Grazer Tourismus-Chef zu Sparmaßnahmen
"Der rote Willkommensteppich hat Flecken bekommen"
- Der Advent werde laut Dieter Hardt-Stremayr weiterhin viele Menschen nach Graz locken, auch wenn die Signalwirkung durch die Einsparungen keine gute ist.
- Foto: Graz Tourismus/Harry Schiffer
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Die Stadt Graz muss sparen, das ist klar. Das zweite Sparpaket, das die Koalition vorgestellt hat, umfasst etwa die Abschaffung der Altstadtbim und die Kürzung der Öffi-Freifahrt an Adventsamstagen sowie den Ausstieg der Schloßbergbahn aus dem städtischen Öffi-Tarif. Graz Tourismus-Chef Dieter Hardt Stremayr sieht darin keine gute Signalwirkung und meint, dass dies auch die Kalkulation der "Graz Card" auf den Kopf stelle.
GRAZ. Es gab schon mal finanziell entspanntere Zeiten für die Stadt Graz und ihre Beteiligungsunternehmen: Alle müssen den Gürtel enger schnallen, der Bundesrechnungshof sieht in seinem jüngsten Bericht noch viel Aufholbedarf bei den Einsparungsmaßnahmen. Drei Entscheidungen, die im zweiten Sparpaket für viel Diskussion sorgen, sind die Abschaffung der Altstadtbim, bei der man vom Jakominiplatz beziehungsweise Hauptplatz jeweils eine Haltestelle in alle Richtungen gratis mit der Straßenbahn fahren kann, der Ausstieg der Schloßbergbahn aus dem städtischen Öffi-Tarif sowie die Kürzung der Öffi-Freifahrt von vier auf drei Adventsamstage. Diese Freifahrt, die es bisher an allen vier Adventsamstagen gab, war ein Goodie, das jahrelang von vielen Grazerinnen und Grazern genutzt wurde und sich positiv auf die Innenstadtwirtschaft ausgewirkt hatte. MeinBezirk fragte bei Graz Tourismus-Chef Dieter Hardt-Stremayr nach, wie er diese Maßnahmen bewertet und wie welchen Einfluss das auf seine Branche haben wird.
Keine gute Signalwirkung
"Ich glaube nicht, dass alles zusammenbrechen wird, aber es ist keine gute Signalwirkung und das tut am meisten weh", fasst es Hardt-Stremayr, der seit 1995 dem städtischen Tourismus vorsteht, zusammen. Denn die Mischung aus Erhöhung der Parktarife, teureren Öffi-Tickets und Streichung dieser Vorteile hinterlässt kein positives Bild bei Einheimischen wie Gästen. "Die Altstadtbim war für die Touristinnen und Touristen immer schwer zu vermitteln, weil es für viele beispielsweise nicht logisch war, wieso diese nicht bis zu Schloßbergbahn führt", meint der Touristiker, der auch unterstreicht, dass sie für Grazerinnen und Grazer einen hohen Grad an Bequemlichkeit hat. "Ob jene Menschen, die gratis zwei Stationen gefahren sind, nun ein Vollpreisticket um 3,30 Euro kaufen werden, bezweifle ich."
Kalkulation der "Graz Card" auf den Kopf gestellt
Das Kürzen der Freifahrt mit Bus und Bim von allen vier auf drei Adventsamstage bedauert der Tourismusexperte sehr, auch wenn er glaubt, dass dennoch weiterhin viele Menschen in die Stadt kommen werden, aber dies vermehrt mit dem Auto. "So gelingt es uns nicht, mehr Menschen zu den Öffis zu bewegen und bei der Schloßbergbahn bin ich gespannt, wie die Jahreskartenbesitzer darauf reagieren werden", so Hardt-Stremayr, der betont, dass der Schloßberg als Grünraum von vielen Grazerinnen und Grazern zu jeder Jahreszeit genutzt werde. "Für uns als Graz Tourismus ist es eine Herausforderung wie wir die Kalkulation für die 'Graz Card' auf neue Beine stellen, denn hier war durch die Öffi-Tickets die Schloßbergbahn natürlich dabei. Durch die angekündigten Einsparungen stellt das bei uns alles auf den Kopf", erzählt der Graz Tourismus-Chef. Die "Graz Card", die unter anderem die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und Eintritte in einige Museen inkludiert, ist für das kommende Jahr bereits kalkuliert und budgetiert. Das Herausfallen der Schloßbergbahn hat somit unmittelbare Folgen für dieses touristische Angebot.
- Erfahrener Tourismusmanager: Dieter Hardt-Stremayr von Graz-Tourismus meint, dass der ausgerollte rote Willkommensteppich Flecken bekommt.
- Foto: Zemasch
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'Zartes Pflänzchen Innenstadt' pflegen
Ganz allgemein möchte Hardt-Stremayr festhalten, dass monatelanges "Sudern" niemanden weiterbringen werde. Im Vorfeld hätte er sich aber eine andere Vorgehensweise gewünscht. "Wir glauben, dass wir im Vorfeld einiges an Wissen, Erfahrungen und Daten hätten einbringen können, denn so waren wir doch einigermaßen überrascht und nicht vorbereitet", so der Tourismusmanager, der Graz immer als Ganzes im Blick hat. "Gerade haben wir die großen Baustellen in der Innenstadt überwunden und arbeiten daran, das 'zarte Pflänzchen Innenstadt' wieder nach vorn zu bringen, aber so etwas wirft uns erneut zurück", lautet sein Fazit.
Aber nicht nur diese angekündigten Einsparungen, sondern auch die Steigerung der Nächtigungsabgabe macht das Leben für Tourismusbetriebe schwieriger. "Trotz dieser Einschränkungen bin ich überzeugt, dass uns auch weiterhin viele Menschen besuchen werden, weil wir zu allen Jahreszeiten, und vor allem im Advent, über ein hervorragendes Angebot verfügen, aber der rote Willkommensteppich, den wir unseren Gästen ausrollen, hat Flecken bekommen", hält Hardt-Stremayr abschließend fest.
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