Weiterhin Probleme
Österreich verbessert sich im Korruptionsranking leicht
- TI-Austria hat „Zehn Forderungen an die Bundesregierung“ zur Korruptionsprävention: etwa eine unabhängige Weisungsspitze für Staatsanwaltschaften und die Stärkung der Medienunabhängigkeit.
- Foto: Andreas Pölzl/MeinBezirk
- hochgeladen von Mathias Kautzky
Im Korruptionsranking gibt es eine leichte Verbesserung für Österreich. Einen historischen Negativrekord gab es noch 2024. Trotz der besseren Platzierung 2025 bleiben einige Problemfelder. Außerdem stagniert die Korruptionsbekämpfung in der EU. Spitzenreiter ist erneut Dänemark.
Aktualisiert am 10. Februar 2026 um 12.56 Uhr.
ÖSTERREICH. Jahr für Jahr veröffentlicht Transparency International (TI) den internationalen Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perception Index, CPI). Für 2025 ergibt sich für Österreich eine leichte Verbesserung: Mit 69 Punkten und Rang 21 verbessert sich Österreich gegenüber dem Jahr 2024, als es noch 67 Punkte und Rang 25 waren – das war damals der historische Negativrekord. Die Punkteskala reicht bis 100, je höher der Wert, desto weniger Korruption wurde wahrgenommen.
So deutet das Ergebnis auf eine vorsichtige Trendumkehr hin – Österreich bleibt jedoch im westeuropäischen Mittelfeld. Von einer nachhaltigen Stabilisierung kann laut TI daher noch nicht gesprochen werden. "Die Verbesserung im CPI 2025 ist ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung", sagt Bettina Knötzl von Transparency International Austria.
"Der Index zeigt, dass Reformen Wirkung entfalten können. Das ist wichtig für den Wirtschaftsstandort Österreich, für breiten Wohlstand und für die Wahrung demokratischer Werte. Gleichzeitig bleibt Korruption hierzulande ein strukturelles Problem, das wirtschaftliche Entwicklung bremst und Vertrauen in staatliche Institutionen untergräbt."
Reformen bei Transparenz und Kontrolle umgesetzt
Zu den in Österreich umgesetzten Reformen zugunsten des CPI zählt das Informationsfreiheitsgesetz: Damit wurde in Österreich ein wichtiger Schritt zur Stärkung von Transparenz und öffentlicher Kontrolle gesetzt. Ob sich dieser Paradigmenwechsel nachhaltig auswirkt, hängt laut TI jedoch maßgeblich von der Umsetzung ab – insbesondere von der proaktiven Veröffentlichung staatlicher Informationen und ihrer tatsächlichen Zugänglichkeit für Öffentlichkeit, Medien und Zivilgesellschaft.
- Korruption hat viele Gesichter – das berüchtigte Geldkuvert ist nur eines davon. (Symbolfoto)
- Foto: stock.adobe.com/at/Andrey Popov
- hochgeladen von Evelyn Wanz
An der Spitze des CPI 2025 liegt erneut Dänemark mit 89 Punkten. Es folgen Finnland (88 Punkte) und Singapur (84 Punkte). Die kontinuierlich hohen Platzierungen dieser Länder zeigen laut TI, dass Korruptionsbekämpfung dort langfristig von der Politik in den Fokus gerückt wird.
Am unteren Ende des Index rangieren Somalia und Südsudan mit jeweils neun Punkten und beiden auf Platz 181, sowie Venezuela mit zehn Punkten (Platz 180). Die USA liegen mit 64 Punkten auf Platz 100 genauso im unteren Mittelfeld wie Russland mit 22 Punkten auf Platz 157 – die Ukraine steht mit 36 Punkten auf Platz 104.
EU stagniert im Korruptionsindex
Westeuropa und die EU zählen insgesamt weiterhin zu den bestbewerteten Regionen im CPI. Allerdings stagniert die hiesige Korruptionsbekämpfung in den vergangenen zehn Jahren laut TI weitgehend: Der durchschnittliche CPI-Wert der Region ist von 66 auf 64 Punkte gesunken, dazu haben sich mehr Länder verschlechtert als verbessert.
Laut TI spiegle die im Dezember 2025 beschlossene EU-Antikorruptionsrichtlinie diese Entwicklung wider: Anstelle verbindlicher und ambitionierter Standards wurde ein abgeschwächtes Regelwerk verabschiedet, das auch für nationale Reformprozesse nur begrenzte Impulse setzt.
- Eine Stärkung der Staatsanwaltschaften – insbesondere der WKStA – sollte in Österreich zur Bekämpfung der Korruption umgesetzt werden.
- Foto: Elke Mayr
- hochgeladen von Mathias Kautzky
Global zeigt der CPI eine anhaltende Verschärfung der Lage: Transparency International beobachtet eine Erosion politischer Integrität selbst in etablierten Demokratien, eine zunehmende Einschränkung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume sowie wachsende öffentliche Frustration über Ungleichheit und unzureichende öffentliche Leistungen. Korruption konzentriert Macht in den Händen weniger, untergräbt Vertrauen in staatliche Institutionen und verstärkt soziale Ungleichheit – innerhalb von Staaten ebenso wie global.
Zehn Forderungen von TI-Austria
Vor diesem Hintergrund hat TI-Austria „Zehn Forderungen an die Bundesregierung“ mit Maßnahmen zur Korruptionsprävention. „Wir befinden uns auch in Österreich in einer Phase wachsender politischer Polarisierung, geopolitischer Spannungen und zunehmender demokratischer Belastungen – gerade jetzt sind starke, unabhängige Institutionen und glaubwürdige Integritätsstandards besonders gefordert“, so Knötzl von TI-Austria. Das sind die Forderungen:
- Unabhängige Weisungsspitze für Staatsanwaltschaften
- Stärkung der Staatsanwaltschaften, insbesondere der WKStA
- Stärkung der Kronzeugenregelung
- Informationsfreiheit stärken
- Verbesserung des Hinweisgeberschutzes
- Stärkung der Medienunabhängigkeit
- Verwaltungsreform
- Postenschacher entgegenwirken
- Ausbau der ethischen, politischen und wirtschaftlichen Bildung an Schulen
- Einführung eines Korruptionsregisters
Der CPI erfasst verschiedene Erscheinungsformen von Korruption, darunter Bestechung, Zweckentfremdung öffentlicher Gelder, Nepotismus ("Freunderlwirtschaft") im öffentlichen Dienst sowie die Vereinnahmung staatlicher Institutionen durch private Interessen (State Capture).
Darüber hinaus analysieren einige Quellen die vorhandenen Mechanismen zur Korruptionsprävention, wie etwa den Schutz von Hinweisgeber und Hinweisgeberinnen, die Unabhängigkeit der Justiz, Transparenzvorgaben für Amtsträger und Amtsträgerinnen und den Zugang zu Regierungsinformationen. Alle Details gibt es bei TI-Austria hier.
Reaktionen aus der Politik
SPÖ-Justizsprecherin Selma Yildirim kommentiert die leichte Verbesserung Österreichs im internationalen Korruptionsindex so: „Das ist ein wichtiges Signal. Das Vertrauen steigt. Es ist unsere Aufgabe, ganz klarzumachen, dass Korruption und die verharmlosende Bezeichnung der ‚Freunderlwirtschaft‘ unserem Land massiv schaden. Hier darf es keine falsche Toleranz geben“, so Yildirim.
Die einstige Justizministerin und aktuelle Justizsprecherin der Grünen, Alma Zadić, warnt vor falscher Zufriedenheit: „Die leichte Verbesserung ist kein Grund zur Erleichterung. Österreich bleibt weiterhin in der Gruppe der Absteiger – das ist ein klarer Auftrag.“ Den Grund für die leichte Verbesserung im Ranking sieht Zadić in den einst von den Grünen umgesetzten Reformen: „Die Abschaffung des Amtsgeheimnisses, das neue Informationsfreiheitsgesetz, das Whistleblowerschutz-Gesetz und die verbesserte Verfolgung von Korruption durch personell und strukturell gestärkte unabhängige Staatsanwaltschaft.“
Das könnte dich auch interessieren:
Aktuelle Nachrichten aus Österreich auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.