Sinn oder Unsinn
Sind Lufteiniger für Pflichtschulen sinnvoll?

Luftreiniger an der Schule in VS Gschwendt
https://www.luxinternational.com/de/produkte/lux-aeroguard-sense/528
  • Luftreiniger an der Schule in VS Gschwendt
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  • Foto: LUX Österreich GmbH
  • hochgeladen von Hannes Grünbichler

Zuerst fordern Lehrervertreter und jetzt auch die Unabhängigen Gewerkschaften im ÖGB und der Nationalrat Franz Hörl von der ÖVP vom Bildungsminister Faßmann eine schnelle Empfehlung für Luftfilter in allen Schulen, mit Vorrang für die Pflichtschulen. Reagieren die Schulerhalter, bevor die Schulen wieder weitgehend unvorbereitet in einen neuen Corona-Herbst gehen? Bieten Luftreiniger nicht auch einen Schutz vor neuen Varianten und können sie den Präsenzunterricht absichern helfen?

Welche Daten und Fakten sprechen für Luftreiniger an Schulen?

Das deutsche Bildungsministerium hat bereits eine Empfehlung für die Anschaffung von Luftfiltern ausgesprochen. Grundlage ist eine positive Studie der TU Berlin, die die Wirksamkeit bewiesen hat. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) spricht in ihrem jüngsten wissenschaftlichen Positionspapier davon, dass in Innenräumen umfassende Schutzvorkehrungen erforderlich sind, um die Menschen vor Infektionen zu schützen und sie geht darin speziell auch auf Schulen ein.
Das Positionspapier beschäftigt sich mit der Frage „Wie lassen sich Infektionen durch Aerosole verhindern?“ und fasst dabei die jüngsten Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts, der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC und der WHO zusammen. Die DFG schreibt darin, dass die Infektionsgefahr in Innenräumen nur dadurch minimiert werden kann, indem sich Personen dort nur kurz aufhalten, die Konzentration infektiöser Aerosole durch starken Luftwechsel möglichst gering gehalten wird oder durch das Tragen partikelfilternder Masken.
Fakt ist, dass Schule vermehrt Drinnen als Draußen, also in Innenräumen, stattfindet und natürlich mehrere Stunden täglich dauert oder sogar den ganzen Tag. Sollen also in Zukunft alle Kinder den ganzen Tag FFP2-Masken tragen? Das mussten die Kleinen bis jetzt nicht und für die 10- bis 14-jährigen hat eine Alltagsmaske ausgereicht.

Lüften alle 20 bis 30 min, aber reicht das aus?

Ein starker Luftwechsel kann die Ansteckungsgefahr reduzieren. Das ist doch eine gute Nachricht. Ein schneller Luftaustausch durch Fensterlüftung erfordert regelmäßiges Querlüften (6-mal pro Stunde, Durchzug durch Öffnen von Fenstern auf gegenüberliegenden Raumseiten). Spätestens jetzt werden sich Eltern und Kinder fragen, an welchen Schulen dies überhaupt möglich ist und wie das im Winter gehen soll?
Die gute Nachricht ist und dies schreibt die DFG, dass ein starker Luftwechsel auch durch mobile Raumluftreiniger erfolgen kann.

Schulen brauchen Luftreiniger, alles andere macht dumm.

Aus wissenschaftlicher Sicht sind also mobile Luftreiniger für Klassenräume anzuschaffen, wenn man die kindliche Gesundheit nicht gefährden will. Das ist jedenfalls besser, weil virenhältige Luft auch noch dumm macht (meint zumindest diese Lancet-Studie).
Gemeinsam mit regelmäßigen Raumlüftungen erhöhen die Filtergeräte den Schutz vor Covid-Ansteckung im Klassenzimmer, meldet auch der ORF in einem eigenen ZIB-2 Beitrag am 20.7.2021. Und auch dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Sinnhaftigkeit von Luftreinigern an Schulen: Weil die Geräte auch andere Krankheitskeime, Allergene und Staubpartikel aus der Raumluft holen, muss man sie als nachhaltiges Mittel für eine gesunde Schule sehen.

Wie werden jetzt Luftreiniger für Klassenräume ausgewählt?

Auch dafür gibt das Positionspapier eine Antwort: Mobile Raumluftreiniger sollten bei einer mittleren Raumgrößen (ca. 60‒100 m²) und voller Klassenstärke in der Lage sein, mindestens das 6-Fache des Raumvolumens pro Stunde zu filtern. Ein Maß für die Filterleistung ist der sogenannte CADR-Wert, die die Clean-Air-Delivery-Rate.

Bei kleineren Räumen müssen aufgrund des geringeren Raumvolumens höhere Luftwechselraten sichergestellt sein. Bei großen Räumen sind geringere Luftwechselraten ausreichend. Mobile Raumluftreiniger sollten über Filter der Klasse H13 oder H14 verfügen und leiser sein als der natürliche Lärmpegel im Raum (möglichst leiser als 50 dB(A) – entspricht „Vogelgesang“ bei einem offenen Fenster – beim erforderlichen Volumenstrom entsprechend der Raumgröße), damit sie einen ausreichenden Schutz bieten und nicht abgeschaltet werden.

Es ist oft sinnvoll, ein Gerät mit höherer Leistung auf niedrigerer Stufe zu betreiben als ein kleines Gerät auf maximaler Leistung, da das größere Gerät bei gleichem Volumenstrom deutlich leiser ist als ein kleines, sinnvoll ist auch der Parallelbetrieb von zwei Geräten, die gegenüberliegend aufgestellt werden.

Für eine 65 m² große Klasse ergibt das bei einer Deckenhöhe von 2,75 m einen notwendigen CADR von 1072,5 m³/h (= 65 [m²] mal 2,75 [m] x 6 [1/h]).

Hannes Grünbichler, hat als promovierter Techniker und Lehrergewerkschafter, die Luftreiniger für die Anwendung in Schulklassen genauso abgestimmt. Nun stehen oder standen in den Klassenräumen seiner Tochter, der Volksschule Gschwendt, im Ort Kumberg in der Steiermark, je zwei Luftreiniger mit einem Gesamt-CADR-Wert von 1530 m³/h. Somit können oder konnten die Geräte immer bei einem Geräuschpegel von unter 40 db(A) betrieben werden, weil das Lüften ja noch hinzukommt. Dies ist im Betrieb extrem leise und führt zu keinerlei Beeinträchtigung des Unterrichts. Ein Filtertausch wäre einmal im Schuljahr (in den Sommerferien) notwendig und ist auch noch völlig „ungefährlich“. Zumindest wurden an der Volksschule Gschwendt sehr positive Erfahrungen mit der Anwendung von Luftreinigern gemacht (zum Artikel geht's hier lang). Dieses Konzept kann man für alle Klassenräume anwenden.

JA, Luftreiniger sind sehr sinnvoll, jetzt bitte anschaffen!

Luftreiniger sind sehr sinnvoll, wenn man Infektionen unter Kindern und die Verbreitung neuer Varianten bremsen will. Einen Teil der Kinder wird eine Infektion voraussichtlich schwer treffen. Man geht davon aus, dass dies bei etwa 0,5-1 % der Infizierten der Fall sein wird. Das größere Problem ist long COVID. 4-5 % der infizierten Kinder könnten betroffen und dann schulunfähig sein, meint der Münchner COVID-Arzt Wendtner (zum Interview hier lang). Volker Strenger, Professor an der Kinderklinik der Med-Uni Graz und Leiter der Arbeitsgruppe Infektiologie der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) spricht von 6 % der Kinder, geht aber davon aus, dass ab Herbst mehr Kinder betroffen sein werden.

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