10.08.2018, 12:50 Uhr

Ärztemangel: Masterplan für mehr Allgemeinmediziner

Die Vertreter der Allgemeinmediziner in Österreich wünschen sich Veränderungen. (Foto: ÖGAM)

In zehn Jahren gehen 60 Prozent der Hausärzte in Österreich in Pension. Ärztevertreter pochen auf Maßnahmen bei der Ausbildung und Ordinationsgründung.

Nur zwei Prozent der Medizinstudenten können sich vorstellen den Beruf des Allgemeinmediziners zu ergreifen, bei den Turnusärzten sind es immerhin 16 Prozent, wie eine Studie der MedUni Graz ergab. Ganze 41 Prozent der Universitätsabsolventen wandern sogar ins Ausland ab.

Nahversorgung in Gefahr

Die medizinische Nahversorgung könnte, insbesondere in ländlichen Regionen, folglich zu einem großen Problem werden, wenn nicht bald die Weichen neu gestellt werden. Zwei der wichtigsten Maßnahmen sind in diesem Zusammenhang Reformen in der Ausbildung und die Attraktivierung des Hausarztberufes für angehende Mediziner.

Rahmenbedingungen verbessern

In einem Schulterschluss haben die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), die Junge Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ), die Bundessektion Allgemeinmedizin der Österreichischen Ärztekammer und die universitäre Allgemeinmedizin kürzlich ein Gesamtkonzept mit einem umfangreichen Paket an Maßnahmen für das Fach der Allgemeinmedizin erstellt. „Die Ursachen, warum Jungmediziner nicht mehr Hausärzte werden wollen sind vielfältig. Der Beruf ist zwar extrem attraktiv, die Rahmenbedingungen, um ihn ausführen zu können, jedoch nicht“, schildert der Jungarzt und Obmann der JAMÖ, Sebastian Huter.

Praxiserfahrungen während Studium

Optimierungsbedarf sehen alle Experten in der Ausbildung der Mediziner. 86 Prozent der Medizinstudenten wollen einen stärkeren Fokus auf Allgemeinmedizin im Studium, aber nur 15 Prozent fühlen sich auf den Hausarztberuf ausreichend gut vorbereitet. Künftig sollen deshalb Studierende schon während des Studiums mehrmals die Möglichkeit haben positive praktische Lernerfahrungen bei Allgemeinmedizinern zu sammeln.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Zwei weitere zentrale Forderungen sind zum einen die flächendeckende Etablierung von allgemeinmedizinischen Instituten an den Universitäten und zum anderen die Zuerkennung des Facharztstatus für Allgemeinmedizin. Der Jungmediziner Huter wünscht sich auch, dass flexiblere Formen der ärztlichen Zusammenarbeit ermöglicht werden, wie etwa das Jobsharing, bei dem sich etwa zwei Ärzte eine Kassenstelle teilen. Auch die Möglichkeit, dass ein Arzt einen anderen Arzt anstellt, ist ein weiterer Baustein, um den Balanceakt zwischen Arbeit, Familie und Freizeit zu schaffen.

Ordinationsgründung fördern

Ausbaufähig sind zudem das Beratungsangebot rund um die Ordinationsgründung, sowie die Möglichkeiten der finanziellen Förderung. Eine Modernisierung des Leistungskatalogs der praktischen Ärzte wird im Maßnahmenpaket ebenfalls angeführt. Ärzte können von ihrer Ausbildung her nämlich mehr leisten, als sie bisher (mit den Krankenkassen verrechnen) dürfen.

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