02.07.2017, 18:25 Uhr

Schiedsrichter im Fokus: Deutschlandsberger Charme erobert Männerdomäne

Lena Hirtl kämpfte sich als Schiedsrichterin in einer Männerwelt schon bis zur Oberliga durch, dort soll aber nicht Schluss sein: Die Deutschlandsbergerin träumt von einer FIFA-Karriere. (Foto: Franz Krainer)

Sie werden oft übersehen und bekommt nur dann Aufmerksamkeit, wenn sie etwas falsch machen: die Schiedsrichter, die unterschätztesten Akteure im Fußball. Die WOCHE Deutschlandsberg stellt in der Sommerpause vier Referees und ihre verkannten Talente vor. Den Anfang macht mit Lena Hirtl aus Deutschlandsberg eine junge Schiedsrichterin.

Lena Hirtl ist 20 Jahre alt, aber steuert bereits eine internationale Schiedsrichterkarriere an. Die ersten Schritte hat die Maturantin mit Bravour gemeistert, sie ist als Spielleiterin bereits für die Oberliga qualifiziert. Doch die Deutschlandsbergerin kommt aus einem fußballverrückten Haus, Ehrgeiz ist ihr praktisch angeboren. Ihre persönlichen Ziele gehen weit über ihre bereits erreichten Erfolge hinaus. „Mein Traum ist eine Karriere als FIFA-Assistentin und einen von zwei Österreich zustehenden Plätzen zu erreichen", meint Hirtl. Die Steirerin Julia Baier pfeift wie sie bereits in der Frauen-Bundesliga. Von der FIFA-Schiedsrichterin holt sich Hirtl jenes Know-How, das notwendig ist, um derart hohen Ansprüchen gerecht zu werden.

Unterstützung durch Männer

Fußball und vor allem das Schiedsrichterwesen ist weiterhin männerdominiert. Sich in dieser Welt als Frau durchzusetzen stellt man sich ja sicher nicht leicht vor? Hirtl lächelt, zögert aber nicht eine Sekunde mit der Antwort: „Die Kollegen sind keinesfalls ein Problem, im Gegenteil: Erfahrene Schiedsrichter helfen, wo sie können, die Beurteilung (meistens durch Männer) ist absolut objektiv und vom gesamten Schiedsrichterteam bekomme ich wichtiges Feedback.“ Auch im Umgang mit Sexismus, Beschimpfungen und untergriffigen Zuschauerreaktionen weiß sich die Powerfrau zu wehren. „Grundsätzlich überhöre ich diese Sachen, wenn es aber zu viel wird, lasse ich besonders ausfällige Leute da und dort vom Ordnerdienst entfernen", erzählt sie von einer drastischen Maßnahme. "Doch das kommt höchst selten vor.“

Ein Fan von Frauenfußball

Hirtl spielte einst selbst Fußball in Deutschlandsberg. Ihre enorme Fitness holt sie sich beim Tanzen, Skifahren, Laufen oder in der Leichtathletik. Im Frauenfußball sieht sich die selbstbewusste Schiedsrichterin „eher unterfordert“, ist aber eine vehemente Verfechterin des Sports. „Selbstverständlich hat der Frauenfußball genauso seine Berechtigung, in 80 Prozent der Kinder- und Jugendmannschaften sind Mädchen dabei. Das einzige Problem für die Entwicklung der Frauen ist das Ausbildungsloch zwischen zwölf und 14 Jahren. "Das sollte dringend geschlossen werden." Hirtl sieht keinen Unterschied im Respekt der Spieler vor einer Frau, gewisse Vorurteile bemerkt sie eher im Nachwuchsbereich.

Fehlpfiffe werden respektiert

Vor allem übermotivierte Eltern fallen ihr öfters auf, was sie allerdings mit guten Schiedsrichterleistungen kompensieren will. „Jeder Mensch macht Fehler, ich stehe dazu und Spieler wie Funktionäre respektieren das. Zu viele Fehlpfiffe sollten es halt nicht sein", sagt die 20-Jährige, nicht, ohne dabei schelmisch zu grinsen. Doch die Ausbildung der steirischen Schiedsrichter ist sehr gut und spiegelt sich auch in den seltenen Fehlpfiffen Hirtls wieder, sonst hätte sie nicht innerhalb von nur drei Jahren die Unterligareife erreicht. Jungen Menschen kann Hirtl nur raten, sich für das Schiedsrichterwesen zu entscheiden. "Man kann persönlich Kraft aus einem unglaublich kollegialen Team schöpfen und eine unbezahlbare Persönlichkeitsentwicklung erleben!“

von Franz Krainer
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