Kommentar
Koralmbahn: Der Zug fährt (hoffentlich nicht ohne uns ab)
- Vor zehn Jahren hat meine journalistische Tätigkeit bei MeinBezirk angefangen – die Koralmbahn war schon immer da.
- Foto: MeinBezirk/Fineart Photos
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MeinBezirk-Redakteur Simon Michl hat die Koralmbahn schon seit zehn Jahren begleitet. Ein Rückblick auf viele Momente und eine Vorausschau auf das, was jetzt noch passieren muss.
Genug der Superlative. Jetzt wird es ernst.
Sehr, sehr viel ist die letzten Jahre über die Koralmbahn geschrieben worden, gemäß der Jahrhundertchance, als die sie quasi von (fast) allen gesehen wird.
Mitgewachsen
Auch wir haben die Koralmbahn jahrelang im Fokus gehabt. Mir selbst ist in den letzten Tagen erst bewusst geworden, dass ich mit dem Thema eigentlich journalistisch groß geworden bin. Zum ersten Mal "gesehen" hab ich das Projekt 2016, als ich meine ersten Monate bei MeinBezirk (damals Woche) absolvierte, in Graz Journalismus studierte und dort am Hauptbahnhof eine kleine Installation entdeckte.
- 2016 war "unsere" Koralmbahn schon am Grazer Hauptbahnhof als Teil eines digitalen Infopoints zu bestaunen.
- Foto: Simon Michl
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2017 durfte ich den Tunnel und die gewaltige Tunnelbohrmaschine von innen sehen – und hab das Projekt zum ersten Mal gefilmt. Nur ein paar Tage später fand der Spatenstich am heutigen Bahnhof Weststeiermark statt. Ein ironischer Zufall, dass das innerhalb von Tagen passierte, wo doch die Inbetriebnahme noch Jahre weg war. Es schien damals Ewigkeiten entfernt zu sein – und da war noch von 2023 die Rede.
- 2017 im halb fertigen Koralmtunnel
- Foto: Simon Michl
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2021 hab ich den halb fertigen Bahnhof Weststeiermark gesehen und gefilmt. Wer sich die Bilder genau anschaut, wird beim ersten Besuch am fertigen Bahnhof vieles wiedererkennen.
- Die Baustelle in Groß St. Florian im Zeitraffer
- Foto: ÖBB/Podesser, MeinBezirk/Michl
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2023 konnte ich tatsächlich zum ersten Mal durch den Tunnel fahren – bei einer Medienfahrt. Von St. Paul im Lavanttal ging es nach Groß St. Florian und da hab ich gemerkt, warum wir diese Verbindung brauchen: Mit den bisherigen öffentlichen Verkehrsmitteln hätte ich drei Stunden über die Koralm nach Kärnten gebraucht. Ich entschied mich für das Auto, fuhr mit dem Zug hin und her und mit dem Auto wieder heim.
- 2023 durften wir von den Medien zum ersten Mal durch den Zug fahren.
- Foto: MeinBezirk
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Damals dauerte die Fahrt durch den Koralmtunnel noch eine Dreiviertelstunde. Nun sind es nur sieben Minuten und man hat den Berg durchquert.
- 2025, wenige Wochen vor dem Start: alleine am Bahnhof Weststeiermark
- Foto: MeinBezirk/Simon Michl
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Als ich vor ein paar Wochen noch einmal am Bahnhof Weststeiermark war, ließ ich für ein paar Momente meine Gedanken spielen. Ich machte noch ein paar Aufnahmen und war irgendwann alleine dort, am Abend, kein Zug, kein Fahrgast, nur mein Auto am Riesenparkplatz. Eine Kleinigkeit, aber eine, die es so nie mehr geben wird.
Ein paar Momente für diese Gedanken blieben mir auch in den sieben Minuten der Premierenfahrt durch den Tunnel am vergangenen Freitag. Keine Kleinigkeit, sondern ein großer Tag.
Zeit, weiterzuwachsen
Nach 30 Jahren Planen, 27 Jahren Bauen und einem Jahr Testen ist die neue Strecke samt Tunnel bereit für modernes Bahnfahren.
Und doch ist es bezeichnend, dass die hohe Politik bis jetzt kein gemeinsames Klimaticket zustande gebracht hat. Fast übertroffen von der Ironie, dass die Landes- und Regionalpolitik wenige Monate nach dem Start der Koralmbahn den Mikro-ÖV rund um die Strecke beendet. Auch in der Verkehrsplanung gibt’s noch die ein oder andere Lücke, die es zu schließen gibt.
Auch wenn jetzt der Zug fährt, wird sich von heute auf morgen nicht alles in der Region verändern. Denn genauso wie der Zug kommt vieles nicht von alleine. Es gibt auch nach dem 14. Dezember einiges zu tun. Wollen wir hoffen, dass wir nicht irgendwann über die verpasste Jahrhundertchance schreiben.
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