"Müssen jetzt schon Kinder abweisen"
Grazer Schuldirektoren schlagen Alarm nach Baustopp
- Luden am Freitag zum Pressetermin: Markus Hiebaum (Direktor MS Dr. Renner), Thomas Papst (Direktor MS Albert Schweitzer), Barbara Gmeiner (Direktorin VS Bertha von Suttner), Stephan Adam (Direktor Mittelschule Graz-Straßgang)
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Die Stadt Graz legt mehrere Schulbauprojekte vorerst auf Eis – und sorgt damit für große Verunsicherung an den betroffenen Standorten. Bei einem Pressetermin am Freitag in der Mittelschule Dr. Renner schilderten vier der fünf betroffenen Schuldirektorinnen und -direktoren eindringlich die Folgen für den Schulalltag. Die Politik versucht zu beruhigen: Es handle sich um eine „Verschiebung“, kein Aus der Projekte.
GRAZ. Die Bauzäune am Gelände der Mittelschule Dr. Renner in Liebenau stehen bereits. Wo in Kürze mit einer Aufstockung von sechs auf 16 Mittelschulklassen die größte Mittelschule von Graz hätte entstehen sollen, herrscht nun aber Ungewissheit. Denn der Ausbau an der MS Dr. Renner wird genauso wie vier weitere geplante Schulausbau-Projekte vorerst auf Eis gelegt – das teilte Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) am Mittwoch in einer Pressemitteilung mit.
- Die Bauzäune am Gelände der MS Dr. Renner stehen bereits.
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Auch erst am Mittwochnachmittag hat die Nachricht die betroffenen Schulstandorte erreicht, berichtet Direktor Markus Hiebaum: „Wir haben die Information aus den Medien erfahren, nicht von der Stadt.“ Bis jetzt habe es noch keinen Austausch mit der Stadtregierung gegeben, kritisiert der Schuldirektor. Dabei sei das Projekt längst weit fortgeschritten: Architekturwettbewerb, Gutachten und eine Bauverhandlung mit Anrainerinnen und Anrainern erst vergangene Woche. „Monatelange Planungsarbeit – und jetzt stehen wir da.“
„Ist das keine Pflichtaufgabe?“
Als Begründung für die plötzliche Bremse nannte Finanzstadtrat Eber am Mittwoch die angespannte Budgetlage und unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Investitionen sollen vorerst nur dort passieren, "wo es notwendig ist und wo Verpflichtungen bestehen", so Eber. Dabei sei der Ausbau an der MS Dr. Renner, genauso wie an den anderen betroffenen Schulen MS Straßgang, VS Algersdorf, VS Bertha von Suttner und MS Albert Schweitzer, eine dringende Notwendigkeit, betonen die Schuldirektorinnen und -direktoren.
- An der Dr. Renner Mittelschule hätte ein Neubau entstehen sollen, mit dem eine Aufstockung von sechs auf 16 Mittelschulklassen geplant war.
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Hiebaum musste bei der letzten Anmeldephase im Februar rund 30 Kinder wegen des Platzmangels abweisen, darunter auch fünf mit besonderen Bedürfnissen. „Das sind Kinder aus der unmittelbaren Umgebung. Wir sind eine Pflichtschule – ist das keine Pflichtaufgabe?", gibt der Direktor zu denken. Ähnlich schildert es Stephan Adam, Direktor der Mittelschule Straßgang. Dort kämpft man seit Jahren mit Platzproblemen: „Wir können keine Kleingruppen mehr anbieten, gerade für Kinder mit besonderen Bedürfnissen ist das ein großes Problem.“ Auch hier mussten im Februar Schülerinnen und Schüler abgewiesen werden.
Fehlende Planungssicherheit
Für Thomas Papst, Direktor der Mittelschule Albert Schweitzer, geht es um mehr als Infrastruktur. Seine Schule im Bezirk Gries betreut viele Kinder mit schwierigen Startbedingungen. „Viele unserer Schülerinnen und Schüler haben keine guten Startvoraussetzungen – und jetzt wird wieder auf sie vergessen.“ Der geplante gemeinsame Neubau mit der Volksschule Bertha von Suttner hätte Entlastung gebracht. „Wir hätten zwei Jahre in Containern unterrichtet. Das ist organisatorisch und pädagogisch eine enorme Herausforderung.“ Dass diese Planung nun möglicherweise umsonst war, sorgt für Frust bei Papst. Die Volksschule Bertha von Suttner hätte bereits mit Beginn der Sommerferien abgerissen werden sollen, "jetzt weiß ich nicht, wie wir weitermachen sollen", kritisiert Direktorin Barbara Gmeiner die mangelnde Planungssicherheit.
- Stadtrat Manfred Eber kündigte am Mittwoch ein vorzeitiges Aus für Bauvorhaben an fünf Schulen an.
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Stadt: „Keine Absage, sondern Verschiebung“
Finanzstadtrat Eber weist die Kritik nicht zurück, betont in einer Pressemitteilung am Freitag jedoch: „Kein einziges Schulbauprojekt wurde abgesagt.“ Vielmehr handle es sich um zeitliche Verschiebungen. Ziel sei es, im Herbst – bei stabileren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – fundierte Beschlüsse zu fassen. „Die Notwendigkeit der Schulprojekte ist unbestritten – es ist jetzt jedoch nicht der richtige Zeitpunkt“, so Eber. Für die VS Berta von Suttner und die MS Albert Schweitzer sei er zuversichtlich, dass im Herbst entsprechende Beschlüsse gefasst werden können.
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