Streifzug durch die Klaviergeschichte – Business Lunch mit Klavierhaus Streif

Vorweihnachtliche Klänge: Heimo Streif junior (l.), Martina Maros-Goller (WOCHE) und Georg Leitner von der Welscher Stubn.
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  • Vorweihnachtliche Klänge: Heimo Streif junior (l.), Martina Maros-Goller (WOCHE) und Georg Leitner von der Welscher Stubn.
  • Foto: Jorj Konstantinov
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Seit 1906 wird beim Klavierhaus Streif in die Tasten gehaut. Heimo Streif junior über Tradition und Zukunft.

Wie der Vater so der Sohn: Im Fall des Klavierhauses Streif hat diese Redewendung bis zum Urgroßvater Gültigkeit. Familie Streif pflegt das Klavierhandwerk seit Generationen und geht traditionsbewusst in die Zukunft. Im Business Lunch spricht Geschäftsführer Heimo Streif junior über Trends in einem klassischen Bereich, Herausforderungen und Talente.

WOCHE: Das Klavierhaus Streif begleitet Generationen von Grazern. Wie viel Historie steckt in Ihrem Unternehmen?
Heimo Streif junior: Bereits mein Urgroßvater war Klavierbauer in Brünn, bevor es ihn nach Graz verschlagen hat. Das erste Geschäft war am Franziskanerplatz und bis vor fünf Jahren waren wir in der Sackstraße beheimatet, nun sind wir in der Humboldtstraße.

Warum zieht man nach über 100 Jahren aus der Innenstadt weg?
Der erste Stock eines Altbauhauses ohne Lift ist für ein Klavierhaus nicht gerade optimal (lacht). Die Beletage hatte früher Tradition, mittlerweile wurde es aber zu kompliziert. Die Parkplätze, Anlieferungen, Abholungen wurden zunehmend schwieriger. Die Werkstatt hatten wir schon immer in der Nähe des heutigen Geschäfts. Nun passt es optimal zusammen und wir können unseren Kunden noch besseren und effizienteren Service bieten.

Das Klavier ist ein klassisches Instrument. Gibt es dennoch Trends?
Ja, seit einigen Jahren sind Digitalpianos sehr beliebt. Sie sind für Anfänger ideal und auch preislich erschwinglicher. In Kombination mit Kopfhörern werden sie auch aus Lärmschutzgründen gerne gewählt, weil das Üben so Mitbewohner oder Nachbarn nicht beeinträchtigt.

Digitalpianos kommen aber nie an ein richtiges Klavier heran?
Korrekt, ein Klavier hat keine Konkurrenz. Digitalpianos können als "Einstiegsdroge" nützlich sein, aber das Spielen, Empfinden, der feinere und präzisere Klang und viele weitere Komponenten sind mit einem klassischen Klavier nicht vergleichbar.

Ein Klavier kauft man sich nicht aus der Portokassa. Wie viel muss man für einen Klavierkauf kalkulieren?
Wie bei vielen anderen Dingen auch, sind hier nach oben keine Grenzen gesetzt. Zwischen 4.000 für ein Pianino bis 150.000 Euro für einen Konzertflügel ist alles dabei. Wobei wir auch, speziell für Konzerte, Klaviere vermieten.

Wer zählt dabei zu Ihren Kunden?
Seit Jahrzehnten arbeiten wir mit der Kunstuniversität, der Styriarte und vielen weiteren Veranstaltern zusammen. Der bekannte Pianist Markus Schirmer spielt auch immer auf unseren Instrumenten.

Neben dem Verkauf und Verleih ist das Service eines Ihrer Hauptgeschäftsfelder. Können Sie ein Konzert genießen, wenn Sie ein Klavier gestimmt haben?

Nein, das halte ich gar nicht aus (lacht). Ich bin zu angespannt und kann mich nicht auf die Musik konzentrieren. Wenn Kollegen das gemacht haben, höre ich auch anders zu als ein "normaler" Konzertbesucher, bin aber deutlich ruhiger (lacht).

Sie haben acht Mitarbeiter und auch einen Lehrling. Ist es schwer, in Ihrem Bereich Personal zu finden?
Ja, Klaviertechniker ist ein Mangelberuf und wir suchen händeringend Nachwuchs in diesem Bereich. Es ist ein anspruchsvoller Job, der viel Geduld, Musikalität, Genauigkeit sowie technisches und handwerkliches Verständnis erfordert. Zudem sollte daher auch ein Gespür für Pianisten mitbringen. Unabhängig von der Berufswahl freut es mich, dass das Klavierspielen bei Kindern und Jugendlichen nach wie vor beliebt ist, denn es gibt kein schöneres Instrument. Also sehe ich junge Talente, egal, ob bei Technikern oder Spielern, sehr gerne.

Das ist
Heimo Streif junior


Geboren
am 15. April 1977
Vater zweier Söhne (zwölf und sieben Jahre)
Geschieden, aber wieder in einer Partnerschaft lebend
HAK-Matura in Graz
Absolvierte danach die Lehre zum Klavierbauer bei Schimmel in Deutschland und anschließend die Meisterprüfung.
Übernahm das Familienunternehmen 2006 von seinem Vater Heimo Streif.
Begann selbst als Kind mit Blockflöte und wechselte zum Klavier.
Spielt selbst gerne Klavier, kommt aber nur mehr selten dazu.
Sein älterer Sohn ist der E-Gitarre verfallen, der jüngere entschied sich für das Klavier.
Er ist auch Sachverständiger und bewertet etwa in Erbschaftsfällen oder Gerichtsprozessen.
In seiner Freizeit treibt er sehr gerne Sport. Wildwasserkajak auf der Mur, im Gesäuse und in Osttirol gehört dabei zu seinen liebsten Beschäftigungen.
Seit zehn Jahren nimmt er zudem am Dolomitenmann teil.
Außerdem ist er ein großer Freund des Reisens. Dabei bleibt er gerne in Österreich. ("Wir haben viele schöne Destinationen hier.")
Er übt seinen Job mit Leidenschaft aus. Für ihn wäre ein anderer Beruf nicht infrage gekommen.
Die gute Beziehung und jahrelange Treue seiner Kunden schätzt er sehr. ("Es ist schön, wenn Kunden auch nach meinem Vater fragen.")
Diesem geht es übrigens gut, er ist auch noch beratend tätig.

Informationen zum
Klavierhaus Streif

Gründung durch Emanuel Streif und 1906 Eröffnung der eigenen Reparaturwerkstatt am Franziskanerplatz 8
1911 übersiedelte das Unternehmen in die Sackstraße 14, wo es 102 Jahre ansässig war.
1972 übernahm Emanuel Streifs Sohn Heimo Streif das Unternehmen und führte es über 34 Jahre. In seiner Ära wurde 2004 das 10.000ste Klavier ausgeliefert.
2006 übernahm Heimo Streif junior das Familienunternehmen in vierter Generation. Bei der Leitung des Unternehmens wird er von seiner Schwester Edda Streif unterstützt.
Das Klavierhaus Streif verkauft, verleiht und servisiert Pianos, Klaviere und Flügel vieler Hersteller.
Standort: Humboldtstraße 1-3, 8010 Graz
Telefon: 0316/83 03 29
Web:www.klaviere-streif.com
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.30 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr, samstags von 9.30 bis 12 Uhr

Gast & Wirtschaft
Welscher Stub'n

Schmiedgasse 5-7, 8010 Graz
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10 bis 0 Uhr, Sonntag Ruhetag, warme Küche von 11 bis 22.30 Uhr
Telefon: 0316/83 41 45
Web: www.welscherstubn.at
Beschreibung: Die Welscher Stub'n befindet sich im Rahmen des Landhauses und der Name soll an jene Männer erinnern, die einen architektonischen Beitrag zum Landhaus haben. Mittlerweile gehört die Welscher Stub'n zu den gastronomischen Fixpunkten in Graz und wird für Firmen- wie Familienfeiern gerne gewählt.
Das Essen: Wiener Schnitzel vom Schwein, Cordon Bleu und Hühnerbrust: Hier kamen Klassiker auf den Tisch. Davor gab es eine Fritattensuppe und einen Vogerlsalat. Abgerundet wurde das Gespräch mit einem Kaffee.
Die WOCHE meint: Sehr gute Qualität und ausgezeichneter Geschmack überzeugen durch und durch. Die Auswahl ist gut und jeder Gast findet eine seinen Vorlieben entsprechende Speise. Das Servicepersonal ist aufmerksam und sympathisch und macht den Besuch in der Welscher Stub'n zu einem rundum gelungenen Erlebnis.

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