14.03.2018, 05:00 Uhr

Historischer Sensationsfund in St. Radegund

Hinter Ziegeln versteckt: Heribert Lantzberg (l.) und Bgm. Hannes Kogler zeigen der WOCHE die gut erhaltene Wandmalerei. (Foto: WOCHE)

250 Jahre Kalvarienberg: St. Radegund zeigt im Jubiläumsjahr einen sakralen Schatz.

St. Radegund: Nirgendwo lassen sich derart bemerkenswert umfangreiche Nachbildungen der Passion Christi bestaunen wie am Kalvarienberg in St. Radegund. Die zwischen 1768 und 1773 unter Pfarrer Franz Xaver Braun errichtete Anlage gilt damals wie heute als Wallfahrtsstätte und aufgrund der Heilquellen als Ort der Genesung. Zur Historie der Gemeinde kommt seit Kurzem ein neuer bedeutender Fund dazu: Durch einen Zufall entdeckte Heribert Lantzberg ein hinter Ziegeln verstecktes Fresko.

Der Heilige Wandel

Am Kulturdenkmal Kalvarienberg steht ein unscheinbares Nebengebäude, das bis in die 1980er-Jahre als Wohnhaus genutzt wurde. Bevor es wieder belebt werden kann, muss es, wie jedes andere Bauwerk vor Ort, restauriert werden. Was viele nicht wissen: Eine sichtbare Quelle fließt quer durch das "Untergeschoss". Und genau diese machte die Sanierungsarbeiten zu einem harten Stück Arbeit. "Aber wenn die Feuchtigkeit nicht gewesen wäre, wäre die Wandmalerei wohl nie gefunden worden", sagt Lantzberg, Obmann des Vereins zur Rettung und Erhaltung des Kalvarienberges. Lantzberg, der sich der Räumlichkeit über der Quelle annahm, entdeckte nämlich eine bauliche Abweichung entlang einer Mauer. "Das waren Ziegeln, hinter denen sich etwas versteckte. Ich habe sie abgetragen, und nach und nach kam das Fresko zum Vorschein. Wie alt es ist, können wir im Moment nicht sagen. Aber es herauszufinden, ist der Traum jedes Restaurators", sagt er stolz. Besonders bemerkenswert: Der Heilige Wandel (Gemälde mit dem sakralen Bildmotiv der Heiligen Familie im Gehen), der in der Kirche am Kalvarienberg hängt, hat genau die richtige Passform, um sagen zu können, dass es einmal Teil des gut erhaltenen Freskos war.

Eremiten-Quelle

Zwar besagen Legenden, dass einst Eremiten eine Kapelle errichtet haben sollen, noch bevor es den Kalvarienberg überhaupt gab, doch durch ein Gespräch mit einem Doktoranden, der sich mit der architektonischen Bauweise von Klausen beschäftigt, kam Lantzberg schließlich auf die Idee, bei dem Gebäude könnte es sich um einen dauerhaften Rückzugsort von Eremiten handeln. Eine logische Schlussfolgerung, sprudelt doch am St. Radegunder Kalvarienberg eine Eremiten-Quelle, der heilende Kräfte zugesprochen werden. Bürgermeister Hannes Kogler geht davon aus, dass der Kalvarienberg aus diesen Gründen den Ursprung des Kurortes darstellt. "Wir wollen mit diesem Fresko die Geschichte des Hauses näher beleuchten. Und damit auch die Geschichte von St. Radegund. Ich persönlich denke, dass noch viel früher als gedacht Leidende hierherkamen, um Heilung zu finden", sagt er.
Mit der Fertigstellung des Gebäudes soll zukünftig ein Ausstellungsraum zur Geschichte entstehen. Im Rahmen der heurigen 250 Jahre Kalvarienberg finden unterschiedliche Veranstaltungen statt, die auf die Sanierung beziehungsweise Neugestaltung des Kalvarienberghauses aufmerksam machen.

Info:
Der barocke Kalvarienberg in St. Radegund hat 21 gemauerte Kapellen mit rund 30 Nischen für Szenen und Figuren, eine Heilige Stiege und die Kreuzigungsgruppe. Der Kalvarienberg steht unter Denkmalschutz. Der Legende nach soll ein Bauer nachts auf dem Heimweg den heutigen Kalvarienberg hell erleuchtet vorgefunden haben. Engel sollen mit den Leidenswerkzeugen Christi im Boden gegraben haben.
Die erste Veranstaltung im Jubiläumsjahr findet am 27.3. (18 Uhr) in der Kalvarienbergkirche statt. "Vom Wegkreuz zum Kreuzweg" – Kreuzwegandacht mit Pfarrer Mario Offenbacher und musikalischer Umrahmung.
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