außerdem ist das Land Steiermark über das Universalmuseum Joanneum die weltweit erste Institution, die das brasilianische Nationalmuseum nach dem verheerenden Brand im Jahr 2018 beim Wiederaufbau ihrer Bestände unterstützt. Das tun wir gerne und aus Überzeugung. Denn nicht zuletzt wollen wir die internationalen Beziehungen der Steiermark zu Brasilien, dem fünftgrößten Staat der Erde, pflegen und vertiefen.

Kulturlandesrat Christopher Drexler

Wolfgang Muchitsch, wissenschaftlicher Direktor des Universalmuseums Joanneum
Der Umgang mit Sammlungsobjekten aus kolonialem Kontext ist seit einigen Jahren eines der großen Themen in der Museumswelt. Die Übergabe der Sammlung Lukesch ist für mich die wissenschaftlich sinnvollste sowie ethisch begrüßenswerteste Vorgehensweise, weshalb ich vorschlug, diese Sammlung als Geschenk dem Brasilianischen Nationalmuseum zu überlassen. Wir setzen ein wichtiges und beispielgebendes Zeichen für die internationale Museumscommunity, wenn wir als erstes Museum weltweit das Brasilianische Nationalmuseum mit der Rückgabe von Originalobjekten unterstützen.

Autor:

Susanne Veronik aus Deutschlandsberg

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