Zu wenige Fachkräfte
Kritik an Betreuung psychisch Kranker in Justizanstalten
- Im Normalvollzug kommt eine Fachperson aus den Bereichen Psychologie und Psychiatrie auf etwa 100 Insassinnen und Insassen, im Maßnahmenvollzug liegt das Verhältnis bei rund 1:25. (Symbolbild)
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Die Betreuung psychisch erkrankter Menschen in österreichischen Justizanstalten steht zunehmend in der Kritik. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen sieht laut aktuellen Berichten deutliche Mängel und fordert rasche Verbesserungen bei Personal und Versorgung.
ÖSTERREICH. Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) drängt auf eine bessere Betreuung psychisch erkrankter Menschen in österreichischen Justizanstalten.
Anlass sind jüngste Medienberichte sowie ein kürzlich veröffentlichter Sonderprüfbericht der Volksanwaltschaft, die laut Verband "erhebliche Missstände" im Umgang mit Betroffenen aufgezeigt hätten. Gefordert werden unter anderem "umfangreichere fachliche Unterstützung" sowie "systematische Verbesserungen" im Strafvollzug.
Eine Fachkraft pro 100 bzw. 25 Häftlinge
Angaben des BÖP zufolge sind aktuell im österreichischen Straf- und Maßnahmenvollzug insgesamt 186 Fachkräfte aus den Bereichen Psychologie und Psychiatrie tätig. Im Normalvollzug kommt damit eine Fachperson auf etwa 100 Insassinnen und Insassen, im Maßnahmenvollzug liegt das Verhältnis bei rund 1:25.
- Psychische Erkrankungen treten in Haftanstalten deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Dazu hat auch die Volksanwaltschaft wiederholt darauf hingewiesen, dass die Zahl entsprechender Diagnosen im Strafvollzug seit Jahren steigt. (Symbolbild)
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Der Verband bezeichnet diese Situation als "dramatische Situation", die nicht nur die Sicherheit der Betroffenen selbst, sondern auch jene anderer Insassinnen und Insassen sowie des Personals betreffe. Eine rasche Verstärkung der psychiatrischen und klinisch-psychologischen Versorgung sei daher notwendig. Dies sei auch im Sinne der Menschenrechte sowie der Resozialisierungschancen der Betroffenen, heißt es in der Aussendung.
Zahl der Diagnosen steigt seit Jahren
Psychische Erkrankungen treten in Haftanstalten deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Auch die Volksanwaltschaft hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Zahl entsprechender Diagnosen im Strafvollzug seit Jahren steigt. Neben schweren psychischen Erkrankungen würden auch Suchterkrankungen, Depressionen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen zunehmen. Beobachter sehen zudem einen Zusammenhang mit einer steigenden Zahl von Suizidversuchen innerhalb der Justizanstalten.
Vor diesem Hintergrund spricht sich der BÖP für einen Ausbau psychiatrischer Angebote im Strafvollzug aus. Ziel sei eine flächendeckende Versorgung in allen Einrichtungen sowie eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels und zusätzlicher Unterstützungsangebote für belastete Insassinnen und Insassen.
"Wir begrüßen die Bemühungen des Justizministeriums und der Fachkräfte in den Justizanstalten und möchten als Psychologinnen und Psychologen dazu beitragen, gemeinsam nachhaltige Lösungen zu finden", erklärte BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger. Klar sei, dass psychische Erkrankungen behandelt werden müssen - "unabhängig von den Lebensumständen der Betroffenen", betonte Wimmer-Puchinger.
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