Neuer Klima-Bericht
"Wintertourismus großer Verlierer der Klimakrise"

Bei einer Pressekonferenz mit Klimaschutzministerin Gewessler wurde der neue Bericht des APCC zu Tourismus und Klimawandel präsentiert.
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Am Montag wurde der neue Special Report des Austrian Panel on Climate Chance (APCC) vorgelegt. Es geht darin um die Folgen der Klimakrise für die österreichische Tourismuswirtschaft. Vor allem der Wintertourismus ist aufgrund mangelnder Schneesicherheit massiv beeinträchtigt, während der Sommertourismus eine längere Saison erwartet.

ÖSTERREICH. Im Angesicht der verheerenden Unwetter in Deutschland und Österreich von Chancen durch die Klimakrise zu sprechen, wirkt beinahe zynisch. Trotzdem: Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) präsentierte den neuen Bericht der Experten als „Gamechanger“ im Tourismus und nicht als Warnung vor den wirtschaftlichen, gesundheitlichen und humanitären Folgen der Klimakrise.

„Wintertourismus als großer Verlierer“

„Der Wintertourismus wird der große Verlierer sein, aber der längere Sommer bietet auch Chancen“, so Ingmar Höbarth, Geschäftsführer von Klima- und Energiefonds. Der Wintertourismus ist tatsächlich am stärksten von der Klimakrise betroffen, denn Gäste wählen ihre Destination auf Basis der Schneeverhältnisse aus. Nachfragesimulationen bis 2050 zeigen einen Nachfrageverlust von bis zu 50 Prozent am Alpenrand. Besonders Gebiete im Mittelgebirge werden große Verluste zu verzeichnen haben. Experten rechnen mit einer Abnahme von Schneedecke- und höhe im Ausmaß von zehn bis 40 Prozent Prozent- und das bei drastischen globalen Klimaschutzmaßnahmen. Geht es so weiter wie bisher ist sogar mit minus 50 bis 90 Prozent zu rechnen.

Skigebiete können nur begrenzt durch Kunstschnee betrieben werden. Ohne Klimaschutz werden viele bald vor dem Bankrott stehen.
  • Skigebiete können nur begrenzt durch Kunstschnee betrieben werden. Ohne Klimaschutz werden viele bald vor dem Bankrott stehen.
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Sommer: erhöhte Risiken für Outdoor-Aktivitäten

Die 39 Wissenschaftler, die den Bericht innerhalb von zwei Jahren erstellten, zeichnen ein ambivalentes Bild für den Sommer. Durch eine voraussichtlich längere Sommersaison für Aktivitäten wie Wandern, Baden oder Radfahren besteht im Frühling und Herbst verstärktes Potenzial für zusätzliche Nächtigungen und Besucherzahlen. Gleichzeitig verändert die Klimakrise aber nicht nur die Außentemperatur, sondern auch die Rahmenbedingungen für Aktivitäten in freier Natur.

Eine längere Sommersaison wird als Chance durch die Klimakrise bezeichnet.
  • Eine längere Sommersaison wird als Chance durch die Klimakrise bezeichnet.
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Wissenschaftler rechnen mit einer stärkeren Verbreitung von Zecken, Mücken und Schädlingen. Außerdem erhöht der Verlust des Permafrosts das Steinschlagrisiko. Das wirkt sich vor allem auf die Sicherheit bei Sportarten wie Klettern oder Hochtouren aus. Auch Wassersportarten sind gefährdet. Niedrigere Wasserstände stellen diese vor große Herausforderungen. Genauso werden aber auch Unwetter wie jene Überschwemmungen der vergangenen Woche durch die Klimakrise häufiger und intensiver. Diese sind nicht zuletzt für den Tourismus eine Gefahr.

Durch das Schmelzen von Permafrost trägt die Klimakrise auch zum Steinschlagrisiko bei.
  • Durch das Schmelzen von Permafrost trägt die Klimakrise auch zum Steinschlagrisiko bei.
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Größter Hebel: Mobilität

Global stammen rund die Hälfte der vom Tourismus verursachten Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr. „Mobilität bietet auch im Tourismus das größte Einsparungspotenzial an CO2“, so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler, denn: „An und Abreise ist Klimasünder Nummer eins“.
Drei Viertel aller Österreich-Urlauber benutzen den PKW zur An- und Abreise. Es verwenden sogar mehr Urlauber das Flugzeug als die Bahn: Rund zehn Prozent fliegen und circa acht Prozent fahren mit dem Zug.

Die meisten Österreich-Urlauber sind mit dem Auto unterwegs. Gerade deswegen soll im Klimaschutz vor allem bei der Mobilität angesetzt werden.
  • Die meisten Österreich-Urlauber sind mit dem Auto unterwegs. Gerade deswegen soll im Klimaschutz vor allem bei der Mobilität angesetzt werden.
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Somit ist Tourismus nicht nur Betroffener der Klimakrise, sondern auch Verursacher. Deswegen fordern die Experten vor allem eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrsangebots. Sie plädieren außerdem für konkrete rechtliche Rahmenbedingungen, sowie Klimaschutz und -anpassung auf regionaler, betrieblicher und nationaler Ebene.

Bei einer Pressekonferenz mit Klimaschutzministerin Gewessler wurde der neue Bericht des APCC zu Tourismus und Klimawandel präsentiert.
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Klima- und Energiemodellregionen sollen gefördert werden

Im Angesicht der Folgen für den Tourismus will Österreich nun besonders die Klima- und Energiemodellregionen fördern. Diese sind Regionen, die bereits durch Klimaschutz eine fossilfreie Zukunft unterstützen und begleiten. Zwei Aushängeschilder werden dabei genannt. Einerseits die Region Nassfeld-Pressegger See/Weissensee/Lesachtalm, die als erste österreichische Region den internationalen Zertifizierungsprozess des Global Sustainable Tourism Council abgeschlossen hat und andererseits die Region Zell am See - Kaprun, die besonders im Bereich Mobilität vorlegt. Besucher sollen dort ohne PKW einen komfortablen Urlaub genießen können. 

Zum ganzen Bericht.

Zum Thema:

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