15.11.2017, 09:28 Uhr

Ärzte sind in unserem Bezirk mehr als gefragt

Dr. Sabine Michaela Reiterer hat zu Jahresbeginn die Ordination von Dr. Helmut Benjamin Huss übernommen. (Foto: KK)

Eine Bürgerinformation in Eibiswald lässt die Diskussion um die schwierige Nachbesetzung von Hausärzten wieder aufflammen.

EIBISWALD. Vier Hausärzte zählt die Großgemeinde Eibiswald mit ihren 6575 Einwohnern. Zu Beginn des Jahres hat Dr. Sabine Michaela Reiterer die Ordination von Dr. Helmut Benjamin Huss mit der Adresse Eibiswald 8 übernommen, ein Neubau der Ordination z.B. beim Stützpunkt des Roten Kreuzes, steht schon seit längerem im Raum.
In der Vorwoche wurde eine Bürgerinfo des Bürgerkomitees "Sechs Eiben" veröffentlicht. Mit dem Wortlaut "Ärztliche Versorgung der Eibiswalder Bevölkerung in Gefahr" wird der Eibiswalder Gemeindeführung eine mangelnde Unterstützung der praktischen Ärztin Dr. Sabine Michaela Reiterer bei ihrer Praxisneugründung vorgeworfen. "Uns geht es um die Erstellung eines Konzeptes", betont dazu der Sprecher Johannes Eisner. Schließlich werden in benachbarten Gemeinden langjährige Hausärzte in absehbarer Zeit ihren Ruhestand antreten, womit ein Abzug der "Frau Doktor" zu befürchten wäre. So wird in Wies Dr. Erhardt Wipfler im kommenden Frühjahr pensioniert. Seine Nachfolge ist allerdings bereits gesichert, in seine Fußsstapfen wird Dr. Irmgard Schwender treten.
In Schwanberg steht mit Ende des Jahres die Pensionierung von Medizinalrat Dr. Gerald Andracher an. "Wir haben die Stelle ausgeschrieben haben - bisher ohne Erfolg", so  Bgm. Karlheinz Schuster. Da Dr. Andracher seine Räumlichkeiten selbst benötigt, müssten neue Ordinationsräumlichkeiten für seine Nachfolge geschaffen werden. "Eine Unterstützung von Seiten der Marktgemeinde Schwanberg wird dazu notwendig sein", so Schuster, der auch die Politik in der Pflicht sieht, um Stellen für Hausärzte attraktiver zu machen.

Schwenk nach Eibiswald

Auf Anfrage der WOCHE betont die praktische Ärztin Dr. Sabine Michaela Reiterer: "Der Neubau einer Ordination bei Berücksichtigung sämtlicher Richtlinien stellt immer ein wirtschaftliches Risiko dar.
Vorausschauend sollte die Möglichkeit zur Erweiterung für weitere Ärzte gegeben sein.
Schließlich sind es einzig und allein die Patienten, für die ich gerne in Eibiswald tätig bin", betont Reiterer. Warum es um die Hausärzte so schlecht bestellt ist? "Die Tarife für diverse Leistungen sind für Kassenärzte einfach unter aller Kritik. Ich biete dennoch Zusatzleistungen an, damit ich meine Patienten nicht mit Überweisungen herumschicken muss", sieht Reiterer die Kassen am Zug, diesen Umstand zu ändern und ergänzt:" Als praktischer Arzt wird man nicht reich. So eine Ordination betreibt man aus Freude an der Arbeit und aus Menschenliebe."
Und noch ein Wort zu besagter Bürgerinformation: "Ich möchte mich hier unter keinen Umständen politisch instrumentalisieren lassen." 

Die Gemeindeführung ist aktiv

Die WOCHE fragte bei Bgm. Andreas Thürschweller an, wie er zur Situation in Eibiswald steht: "Ich kann nicht nachvollziehen warum Johannes Eisner so mit den Ängsten der Bevölkerung spielt. Nachdem wir bereits intensive Gespräche mit Dr. Sabine Reiterer führen und ihr auch konkrete Angebote gemacht haben, bin ich nach einem kürzlich erfolgten Termin bei LH-Stv. Michael Schickhofer sehr positiv bezüglich einer gemeinsamen Lösung gestimmt", so Bgm. Thürschweller und ergänzt: "Ich möchte betonen, dass wir bereits vor der ominösen Aussendung konkrete Lösungen in Aussicht gestellt haben."

Schwierige Suche nach Ärzten mit Kassenvertrag

Wie schwierig die Suche nicht nur nach praktischen Ärzten sondern auch nach Fachärzten sein kann, zeigt die seit mehr als einem Jahr erfolglose Suche nach einem zweiten Kassenarzt für Kinder- und Jugendheilkunde in Deutschlandsberg. "Wir schreiben die Stelle jetzt bereits zum dritten Mal aus", so Bgm. Josef Wallner und kritisiert: "Es ist für mich absolut unverständlich, dass ich sowohl im Gesundheitsministerium als auch bei der Gebietskrankenkasse und weiteren zuständigen Stellen auf so wenig Interesse zur Lösung des Problemes stoße. Genau jene, die am System etwas ändern könnten, bekriteln es zwar, tragen aber selbst nichts zu einer Veränderung bei."

Ordinationsübergabe in St. Martin

Dafür erfolgt in St. Martin im Sulmtal am 17. September nach einem Umbau die Ordinationsübergabe  an Dr. Herbert Loibner, Facharzt für Innere Medizin in St. Martin im Sulmtal. "Für den Umbau in der ehemaligen Bücherei haben wir 60.000 bis 70.000 Euro in die Hand genommen. Aber das ist es uns wert, damit Dr. Loibner bleibt und wir unseren Bürgerinnen und Bürgern eine umfassenden, ärztliche Versorgung bieten können", betont Bgm. Franz Silly. Die öffentliche Bücherei ist jetzt in das neue Gemeindeamt von St. Martin im Sulmtal übersiedelt, dessen Eröffnung am Sonntag, dem 26. November, gefeiert wird.
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.