02.06.2017, 00:30 Uhr

Stephan Pernkopf: "Es geht um neue Jobs"

Stephan Pernkopf im Interview mit Wolfgang Unterhuber (l.) und Ossi Hicker (r.): "Die Länder Niederösterreich und Burgenland decken heute schon weit über 100 Prozent ihres Stromverbrauchs mit erneuerbarer Energie ab." (Foto: Arnold Burghardt)

Passen profitorientierte Wirtschaft und Umweltschutz zusammen? Ja, sagt Stephan Pernkopf, der Präsident des Ökosozialen Forums, im Interview mit den Chefredakteuren Wolfgang Unterhuber und Ossi Hicker.

Was ist Nachhaltigkeit?
PERNKOPF: Ganz einfach: Reserven aufbauen und immer Reserven zur Verfügung haben.

Sind Umweltschutz und Wirtschaft vereinbar?
Ja. Das ist die Idee der ökosozialen Marktwirtschaft, die wir beim Ökosozialen Forum vertreten. Ökosozial ist, was die Umwelt schützt und die Wirtschaft stützt. Und der dritte Punkt, auf den oft vergessen wird, lautet: Ökosoziale Marktwirtschaft schafft Jobs.

Was heißt das in der Praxis?
Die Länder Niederösterreich und Burgenland decken heute schon weit über 100 Prozent ihres Stromverbrauchs aus erneuerbare Energie ab. Wir haben neulich östlich von Wien einen Windpark eröffnet, der sauberen Strom in 27.000 Haushalte bringt. All das bringt Jobs, fördert die Wirtschaft und sorgt für eine umweltschonende Stromversorgung.

Windparks sind aber auch oft umstritten.
Über die Raumordnung ist die Errichtung von Windparks mit Hilfe strengster Verfahren nur bei einem Prozent der Fläche möglich. Zudem kann jede Gemeinde eine Volksbefragung durchführen. Eines muss aber auch klar sein: Wir haben uns eindeutig gegen die Atomkraft entschieden. Ich lasse es also nicht zu, dass dann manche daherkommen und sagen, die Photovoltaik sei zu teuer, die Windkraft gefällt uns auch nicht und Biomasse wollen wir auch nicht.

Apropos Atom: Wie machtlos sind wir gegen den AKW-Ausbau in Tschechien?
Wir sind psychologisch sehr mächtig. Wir haben dem tschechischen Umweltminister im Herbst knapp 84.000 Unterschriften aus Österreich gegen den geplanten Ausbau des AKW Dukovany überreicht. Das dürfte den Ausbau verzögern. Jetzt wollen wir die tschechische Bevölkerung und die Bürgermeister vor Ort von der Gefährlichkeit der Atomkraft überzeugen. Viele machen schon mit. Aber die spüren dann Druck von oben.

Stephan Pernkopf
Stephan Pernkopf, Präsident des Ökosozialen Forums, im Interview. (Foto: Arnold Burghardt)

Zurück nach Österreich: Hier werden täglich 16 Hektar Grund und Boden verbaut. Ist das ökosozial?
Es geht nicht um den Verbrauch, sondern um die Bodennutzung. Wenn der Boden für einen neuen Betrieb genutzt wird, der Jobs schafft, der gleich neben einer Hauptverkehrsader errichtet wird und der Betrieb dann auch noch alle Facetten der Energieeffizienz berücksichtigt, dann ist das sinnvoll. Ich will aber nichts schönreden. Wir hatten lange eine schlechte Bodenbilanz. Jetzt gibt es eine Trendumkehr.

Ist die dritte Lande-Piste in Wien/Schwechat ökosozial?
Eine dritte Piste kann man für den Wirtschaftsstandort auf jeden Fall positiv sehen. Es geht bekanntlich um tausende neue Jobs. Die ökologischen Negativauswirkungen müssen aber durch Gegenmaßnahmen abgefedert werden. Der geplante Umweltfond für die Umlandgemeinden sieht das auch vor. Wenn alle ökologischen Maßnahmen umgesetzt werden, dann kann man die dritte Landepiste als ökosozial bezeichnen. Übrigens: Die Landepiste wird auch ohne uns gebaut. Ob in Bratislava oder in Prag, das CO2 macht dann sicher nicht an unserer Grenze halt.

Geht es Umweltschützern immer nur um die Umwelt?
Umweltschutz ist ein hohes Gut. Er darf aber nie zu einer schlechten Entwicklung führen. Radikale Tierschützer haben dafür gesorgt, dass in Österreich nur noch eine von drei Puten aus Österreich stammt. Die anderen kommen aus Ländern mit geringeren Umwelt- und Tierschutzstandards.

Eine Frage an Sie als ÖVP-Spitzenvertreter: Wie nachhaltig wird Sebastian Kurz auf das Wahlergebnis wirken?
Ich gebe keine Prognosen ab. Nur soviel: Der ehrliche Weg wird belohnt werden.

Wenn SPÖ und FPÖ eine Koalition eingehen - was dann?
Jetzt geht es einmal um Themen. Sebastian Kurz kann, obwohl er noch sehr jung ist, über große Leistungen in der Vergangenheit berichten. Da schauen manche Gegner alt aus.

Danke für das Gespräch!


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