Gerald Schmid
"Es war der einzig mögliche Weg"

Gerald Schmid an seiner neuen Wirkungsstätte.
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Ein Jahr nach seinem Rücktritt erklärt der ehemalige Stadtchef von Knittelfeld seine Beweggründe und spricht über sein neues Leben.

KNITTELFELD. Von überrascht bis schockiert reichten die Reaktionen, als Gerald Schmid vor einem Jahr seinen Rücktritt als Bürgermeister der Stadt Knittelfeld bekannt gab. Der erfolgreiche und beliebte Kommunalpolitiker musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten aufgeben. Ein Jahr danach ist er wieder an alter Wirkungsstätte tätig. Er leitet als Geschäftsführer den Wasserverband Aichfeld-Murboden.

MZ: Herr Schmid, wie geht es Ihnen?
Gerald Schmid: Derzeit gut und das ist höchst erfreulich. Ich kann wieder arbeiten, das ist das Wichtigste. Ich blühe mit der neuen Herausforderung wieder auf. Ich war in Wahrheit ja nie weg. Als Bürgermeister war ich Obmann des Wasserverbandes - jetzt bin ich wieder zurück. Das war schon immer mein Lieblingsjob.

MZ: Vor genau einem Jahr haben Sie Ihren Rücktritt erklärt - war es aus heutiger Sicht die richtige Entscheidung?
Schmid: Es war vor allem eine notwendige Entscheidung und meiner Gesundheit geschuldet. Es hat sich herausgestellt: 34 Jahre in der Politik sind mehr als genug, wenn man es engagiert anlegt. Ich habe jetzt einen anderen Blick auf diesen bewegten Lebensabschnitt. Ich hatte ja diesen Drang zur Veränderung - und ich glaube, dass ist ganz gut gelungen.

MZ: Haben Sie die Entscheidung jemals bereut?
Schmid: Nein! Es war die logische Konsequenz und zu diesem Zeitpunkt der einzig mögliche Weg. Ich war schon als Bürgermeister immer ein Teamplayer und deshalb mussten wir nicht lange nach einem Nachfolger suchen.

MZ: Kurz nach Ihrem Rücktritt sind vor allem in sozialen Medien viele Spekulationen aufgetaucht, die teils sehr untergriffig waren. Hat Sie das persönlich getroffen?
Schmid: Überhaupt nicht. Damit muss man rechnen. Ich war gefasst und darauf vorbereitet. Wenn man so lange im Geschäft ist, kennt man das. Ich war ja bewusst in den sozialen Medien unterwegs und da gibt es eben auch eine Kehrseite, wo jeder seinen Senf dazugeben muss. Politiker müssen da viel aushalten. Es gab aber auch viele positive Reaktionen. Ich bin danach für ein halbes Jahr komplett abgetaucht. Wenn ich jetzt auf der Straße unterwegs bin, gibt es viele schöne und nette Begegnungen.

MZ: Was hat sich im vergangenen Jahr für Sie persönlich verändert?
Schmid: Ich habe nach Jahrzehnten mit dem Begriff „Freizeit“ wieder umgehen lernen müssen. Diesen Prozess habe ich neu lernen müssen. Vorher hat sich vom Aufstehen bis zum Schlafen jeder Gedanke um die Stadt gedreht. Ich habe den Wert von Gesundheit kennen- und schätzen gelernt. Ich mache jetzt bewusst viel für meine Gesundheit und nutze meine neu gewonnene Freizeit. Ich kann viel intensiver mit der Familie leben, Sport und Hobbys ausüben.

MZ: Wie haben Sie die Corona-Situation erlebt?
Schmid: Ich bin nicht angstgetrieben unterwegs, aber als verantwortungsvoller Mensch und Bürger halte ich alle Auflagen ein. Mir ist bewusst, im Ernstfall kann ich andere schützen. Besonders vorsichtig bin ich im Umgang mit meinen Eltern. Da weiß man die gemeinsame Zeit dann auch mehr zu schätzen.

MZ: Ich nehme an, Sie verfolgen die Politik noch immer sehr genau.
Schmid: Wenn man einmal dabei ist, ist das fast wie eine Sucht. Das wird man nie los. Ich bin nicht nur interessiert, sondern durch mein Netzwerk auch gut informiert. Ich habe aber die Entscheidung getroffen, nicht überall meinen Senf dazuzugeben.

MZ: Rein hypothetisch: Wenn man Sie bei der nächsten Gemeinderatswahl fragen würde, ob Sie kandidieren - was würden Sie sagen?
Schmid: Ich würde sagen: Es ist ein gutes Team am Werk, das den Bedarf aus dem aktiven Pool decken kann. Ich bin sowieso überzeugt, beim derzeitigen Bürgermeister stellt sich diese Frage nicht.

MZ: Bei der Wahl im Juni hat die SPÖ in Knittelfeld einen Erdrutschsieg gefeiert. Sehen Sie das auch als verspätetes Dankeschön an Sie?
Schmid: Es ist wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Der von mir vorgeschlagene Nachfolger war schon maßgeblich an allen Entscheidungen beteiligt. Der Übergang war flüssig. Ich habe mich aber sehr über den verdienten Erfolg gefreut.

MZ: Jetzt reißt Corona ein Loch in die Gemeindekassen. Sind Sie froh, diese Herausforderung nicht mehr annehmen zu müssen?
Schmid: „Froh“ ist das falsche Wort. Ich leide eher mit den Herausforderungen der ehemaligen Kollegen mit. Es sind alle voller Tatendrang, Ideen und Projekte - allerdings sind die Möglichkeiten jetzt begrenzt. Ich verstehe deshalb die Forderungen sehr gut. Die Kommunen sind in der Krise ein wichtiger Auftraggeber.

MZ: Wenn Sie heute durch Knittelfeld schlendern - was gefällt Ihnen am besten?
Schmid: Mir gefällt das neu gewonnene Selbstbewusstsein und die Freude der Bürger über die in vielen Bereichen neue Stadt. Wir haben ein neues Image bekommen und dadurch viele neue Betriebe anlocken können.

MZ: Was würden Sie sich für Knittelfeld noch wünschen?
Schmid: Dass die Knittelfelder Betriebe die Corona-Krise gut überstehen. Die Stadt soll nach Corona die Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Dafür wünsche ich allen viel Kraft und Gesundheit.

Zur Person

Gerald Schmid ist 54 Jahre alt und war in seiner politischen Karriere rund 25 Jahre lang im Knittelfelder Gemeinderat vertreten. 2014 trat er die Nachfolge von Siegfried Schafarik als Bürgermeister an. Von 2005 bis 2015 war Schmid Abgeordneter im steirischen Landtag. Schmid gab im November 2019 seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt, sein Nachfolger als Stadtchef ist Harald Bergmann.
In seiner Amtszeit hat Gerald Schmid den Stadtentwicklungsprozess eingeleitet - der neue Hauptplatz, das Haus der Vereine und vieles mehr ist daraus entstanden.
Gerald Schmid an seiner neuen Wirkungsstätte.
Gerald Schmid mit Nachfolger Harald Bergmann.

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