WOCHE-Familienflüsterer
"Ich will ja nur das Beste für dich"

Eltern sollten in puncto Bildung Potientialentfalter sein.
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Familienflüsterer Philip Streit über die Rolle von Eltern beim Bildungsweg bei Kindern.

Grundsätzlich dürfen Eltern über die Ausbildung ihres Kindes bestimmen. Das regelt, zumindest bis zum 18. Lebensjahr, das Sorgerecht. Trotz Chancengleichheit bestimmen allerdings nach wie vor soziale Herkunft und auch der Beruf der Eltern welcher Ausbildungsweg eingeschlagen wird. Eine Studie bestätigt zudem, dass Kinder meist etwas mehr an Ausbildung zustande bringen wollen als ihre Eltern. Und das ist auch gut so.

Ein absolutes No-Go ist, dass Eltern über den Ausbildungsweg ihrer Kinder ihre verpassten Chancen nachholen wollen. Das was es braucht, sind Eltern als Potentialentfalter. Zum Einen mit Achtsamkeit und wertschätzender Begegnung, zum Anderen gilt es wachsam zu sein und eine klare Struktur zu entwickeln. Zudem braucht es eine Vorbildhaltung im Umgang mit Bildung. Sagen Sie „Nein“, wenn ihr Kind die Ausbildung abbrechen will, herumtrödelt oder schon Jahre auf der Hochschule nichts macht. Aber drohen Sie nicht! Sagen Sie „Wir schätzen dich, aber dein Trödeln können wir nicht akzeptieren.“ Es gilt: Solange kein neuer Ausbildungsweg gefunden ist, soll eine alte Ausbildung nicht einfach abgebrochen werden. Hier braucht es Entschiedenheit.

Tipps

Hier nun einige Tipps für Ihre Arbeit als Potentialentfalter:
1. Checken Sie sich selbst. Was ist Ihre Motivationslage, wenn Sie sich mit der Ausbildung Ihres Kindes beschäftigen? Ist es die Verwirklichung Ihrer eigenen Träume oder wertschätzende Unterstützung?
2. Achten Sie auf die Beziehung zu Ihrem Kind. Begegnen Sie Ihrem Kind so, wie es ist und entdecken Sie seine Außergewöhnlichkeiten.
3. Fördern Sie Leidenschaften ebenso wie Stärken Ihres Kindes, anstatt auf Schwächen und mangelndem Talent herumzureiten.
4. Seien Sie selbst ein Vorbild im Umgang mit Bildung. So inspirieren und begeistern Sie Ihr Kind. Machen Sie in dieser Angelegenheit auch etwas gemeinsam.
5. Seien Sie als Unterstützung da. Informieren Sie sich, welche Bildungsaufgaben Ihr Kind zu bewältigen hat. Muten Sie ihm aber zu, dass es diese selbst bewältigen kann.
6. Geben Sie Ihrem Kind den nötigen Rahmen und sagen Sie „Nein“, wenn getrödelt wird. Entwickeln Sie hier eine Haltung des liebevollen, aber entschiedenen Widerstands. Drohen und Erpressen bringen nichts!
7. Handeln Sie kunstvoll und kreativ und fördern Sie so die Lust am Lernen.

Der Experte

Philip Streit ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut, Lebens- und Sozialberater.
Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz, das unter anderem psychologische Lernbetreuung anbietet.
Telefon:0316/77 43 44
Web:www.ikjf.at
Leser-Fragen bitte an: redaktion.graz@woche.at oder per Post an „WOCHE Graz“, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz

Eltern sollten in puncto Bildung Potientialentfalter sein.
Dr. Streit beantwortet jede Woche brisante Familienfragen.
Autor:

Anna-Maria Riemer aus Graz

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