Ein Ticket für jedes Kind – "Gefragte Frauen" mit Anna Maria Steiner von der Caritas Steiermark

Brückenbauerin: Anna Maria Steiner ermöglicht Kindern ein warmes Essen, Betreuung beim Lernen und ein offenes Ohr. Neben Südosteuropa bereist die Hobby-Sängerin und -Cellistin gerne den Nahen Osten.
  • Brückenbauerin: Anna Maria Steiner ermöglicht Kindern ein warmes Essen, Betreuung beim Lernen und ein offenes Ohr. Neben Südosteuropa bereist die Hobby-Sängerin und -Cellistin gerne den Nahen Osten.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Kindern in Osteuropa eine Zukunft schenken: Unter diesem Motto ruft die Caritas Steiermark zu Spenden für Kinder aus den ärmsten Ländern Europas auf. Anna Maria Steiner ist Länderreferentin der Caritas Auslandhilfe für Bulgarien, Rumänien und die Slowakei und sprach mit uns über Armut in unmittelbarer Nähe zu Österreich, welche Voraussetzungen Kinder für eine gute Zukunft brauchen und wie wertvoll jede Spende ist.

WOCHE: Sie realisieren Projekte wie Kindertagesstätten, Lerncafés oder Bildungseinrichtungen in Bulgarien, Rumänien und der Slowakei. Seit wann gibt es dieses Engagement der Caritas?

Anna Maria Steiner: Wir sind seit den 90er Jahren in diesen Ländern tätig, um Kindern Perspektiven zu geben und eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Ich selbst konnte meine Ausbildung dank Beihilfen absolvieren und weiß, wie wichtig es ist, Kindern aus sozial schwachen Familien unter die Arme zu greifen. Ich sah Bildung immer als mein Ticket für ein gutes und selbstbestimmtes Leben und ich bin der Meinung, dass jedes Kind so ein Ticket verdient.

Wie entstehen Caritas-Projekte in den genannten Ländern?
Wir arbeiten sehr eng mit Projektpartnern aus dem Caritas-Netzwerk vor Ort zusammen. Auf die können wir uns verlassen und wissen, dass sie die Projekte gut umsetzen. Wir werden vorwiegend in strukturschwachen Gegenden tätig und setzen auf Ernährungssicherung und Bildung.

Wie sieht dies konkret aus?
Bei den Kindertagesstätten oder Nachmittagsbetreuungseinrichtungen schauen wir etwa, dass es ein warmes Mittagessen gibt. Denn viele Familien haben in ihren Häusern weder Heizung, Strom noch fließendes Wasser, daher ist eine warme Mahlzeit keine Selbstverständlichkeit. Bei der Minderheit der Roma hat nur jedes zweite Kind einen Volksschulabschluss und keine Ausbildung. Das führt dazu, dass man keine Arbeit findet und damit beginnt die Armutsspirale, die wir unterbrechen wollen. Wir beziehen dabei auch immer die Eltern mit ein. Mit einer Spende von 35 Euro bekommt ein Kind einen Monat lang täglich eine warme Mahlzeit.

Manche fragen sich wie das möglich ist, wo doch die Länder Mitglieder der EU sind ...
Bulgarien, Rumänien und die Slowakei sind zwar in der EU, aber Bulgarien ist der ärmste Mitgliedsstaat. Das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt beträgt dort 436 Euro, pro Kind bekommt man eine Beihilfe in Höhe von 17 Euro, wobei der Liter Milch oder Benzin fast gleich viel wie bei uns kosten. Daher ist jede Hilfe nötig und willkommen.

Wie vielen Kindern konnte die Caritas so bereits helfen?
Ich bin seit Herbst 2015 für die Projekte zuständig und seit dem Zeitpunkt haben wir etwa 80.000 Essen ausgeteilt. Allein in Bulgarien unterstützen wir 400 begünstigte Kinder und Familien und betreiben vier Kindertagesstätten. In Rumänien sind es drei Kindertagesstätten und ein Waisenhaus und in der Slowakei eine Kindertagesstätte mit Schwerpunkt auf Vorschulförderung der Kinder. In Bulgarien arbeiten wir weiters mit anderen Organisationen an einem Integrationsprojekt für Flüchtlinge. Aktuell bauen wir auch eine Betreuungseinrichtung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen auf.

Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit für die Ärmsten?
Alle Menschen sollen eine Chance bekommen, das Beste aus ihrem Leben machen zu können und wenn ich sehe, wie herzlich und bescheiden die Menschen dort sind, motiviert mich das umso mehr, ihnen auf diesem Weg zu helfen. Daher sind auch Erfolgsgeschichten, die wir zum Glück erleben dürfen, wichtig. So sehen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass unsere Arbeit Sinn macht. Wenn man die Fortschritte der Kinder sieht, ist man emotional überwältigt und es kommen einem die Tränen. Wegen der Gastfreundschaft, dem Kinderlachen und den Chancen, die unsere Projekte bieten liebe ich meine Arbeit Tag für Tag. ^Martina Maros

Informationen zur Aktion "Kinder in Not 2018" gibt es auf www.caritas-steiermark.at

WOCHE-WORDRAP


Kinder sind ... einfach großartig.
Mein Job ist ... der beste, den ich mir vorstellen kann.
Meine Romanheldin aus der Kindheit ist ... Pippi Langstrumpf.

STECKBRIEF

Geboren am 2. April 1976 in Lienz
Lehramtsstudium Theologie und Germanistik
Promotion in Theologie
Jahrelange Berufserfahrung etwa in der Katholischen Hochschulgemeinde, Welthaus der Diözese, Universität Graz, Lehrerin an Gymnasien, seit 2015: Caritas

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