Live-Wahldiskussion
900 steirische Schüler auf Tuchfühlung mit der Politik

Die sechs Parteispitzen stellten sich in der Grazer Stadthalle den Fragen der rund 900 steirischen Schülerinnen und Schüler, die quer durch die Steiermark zur Diskussion angereist waren.  | Foto: Konstantinov
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  • Die sechs Parteispitzen stellten sich in der Grazer Stadthalle den Fragen der rund 900 steirischen Schülerinnen und Schüler, die quer durch die Steiermark zur Diskussion angereist waren.
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Die Jugend von heute interessiert sich nicht für Politik? Mitnichten! Eindrucksvoller hätte der Gegenbeweis nicht ausfallen können als bei der von MeinBezirk und Landesschülervertretung organisierten Live-Wahldiskussion für steirische Schülerinnen und Schüler im Vorfeld der Landtagswahl. Rund 900 junge Menschen sind am Montag in die Grazer Stadthalle gekommen, um sich hautnah ein Bild aller Parteispitzen und ihrer Positionen zu machen.

STEIERMARK. "Es geht um die Zukunft dieses Landes, um eure Zukunft!", begrüßt Moderator Gregor Withalm die rund 900 steirischen Schülerinnen und Schüler, die aus sämtlichen Teilen des Landes nach Graz angereist sind, um der größten Live-Wahldiskussion aller Parteispitzen zu folgen.

"Wir sind einfach extrem stolz, dass es gelungen ist, diese Menge an jungen Menschen hierher zu bringen und sich für Politik zu interessieren", freut sich MeinBezirk-Chefredakteur und Geschäftsführer Roland Reischl über die 900 Teilnehmenden. | Foto: Konstantinov
  • "Wir sind einfach extrem stolz, dass es gelungen ist, diese Menge an jungen Menschen hierher zu bringen und sich für Politik zu interessieren", freut sich MeinBezirk-Chefredakteur und Geschäftsführer Roland Reischl über die 900 Teilnehmenden.
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Diese findet am späten Montagvormittag auf Einladung und Initiative von MeinBezirk und der steirischen Landesschülervertretung statt. Die Teilnahme an diesem einzigartigen und umfassendsten Live-Vorwahldiskussionsformat gilt als schulbezogene Veranstaltung, womit sich der Veranstaltungssaal in der Grazer Stadthalle in das größte Klassenzimmer des Landes verwandelt. Am Stundenplan steht von 11.30 bis 13.30 Uhr das Schulfach "Politische Bildung" und das hautnah in der Diskussion mit sämtlichen Parteichefinnen und -chefs und somit Spitzenkandidatinnen und -kandidaten für die anstehende Landtagswahl am 24. November: Christopher Drexler (ÖVP), Anton Lang (SPÖ), Mario Kunasek (FPÖ), Sandra Krautwaschl (Grüne), Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ) und Niko Swatek (Neos).

Wir sind heute einfach richtig stolz, weil es gelungen ist, diese Menge an jungen Menschen hierherzubringen und sich für Politik zu interessieren. Das ist ein riesiger Vertrauenszuschuss in Richtung der Parteispitzen, die hier stehen. 
Roland Reischl, MeinBezirk-Chefredakteur und Geschäftsführer

Maßgeblich zum Gelingen dieses Events beigetragen hat im Vorfeld die Landesschülervertretung, allen voran Alexander Hirtzi (AHS) sowie Tanja Gaber (BMHS), die sämtliche ihrer Hebel in Bewegung gesetzt sowie ihr Know-how genutzt haben, um die inhaltliche Ausrichtung (Welche Themen brennen der Jugend unter den Nägeln?) und die Organisation dahinter zu bewerkstelligen. "Es ist so immens wichtig, dass alle Wählerinnen und Wähler informiert zur Wahl gehen, eine Podiumsdiskussion bietet dazu eben den perfekten Rahmen", freut sich Tanja Gaber über den großen Zulauf ihrer Altersgenossinnen und -genossen. Und Alexander Hirtzi ergänzt: "Die Jugend interessiert sich also sehr wohl für Politik, danke an alle Lehrerinnen und Lehrer, die dies ihren Klassen ermöglicht haben."

Moderator Gergor Withalm (r.) führte mit den beiden Landesschülervertretern Tanja Gaber (für die BMHS, r.) und Alexander Hirtzi (für die AHS, l.) durch die Live-Diskussion. | Foto: Konstantinov
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Bildung als solide Basis

Wenn sechs Polit-Profis auf die Fragen von 900 Jugendlichen treffen, dann sind zwei Stunden wohl kaum ausreichend, um alle brennenden Themen zu behandeln beziehungsweise die Fragen dazu zu beantworten. 
Moderationsroutinier Gregor Withalm hat sich daher in der Vorbereitung der Diskussion mit den Schülervertretungen bereits auf vier Themenfelder verständigt, die von den Jugendlichen am häufigsten als "interessant" und "diskussionswürdig" genannt worden waren: Bildung, Klima(schutz), (leistbares) Wohnen und Migration. 

"Der größte Fehler im Bildungsystem ist für mich..."
so die Frage der Jugendlichen an die Politik

FPÖ:
... dass Begabungen zu wenig gefördert werden und dadurch Gleichschaltungen entstehen. Wenn wir nicht bei allen jungen Menschen die Talente fördern, besteht die Gefahr, dass eine Nivellierung nach unten entsteht", so Mario Kunasek.

Mario Kunasek, Spitzenkandidat der FPÖ  | Foto: Konstantinov
  • Mario Kunasek, Spitzenkandidat der FPÖ
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KPÖ:
... dass sich das Bildungssystem seit Maria Theresia nicht mehr verändert hat, es braucht dringend eine Reform. Wir müssen Bildung schon ab dem Kindergarten denken", so Claudia Klimt-Weithaler. 

Claudia Klimt-Weithaler, Spitzenkandidatin der KPÖ  | Foto: Konstantinov
  • Claudia Klimt-Weithaler, Spitzenkandidatin der KPÖ
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SPÖ:
... die Starrheit des Systems und die mangelnde Bereitschaft, etwas zu ändern. Flexibilität und Pragmatismus fehlen, es wird verkrampft versucht, etwas zu bewahren. Das ist der größte Fehler", so Anton Lang.

Anton Lang, Spitzenkandidat der SPÖ | Foto: Konstantinov
  • Anton Lang, Spitzenkandidat der SPÖ
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Neos:
... ist der Stillstand. 1962 war die letzte große Reform des Bildungssystems, das ist auch auf der Website des Bildungsministeriums so nachzulesen.

 Niko Swatek, Spitzenkandidat der Neos | Foto: Konstantinov
  • Niko Swatek, Spitzenkandidat der Neos
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Grüne:
... dass noch immer viel zu viel auswendig gelernt werden muss und dass es zu wenig Chancengleichheit gibt, diese beginnt schon im Kindergarten", so Sandra Krautwaschl.

 Sandra Krautwaschl, Spitzenkandidatin der Grünen | Foto: Konstantinov
  • Sandra Krautwaschl, Spitzenkandidatin der Grünen
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ÖVP:
... dass viel zu viele junge Menschen zurückgelassen werden. Ein gutes Bildungssystem sollte alle motivieren und mitnehmen", so Christopher Drexler.

 Christopher Drexler, Spitzenkandidat der ÖVP | Foto: Konstantinov
  • Christopher Drexler, Spitzenkandidat der ÖVP
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In der Einführung des Fachs "Politische Bildung", der zweiten Frage zu diesem Thema, schieden sich schließlich die "ideologischen" Geister. Essenzieller Faktor dabei sei, die  Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, was "ist fake, was ist Lüge und was stimmt?", betonte Sandra Krautwaschl.
Die anwesenden Schülerinnen und Schüler fühlten sich nach dem ersten Themenblock "zumindest teilweise abgeholt, ja."

"Wer soll das alles bezahlen?"

Bildung geht auch Hand in Hand mit dem Thema "leistbares Wohnen". "Wie soll es sich für Studenten, die Vollzeit studieren, ausgehen, sich ein eigenes Zimmer in einer WG leisten zu können, das 500 Euro kostet?", lautet etwa die Frage einer Schülerin. 

Von zusätzlichen Unterstützungsmöglichkeiten (KPÖ) über Leerstandsnutzung (Grüne) bis hin zum Modell der Starterwohnungen, wie es sie bereits in anderen Bundesländern gäbe (Neos) reicht hier die Palette an Lösungsansätzen. Allein die Frage nach der Finanzierung bleibt offen und kommt dann ebenfalls aus dem Publikum: "Und wer soll das alles bezahlen?"

Die Schülerinnen und Schüler am Wort: Deren Fragen waren durchaus kritisch.  | Foto: Konstantinov
  • Die Schülerinnen und Schüler am Wort: Deren Fragen waren durchaus kritisch.
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"Ich erlaube mir da, als Landesfinanzreferent zu antworten. Die Ausgaben überschreiten schon seit Langem die Einnahmen. Und das ist auch eine der Hauptherausforderungen in den kommenden Jahren: Dieses Geld, das vorhanden ist, so einzusetzen, dass am meisten für die Menschen herauskommt. Es wird nicht mehr alles gratis geben", streicht Anton Lang hervor.
Regierungschef und Landeshauptmann Christopher Drexler ergänzt: "Es gibt sehr viele unterschiedliche Interessen. Eine gute Politik zu machen, bedeutet auch, gute Lösungen für möglichst viele Menschen zu finden, Kompromisse einzugehen."

Für die FPÖ liegt die Antwort nach dem Einsparpotenzial auf der Hand: "In Österreich werden 80n Millionen Euro allein fürs Asylwesen ausgegeben", führt Mario Kunasek an. Die KPÖ sieht die Lösung in einem fairen Finanzausgleich und im Verzicht der Finanzierung von Skyshield und Pandurpanzern. 

Klima und Migration 

Daneben sind es noch die Themen Klima und Migration, die die Jugend bewegen. Ersteres ist nicht ohne die Mobilität zu sehen. "Das Ausspielen der einzelnen Mobilitätsformen", wie wir sie aktuell besonders in der Landeshauptstadt erleben und sehen, wird dabei vor allem von SPÖ und FPÖ kritisiert. "Jeder Mensch, jeder Verkehrsteilnehmer sollte doch gleich behandelt werden", fordert Anton Lang und in Richtung Sandra Krautwaschl, die davor die Dimensionen des steirischen Straßennetzes angeführt hatte ("Nirgendwo sonst kommen so viele Straßenkilometer auf einen Menschen wie in Österreich") repliziert das Regierungsduo Drexler und Lang: "Wir brauchen auch ein intaktes Straßennetz. Und: Auch Sammeltaxis brauchen Straßen." Politik braucht Kompromisse, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen.

Warten auf den Einlass: 900 steirische Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Beginn der Wahldiskussion in der Grazer Stadthalle | Foto: Konstantinov
  • Warten auf den Einlass: 900 steirische Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Beginn der Wahldiskussion in der Grazer Stadthalle
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Einhellig ist die Haltung aller Parteien bei der Frage nach den Deutschförderklassen, die unter der ÖVP/FPÖ-Regierung im Bund vom Zaun gebrochen wurden. "Die sind ein Rohrkrepierer", bringt es Niko Swatek auf den Punkt. Der Problematik der sogenannten Hot-Spot-Schulen sei mit anderen Mitteln und Maßnahmen zu begegnen. 

Und was macht die einzelnen Parteien eigentlich sexy?

Warum sollten sich die Jungwählerinnen und Jungwähler für ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne, KPÖ oder Neos entscheiden? Die Antworten ihrer Vorsitzenden:

Christopher Drexler - ÖVP
    • Wir haben in den letzten Jahren eine gute, eine attraktive Politik gemacht. Und wir haben eine geflügelte Kuh auf der Parteizentrale, vielleicht ist das was.
Anton Lang - SPÖ
    • Wir sind eine Partei, die alle ansprechen will, wird sind für alle Themen, für alle Regionen offen. Die Frage wird sein: Gehen die Jugendlichen ein Stück des Weges mit uns?
Mario Kunasek - FPÖ
    • Wir wollen eine Politik für die Zukunft machen, das eint uns alle. Und da ist die FPÖ eine gute Anlaufstelle, weil viele junge Menschen bei uns Antworten finden.
Sandra Krautwaschl - Grüne
    • Politik, das sind wir alle. Ich glaube, dass gerade die Grünen ein Angebot für junge Menschen machen. Wir wollen Lebensgrundlagen bewahren, aufhören alles zu zu betonieren.
Claudia Klimt-Weithaler - KPÖ
    • Die KPÖ zeigt Haltung, die Frage ist, ob sich die Jungen bei dieser Haltung wiederfinden. Ich habe immer versucht, meinen Job so auszuüben, wie ich es lebe. Die Anliegen der Menschen abzuholen und dann ins Landesparlament zu holen.
Niko Swatek - Neos
    • Unseren Kindern sollte es später einmal besser gehen, als uns selbst. Und das ist aktuell leider überhaupt nicht der Fall, sei es bei der Gesundheitsversorgung, beim Klima oder bei der Teuerung. Das ist das, was mich antreibt, Politik zu machen.

Und hier gibts die ganze Diskussion nochmals zum Nachsehen:

Dazu passend:

"iVote" als Orientierungshilfe für steirische Wähler


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