Projekt für schnelle Hilfe
Hälfte der Jugend leidet an psychischen Folgeschäden der Krise

Bringen gemeinsam die schnelle Hilfe auf Schiene: AK-Präsident Josef Pesserl (r.) mit  Petra Ruprechter-Grofe, Leiterin der Landesgruppe Steiermark des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen und Josef Zollneritsch, Leiter der Abteilung Schulpsychologie und Schulärztlicher Dienst in der Bildungsdirektion.
  • Bringen gemeinsam die schnelle Hilfe auf Schiene: AK-Präsident Josef Pesserl (r.) mit Petra Ruprechter-Grofe, Leiterin der Landesgruppe Steiermark des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen und Josef Zollneritsch, Leiter der Abteilung Schulpsychologie und Schulärztlicher Dienst in der Bildungsdirektion.
  • Foto: AK Stmk./Temmel
  • hochgeladen von Andrea Sittinger

Vereinsamung, Gereiztheit, Depression bis hin zu Suizidversuchen und Suiziden – das ist die drastische Realität, mit der Josef Zollneritsch seit mehr als einem Jahr in gesteigertem Ausmaß konfrontiert ist. Er leitet die Abteilung Schulpsychologie innerhalb der Bildungsgdirektion Steiermark und kennt damit die Sorgen, Nöte und Problemen von Schülern, Eltern aber ebenso Lehrpersonen in der Krise. "Rund 30 Prozent der steirischen Jugendlichen und Kinder sind bereits psychisch belastet in die Krise hineingegangen", schildert der Psychologe. Diese Probleme haben sich durch "die durchgehende Selbstorganisation sowie besonders in der Oberstufe durch das völlige Fehlen sozialer Kontakte außerhalb der eigenen Familie noch verstärkt". Genau diese Schaffung eines gesellschaftlichen Gefüges abseits von Eltern und Geschwistern sei für Heranwachsende so wichtig. Die Auswirkungen sind bereits spürbar und werden es auch noch lange sein.

Schnell und niederschwellig

Genau hier soll nun ein heute präsentiertes Projekt für einen niederschwelligen Zugang zu psychologischer Unterstützung ansetzen. „Psychologische Behandlung wird nach wie vor von den Gesundheitskassen nicht unterstützt. Der Bedarf ist riesig. Mit dem Projekt 'Help4You' können wir mindestens 30 Behandlungsplätze mit je zehn Stunden finanziell unterstützen", erklärt Josef Zollneritsch. Finanziert wird die Sofortmaßnahme "Help4You" vom Unterstützungsverein der Schulpsychologie Steiermark, der AK Steiermark und dem Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen. Das Ziel ist die Erweiterung der psychologischen Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche im schulnahen Umfeld zu einem leistbaren Tarif (40 Euro für eine 50-minütige Beratungseinheit). Es werden ausschließlich qualifizierte Klinische Psychologinnen und Psychologen mit Berufserfahrung bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

Schulpsychologen fehlen an allen Enden

Über dieses Angebot informiert werden sollen Betroffene und Interessierte durch das Fachpersonal in den Schulen – so ergeht die Information über dieses Angebot an alle steirischen schulpsychologischen Schnittstellen in der Steiermark. Die Schulpsychologen vor Ort hätten die beste Kenntnis über die einzelnen Fälle am besten und würden wissen, wer für dieses Service in Frage kommt. "Allerdings", so Zollneritsch, "wollen viele Eltern leider noch immer keine psychologische Unterstützung für ihre Kinder in Anspruch nehmen, weil es als großes Tabu gilt."
Daneben zeigt Zollneritsch aber auch auf der anderen Seite ein großes Manko auf, nämlich das Fehlen von ausreichend geschultem psychologischen Personal: "Steiermarkweit haben wir 24 Schulpsychologen, diese Anzahl ist seit 1984 unverändert." Der Bedarf wäre indessen drei Mal so hoch.

Arbeiterkammer unterstützt in den Ferien

"Die Kinder und Jugendlichen sind einsamer, haben Schwierigkeiten sich zu motivieren und Schlafprobleme. Erschreckenderweise ist bereits jedes zweite Kind bzw. Jugendlicher betroffen. Uns als Kammer ist es ein Anliegen, Help4You zu unterstützen, da es sich um die zukünftige Generation handelt, und sie bestmöglich durch die Covid-19-Krise zu begleiten", erklärt Arbeiterkammer-Präsident Josef Pesserl die Motivation dahinter. Aus der Schulkostenstudie der AK, einer Befragung mit über 1.600 Eltern, die laufend auch seit Beginn der Krise durchgeführt wurde, geht deutlich hervor, wie sehr Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern unter den Auswirkungen von Lockdown und Distance Learning leiden: "Vor Corona haben rund neun Prozent der Eltern angegeben, verstärktem Stress und Druck ausgesetzt zu sein, im März 2020 waren es 66 Prozent, derzeit liegen wir bei etwa 63 Prozent", schildert Pesserl das Stimmungsbild.
Deshalb erweitert die AK Steiermark auch ihr Sommerangebot "AKtiv Lernen" um die 3. und 4. Klassen Volksschule. Es soll jene Zielgruppe gestärkt werden, die bald einen Schulwechsel vor sich hat und verhältnismäßig lange im Distance Learning war. Ebenfalls in Kooperation mit der Bildungsdirektion und der Schulpsychologie wird es im Rahmen von AKtiv Lernen einen Resilienzworkshop geben.


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