Opioid-Therapie in Österreich
So hoch war die Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren
- Nach ICD-10 bzw. DSM-5 liegt bei Opioidabhängigkeit ein Abhängigkeitssyndrom vor, wenn zum Beispiel in den letzten zwölf Monate zum Beispiel Entzugssymptome aufscheinen. (Symbolfoto)
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Gesundheitsministerin Schumann hat die parlamentarische Anfrage zweier FPÖ-Abgeordneter zum Thema Opioid-Substitutionstherapie in Österreich beantwortet. Daraus geht hervor, wie viele Personen in den vergangenen zehn Jahren die Therapie in Anspruch genommen haben und mit welchen Kosten das Ganze verbunden war.
ÖSTERREICH. In Österreich wird die orale Opioid-Substitutionstherapie (OST) seit 1987 angeboten. Opiatabhängige Personen erhalten statt der illegalen Opiate ärztlich verschriebene Ersatzsubstanzen. Damit will man eine Übergangslösung bieten. Doch nicht bei allen Abhängigen kann die Sucht damit beendet werden, und eine Dauersubstitution ist die einzige Lösung.
Die beiden FPÖ-Abgeordneten Markus Leinfellner und Gerhard Kaniak wollten Anfang August 2026 von Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) Näheres zur Substitutionstherapie in den vergangenen zehn Jahren in Österreich wissen. Schumann beantwortete nun die Anfrage und lieferte die konkreten Zahlen.
"Missbrauchspotenzial"
Nach ICD-10 bzw. DSM-5 liegt bei Opioidabhängigkeit ein Abhängigkeitssyndrom vor, wenn innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens drei typische Kriterien erfüllt sind. Zum Beispiel starkes Verlangen, Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome, Vernachlässigung anderer Interessen und anhaltender Konsum.
Beispiele für Opioide sind Buprenorphin, Codein, Fentanyl, Hydromorphon, Morphin, Oxycodon, Tapentadol und Tramadol. Sie werden vor allem zur Schmerzbehandlung eingesetzt. Bei einer Anwendung über mehr als vier Wochen kann eine körperliche Abhängigkeit entstehen, die jedoch nicht automatisch eine Sucht bedeutet.
- Gerhard Kaniak und sein Kollege Markus Leinfellner (beide FPÖ) wollten außerdem von Schumann eine Aufschlüsselung, welche Medikamente genau zum Einsatz kommen. Dies kann sie nicht beantworten.
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Die beiden Freiheitlichen sehen genau darin ein Problem, dass Medikamente wie Substitol, das bei einer Opiatabhängigkeit verschrieben wird, missbraucht werden können. Das Medikament beinhaltet den Wirkstoff Morphinsulfat, das Erwachsenen zur ärztlich überwachten Ersatztherapie also Substitution bei einer Opiatabhängigkeit verschrieben wird.
Das Problem dabei: Werden die Tabletten oder Kapseln zerkleinert, gekaut oder aufgelöst, kann die verzögerte Wirkstofffreisetzung aufgehoben werden. Der Wirkstoff gelangt somit schneller in den Körper und kann einen Rausch auslösen. Die Abgeordneten vergleichen Morphin aufgrund der verzögerten Wirkstofffreisetzung mit Methadon. Geht es nach der FPÖ, ist Methadon günstiger und hat ein geringeres Missbrauchspotenzial.
So viele sind betroffen
Im Zeitraum 2016 bis 2025 haben 22.079 Staatsangehörige eine Substitutionstherapie in Anspruch genommen. 28 Prozent davon waren Frauen und 72 Prozent Männer. Die meisten davon (38 Prozent) kamen aus Wien, zwei Prozent aus dem Burgenland und 18 Prozent aus Niederösterreich. Das Durchschnittsalter lag bei 31,3 Jahren.
Die FPÖ-Mandatare Leinfellner und Kaniak wollten außerdem von Schumann eine Aufschlüsselung, welche Medikamente genau zum Einsatz kommen. "Im Substitutionsregister werden lediglich die Hauptwirkstoffe der verordneten Medikamente dokumentiert. Eine Aufschlüsselung der konkreten Arzneimittel ist daher nicht möglich", heißt es in der Beantwortung.
- Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) beantwortet die Anfrage der FPÖ zur Substitutionstherapie in Österreich. (Archivbild)
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Zu den Hauptwirkstoffen zählen jedoch Methadon, Levomethadon, Buprenorphin und Naloxone, retardiertes Morphin und weitere Unbekannte. Die retardierten Morphine machten 2024 und 2025 62 Prozent aus.
Die Frage der Kosten
Wie sieht es mit den Kosten der Behandlung aus? Dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz liegen keine Zahlen vor. Von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) heißt es dazu: Die ÖGK übernimmt grundsätzlich die Kosten für die ärztliche Behandlung und Substitutionsmedikamente.
Die Behandlung erfolgt durch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte in Vertragsordinationen oder spezialisierten Einrichtungen. Die Kosten der ärztlichen Betreuung variieren je nach Betreuungs- und Abrechnungsmodell und liegen etwa im zwei- bis niedrigen dreistelligen Eurobereich pro Patientin und Patient und Quartal.
Während im Jahr 2021 die Österreichische Ärztekammer berichtete, dass eine Verordnung etwa von Buvidal durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte aufgrund der fehlenden Kostenübernahme durch die ÖGK problematisch gewesen sei, hat sich die Situation nach Angaben des Referats für Substitutionsangelegenheiten inzwischen verbessert. Demnach bestehen mittlerweile keine Schwierigkeiten mehr bei der Verschreibung von Buvidal, die Kosten werden von der ÖGK übernommen. Die Frage nach der Höhe der Kosten bleibt somit unbeantwortet.
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