Machbarkeitsstudie
Mit der Seilbahn nach Aldrans, Götzens oder Hötting?

Auch in Graz gibt es Vorstellungen über eine Stadtseilbahn.
  • Auch in Graz gibt es Vorstellungen über eine Stadtseilbahn.
  • Foto: Holding Graz/Graz Tourismus
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Ein Planungsbüro erarbeitet eine Machbarkeitsstudie für eine mögliche Erschließung des östlichen Mittelgebirge von/nach Innsbruck (Aldrans, Lans, Sistrans …), der Erschließung des westlichen Mittelgebirge von/nach Innsbruck (Götzens, Birgitz,Axams …) sowie der Erschließung des Innsbrucker Nordhang (Stadtteil Hötting, Hungerburg). Der Rohentwurf soll bis Feber 2021 vorliegen.

Jahrestag

Vor rund einem Jahr, am 21.11.2019 wurde von den NEOS folgender Antrag im Gemeinderat eingebracht: "Der Gemeinderat wolle beschließen:dass eine Machbarkeitsstudie zu Potenzialen von Seilbahnen als städtisches Verkehrsmittel beauftragt wird. Dabei soll die Machbarkeitsstudie u. a. beleuchten, welche Verbindungen sowohl innerstädtisch als auch mit Blick auf die Umlandgemeinden (z. B. Mittelgebirge, Völs etc.) sinnvoll und möglich wären."
Der Antrag wurde in der Sitzung des Gemeinderates vom 12.12.2019 behandelt und dem Stadtsenat zur selbständigen Erledigung zugewiesen.
Mit Beschluss des Stadtsenates vom 15.01.2020 wurde die Mag.-Abt. III, Verkehrsplanung, Umwelt, beauftragt, ihre Stellungnahme zur gegenständlichen Thematik abzugeben.
In ihrem E-Mail vom 10.09.2020 erklärt die Mag.-Abt. III, Verkehrsplanung, Umwelt, dass sowohl der Tiroler Landtag als auch der Gemeinderat der Stadt Innsbruck den Beschluss gefasst haben, mögliche Seilbahntrassen, insbesondere im Bereich des Innsbrucker Zentralraums, prüfen zu lassen. Infolge eines Regierungsantrags des Landes Tirol wurde inzwischen ein Planungsbüro mit einer Machbarkeitsstudie zur Einsetzung von alternativen öffentlichen Verkehrsmitteln beauftragt.

Studie

Es handelt sich um eine Vorstudie, welche die Machbarkeit von Seilbahnsystemen aufzeigen soll. Mögliche Hemmnisse und Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Seilbahnanlagen sollten identifiziert und Lösungsvorschläge entwickelt werden. Ein grundsätzlicher Vergleich von Seilbahnen mit den bisher gebräuchlichen ÖPNV-Systemen anhand von verkehrlichen und betriebswirtschaftlichen Kenngrößen ist ebenso vorgesehen.Durch die Durchführung von Kosten-Nutzen-Analysen sowie Bewertung von Varianten anhand eines definierten Kriterienkatalogs (Auswirkungen hinsichtlich Städtebau, Sichtschutz, erforderliche Eingriffe in Grün, Privatgrund, Verkehrsflächen etc.) soll in der Studie eine Vorzugsvariante festgelegt werden.

Projekte

Das Thema Stadtseilbahn ist in einigen österreichischen Städten im Gespräch. In Salzburg wurden zwei Linien diskutiert: "Nach ersten Schätzungen liegen die Kosten bei ca. 80 Mio. Euro je Linie, also 160 Mio. für beide Linien. Die Betriebskosten für beide Linien sind pro Jahr mit maximal 6 Mio. Euro veranschlagt. Geht man also beispielsweise davon aus, dass jährlich 2 Mio. Tagesbesucher mit Pkw sowie 5 Mio. Touristen die Seilbahn benutzen und dafür 5 Euro bezahlen, würde das pro Jahr 35 Mio. Euro an Erlösen einspielen. Abzüglich der 6 Mio. Euro Betriebskosten verbleibt ein Überschuss von 29 Mio. Euro, mit dem die Linien 1 und 2 sowie der Ausbau des Busnetzes finanziert werden können. Für Einheimische und Pendler müsste die Benützung der Seilbahn in den Jahreskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel enthalten sein." Für das Linzer Seilbahnprojekt von Ebelsberg zum Pleschinger See liegen bereits konkrete Planungen der Firma BauCon vor. Verkehrsstadtrat Markus Hein sieht in Seilbahnlösungen einen klaren Vorteil. Man könne dem wachsenden Verkehrsdruck auf neue Art begegnen, da die „Ebene Null“ keinen Platz mehr aufweist und das unterirdische Bauen kaum finanzierbar ist. Die Planung sieht drei Bauetappen vor. Die erste Etappe (3,5 km) führt von Ebelsberg bis ins Linzer Industriegebiet (Voestalpine). Die zweite (4,9 km) bis zum Handelshafen und die dritte über die Donau bis nach Plesching (1,7 km). Der Vollausbau der Seilbahn würde 283 Millionen Euro kosten. Gebaut werden kann daher nur, wenn der Bund die Hälfte beisteuert. Je ein Viertel würden das Land und die Stadt übernehmen. Die Betriebskosten wurden auf sieben Millionen Euro im Jahr geschätzt. Eine zweite von den Experten vorgeschlagene Variante kostet 175 Millionen Euro. Sie wäre bei weniger Förderleistung lauter und hätte keine Klimaanlage. Sollten beide Möglichkeiten letztlich zu teuer sein, gäbe es auch noch die Option in Streckenabschnitten zu bauen. Auch in Graz beschäftigt man sich intensiv mit einem urbanen Seilbahnprojekt. Laut aktuellen Daten der TU Graz gibt es derzeit insgesamt rund 180.000 Pendler, die täglich im Großraum Graz zur Arbeit pendeln. Bis 2035 wird ein Anstieg der Einwohneranzahl auf fast 500.000 prognostiziert. Die Investitionskosten für die rund 12 Kilometer lange Strecke schätzt man auf etwa 200 Millionen Euro. In einem Forschungsprojekt wird außerdem die zusätzliche Nutzung der Seilbahn für den Gütertransport untersucht. Aber auch in Südtirol wird die Seilbahn aktuell intensiv diskutiert. So liegen für die Verbindung zwischen Meran, Dorf Tirol und Schenna zwei Projekte der Bahnbauer Leitner und Doppelmayr vor. Die Investitionskosten belaufen sich zwischen 80 und 96 Millionen Euro.

Mobilitätsalternative

"Die Machbarkeitsstudien für Seilbahnen als Verkehrsmittel sind ein erster Schritt für die Umsetzung. Bis zur tatsächlichen Realisierung werden wir noch viele Hürden nehmen müssen, aber wir sind überzeugt, dass es irgendwann Seilbahnen als Mobilitätsalternative geben wird. Als Beitrag für eine langfristige Mobilitätswende ist es unerlässlich über umweltfreundliche Alternativen, wie Seilbahnen, ernsthaft nachzudenken," ist GR Julia Seidl von den NEOS überzeugt, dass Seilbahnen einen Beitrag für eine echte Mobilitätswende leisten werden. "Im Rahmen der europäischen Mobilitätswoche wurde am Marktplatz Innsbruck ein Visionspapier präsentiert. Dort konnten die Bürger ihren Favoriten bestimmen. Die Seilbahn hatte dabei klar die Nase vorne. Die Vorzeichen standen noch nie so gut. Wir werden nicht locker lassen und eine Stadtregion-Seilbahn weiter forcieren. Damit dabei endlich etwas weitergeht," gibt sich Seidl kämpferisch.

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