Graz und seine Landwirte:
"Ich fühle mich wie ein Indianer"

Grazer "Stadtbauer": Martin Kleindl (r.) führt den Gemüseanbaubetrieb seiner Vorfahren in Graz Liebenau. Ein der Teil der Produkte wird regelmäßig am Markt am Lendplatz verkauft, in Teamarbeit mit seiner Mutter (r.).
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  • Grazer "Stadtbauer": Martin Kleindl (r.) führt den Gemüseanbaubetrieb seiner Vorfahren in Graz Liebenau. Ein der Teil der Produkte wird regelmäßig am Markt am Lendplatz verkauft, in Teamarbeit mit seiner Mutter (r.).
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Breite Radspuren mitten durch den Jungwald, zugeparkte Rangierflächen für landwirtschaftliche Maschinen, Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner auf Feld und Acker Gassi führen – all das gehört mehr oder weniger zu Routine für Grazer Landwirte. Zwei davon, nämlich der Pferdewirt Karl Obenaus und der Gemüsebauer Martin Kleindl, haben im Gespräch mit der WOCHE geschildert, wie das Zusammenleben dort, wo Stadt und Land aufeinanderprallen, funktioniert. "Im Großen und Ganzen sind die Menschen schon viel disziplinierter als früher und zeigen auch mehr Verständnis für unsere Arbeit", stellen die beiden unisono klar. Es gehe, wie in vielen Bereichen des Lebens, schlicht "um gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt", wie Karl Obenaus, der Grazer Obmann der steirischen Bauernbunds hervor streicht. Ein Beispiel sind die Hundebesitzer: "Mehr als 80 Prozent denken mit und räumen den Kot ihrer Hund weg, aber es wäre halt schön, wenn das die restlichen 20 Prozent auch zusammenbekommen würden." In seiner täglichen Arbeit am und um den Pferdehof in Graz Andritz sind es besonders parkende Autos von Freizeitsportlern, die Probleme bereiten. Mit Traktor oder Kutsche daneben zu rangieren, sei oftmals schwierig. 

Echter Grazer Stadtbauer

Martin Kleindl betreibt mit seiner Familie einen Gemüseanbau in Graz Liebenau. Er darf sich mit Fug und Recht "Stadtbauer" nennen, wird der Betrieb schließlich seit Jahrhunderten unter diesem vulgo geführt. Sprich, seine Vorfahren haben hier schon Gemüse gepflanzt, als die Tore der Stadt noch weit entfernt lagen. Eine Tradition, die auch Bürgermeister Siegfried Nagl zu schätzen weiß:  "Über 360 landwirtschaftliche Betriebe machen unsere Stadt zur größten Bauerngemeinde der Steiermark." Ws einerseits ein Trumpf ist, birgt auch Konfliktpotenzial, wie der "Stadtbauer berichtet: "Die Stadt wächst, besonders bei uns hier im Süden, und die Menschen nehmen nun zusehends unseren Arbeitsraum für die Freizeit in Anspruch. Was ich mir einfach erwarte, ist, dass wenn jemand auf meinem Feld unterwegs ist, ich wenigstens gegrüßt werde." Teilweise fühle man sich als Landwirt aber wie "ein Indianer, der ins Reservat abgedrängt wird."

Bürgermeister Siegfried Nagl freut sich über 350 Landwirtschaftsbetriebe, die Graz zur größten steirischen Bauerngemeinde machen.
  • Bürgermeister Siegfried Nagl freut sich über 350 Landwirtschaftsbetriebe, die Graz zur größten steirischen Bauerngemeinde machen.
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"Der Bauer bin ich"

Unvergessen ist für Kleindl ein Zwischenfall auf seinem Zwiebelacker, wo ein Unbekannter gerade dabei bei, emsig Zwiebel zu sammeln. Auf die Frage, was er da mache, antwortete dieser: "Ich nehme mir ein paar Zwiebel mit, der Bauer hat es mir erlaubt." Was Kleindl kurzerhand widerlegte: "Das glaube ich nicht, der Bauer bin nämlich ich."
Solche Fälle seien aber eindeutig die Ausnahme. Generell klappe das Zusammenleben zwischen Städtern und Landwirten klaglos. "Besonders unsere Nachbarn sind viel verständnisvoller, weil sie froh sind, wenn nicht alles rund um sie zugebaut wird." Und auch die Landwirte verspüren den Trend in Richtung regionale Lebensmittel, den wir gerade durchleben. "Die Menschen wissen wieder mehr zu schätzen, wenn das Gemüse, das sie essen, auch wirklich aus unserer Gegend kommt."

Förder-Infos für Landwirte

Die Stadt Graz unterstützt landwirtschaftliche Betriebe mit sechs verschiedenen Förderungen, z.B. für Landmaschinen oder Freilandflächen. Alle Grazer Landwirte können für eine Förderung ansuchen. Infos: wirtschaft.graz.at/landwirtschaft


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