Rathaus-Rhythmen
Eine musikalische Zeitreise durch Grazer Bürgermeister-Wahlen
- DARA und "Bangaranga" führen aktuell die Charts in Österreich an, Elke Kahr die Stadt Graz. Schauen wir einmal, wer länger an der Spitze bleibt.
- Foto: Alma Bengtson/EBU
- hochgeladen von Barbara Schuster
Ein Blick in die Hitparaden: Wer war die musikalische Nummer 1, wenn in Graz Gemeinderatswahlen angestanden sind? Eine musikalisch-politische Zeireise.
GRAZ. Neben der SPÖ und der ÖVP gibt nur eine einzige Partei , die nach dem II. Weltkrieg bei allen Grazer Gemeinderatswahlen angetreten ist? Richtig, die KPÖ, Kommunismus war in der Murmetropole also schon immer modern. Übrigens: Johann Janeschitz hieß der Kahrsche Vorläufer bei der Wahl am 25. November 1945. Und das ist auch der Ausgangspunkt der heutigen „Sentimental Journey“ (Doris Day, Nummer-1-Hit 1945), die sich der Wahl von der musikalischen Seite nähert.
Etwa zum Wahltag am 31. März 1963: „Junge, komm bald wieder“ trällerte damals Freddy Quinn. Eher gekommen, um zu bleiben, war damals der SPÖ-Bürgermeister Gustav Scherbaum. Immerhin schaffte er 46,5 Prozent der Stimmen – eine Zahl, die die Grazer SPÖ nur noch vom Hörensagen kennt. Übrigens: Fünf Jahre später holte er sich mit 52,2 Prozent die Absolute.
Von da an ging’s in kleinen Schritten bergab mit den Sozialdemokraten – mit unvorhersehbaren Auswirkungen: Während am 25. Februar 1973 Vicky Leandros „Ich hab die Liebe gesehen“ trällerte, hat Graz nach dem Wahlsonntag auf einmal blau gesehen: Mit 16,9 Prozent der Stimmen und tatkräftiger Unterstützung der ÖVP hievte sich der FPÖ-Politiker Alexander Götz auf den Bürgermeister-Sessel. Und den gab er bis 1983 nicht mehr her.
Der politische Sonderzug
Was mit dem 23. Jänner 1983 folgte, ging als „Hasibingl“-Ära in die Geschichte ein. Während Udo Lindenberg in den „Sonderzug nach Pankow“ stieg und Nena mit „99 Luftballons“ in die Vollen ging, machte Graz halbe Sachen: Zweieinhalb Jahre durfte Franz Hasiba (ÖVP) Stadtchef sein, zweieinhalb Jahre dann ein gewisser Alfred Stingl (SPÖ).
- In Graz regierte Franz Hasiba (ÖVP), in den Charts Udo Lindenberg.
- Foto: Privat
- hochgeladen von Astrid Siebert
Der Mann mit der schicken Hornbrille war allerdings kein Fan von Kurzzeitlösungen. Zu den Klängen des Nummer-1-Hits der EAV („Küss die Hand, schöne Frau“) gewann er die Wahl am 24. Jänner 1988 – und blieb bis ins Jahr 2003. Das war das Jahr von Beyoncé („Crazy in Love“). Und von Siegfried Nagl, damals der Hit der ÖVP – der danach selbst zum Evergreen wurde.
- Die EAV begleitete die Ära von Langzeit-Bürgermeister Alfred Stingl ein.
- Foto: Hafen Open Air
- hochgeladen von Alexandra Laubner
Bis zu jenem berühmten 26. September 2021, als auf Graz Hammer und Sichel niedersausten. RAF Camora führte an diesem Tag die Charts an – und Elke Kahr urplötzlich die steirische Landeshauptstadt.
Übrigens: Aktuell ist „Bangaranga“ die Nummer 1. Das Wort steht für Chaos und Rebellion. Schauen wir einmal …
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