Psychotherapeut mit Medien-Schwerpunkt
Ein Laptop in der Hand ist noch lange keine Digitalisierung

Er ist Psychotherapeut und Pädagoge mit Schwerpunkt Medien: Lukas Wagner.  | Foto: Lukas Wagner
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Ein Grazer Psychotherapeut hat mitten in der Pandemie ein Buch über die neue, digitale Realität von Kindern geschrieben: Lukas Wagner. 

Ein Grazer Psychotherapeut hat mitten in der Pandemie ein Buch über die neue, digitale Realität von Kindern veröffentlicht: Lukas Wagner. Mit "Unsere Kinder in der digitalen Welt" hat er einen Eltern-Guide über den Umgang mit neuen Herausforderungen hervorgebracht. Wagner hat nicht nur eine heillos überrannte Psychotherapie-Praxis in der Grazer Brockmanngasse "für Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene – mit Fokus auf Digitalisierung und neue Medien", sondern hält auch Vorträge, Workshops und Seminare über digitale Lebens- und Arbeitswelten und Neue Medien.

Freizeitnutzung im Wandel

Der studierte Pädagoge mit Fokus auf E-Learning arbeitet in der Therapie oft mit Jugendlichen, die Medien exzessiv nutzen. "Digitale Kultur ist heute auch Jugendkultur. Was früher Skater oder Punks gemacht haben, bietet heute Fortnite, Youtube und Instagram für Junge. Das kann ein wichtiger Blickwinkel für Eltern sein, wenn der Medienkonsum des Nachwuchs so gar nicht nachvollziehbar ist. Kinder treiben die selben Motive dorthin, die auch schon die Eltern erfüllt haben wollten – wenn auch in einer Zeit ohne Smartphoness: Freunde haben, Erfolg spüren, gewinnen.", erklärt Wagner den Trend zur Freizeit in der digitalen Welt. "Ich werfe dann gerne die Fragen auf: ,Was bekommt denn der Jugendliche dort, das er offline gerade nicht kriegt? Und wie kann es gelingen, dass er auch offline Alternativen dazu bekommt?'"

Zur Social Media Nutzung

Tiktok, Snapchat, Instagram sind die ersten Anlaufstellender Jugend auf Social Media: "Dieses ,Endless-Scroll', also dass der Newsfeed ewig nach unten weitergeht, das ist bewusst konzipiert, um Dopamin-Kicks auszulösen. Da sitzen die besten Entwickler der Welt dahinter und verdienen hunderte Millionen Euro im Jahr, um Systeme zu designen, die irrsinnig schwer wieder abzuschalten sind. Auch das sollte uns bewusst sein."


Digitalisierung im Schulbetrieb

In Graz werden derzeit rund 9.700 Schüler mit Laptops ausgestattet. "Ich bin ein großer Fan, dass man sich hier Frage stellt: Was kann ich mit dem Laptop besser machen als ohne? Ein Laptop ist ein Ablenkungsgerät und zugleich denkbar schlechteste Mitschreibgerät überhaupt. Digitalisierung heißt nicht, dass ich einen Laptop in der Hand habe, das wäre absurd. Es braucht rundherum ein wirklich gutes, fundiertes pädagogisches Konzept. Vom Gesambudget wurde aber nur ein minimaler Teil dafür verwendet, um Lehrer fortzubilden. Wir brauchen nicht in jeder Klasse einen Beamer, wir brauchen Lehrer, die etwas damit anzufangen wissen."

Nachfrage drastisch gestiegen

Weitere Herausforderungen in Sicht: Der Therapiebedarf hat sich in Wagners Praxis im Vergleich zum Vor-Corona-Nivau etwa vervierfacht: "Was in der Diskussion aber ziemlich untergeht: Die Krise ist noch nicht vorbei: Wir Sind gerade in einer Coping-Phase und gehen alle irgendwie damit um, tragen Masken und zeigen Nachweise her. Die Aufarbeitung von heftigen Ereignissen beginnt aber erst dann, wenn die Ereignisse vorbei sind. Da wird noch eine ganze Welle an psychischem Leid, Erkrankungen und Schwierigkeiten kommen."

9.700 Laptops für Grazer Schüler
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