Geburtshilfe für alle
Schwangere Migrantinnen stehen vor zusätzlichen Hürden
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In Österreich kam 2023 fast jede zweite Schwangere selbst im Ausland zur Welt. Diese hohe Zahl verdeutlicht die Notwendigkeit, die spezifischen Bedürfnisse von schwangeren Frauen mit Migrationserfahrung in den Fokus zu rücken, denn sie stehen oft vor zusätzlichen Hürden.
ÖSTERREICH. Die Schwangerschaft ist eine Zeit des Wandels, die umfassende Unterstützung erfordert. Für Schwangere mit Migrationserfahrung in Österreich kann dieser Weg jedoch mit besonderen Herausforderungen gepflastert sein. Sie fühlen sich Umfragen zufolge häufiger unzureichend informiert und zu wenig in Entscheidungsprozesse eingebunden.
Daten aus Norwegen belegen die potenziellen Risiken: Undokumentierte dringlichere Beschwerden aufzuweisen, sowie eine höhere Hospitalisierungsrate im Vergleich zu norwegischen Schwangeren.
Unterschiede bei Schwangerschaftsbeschwerden
Die verschiedenen Bedürfnisse von Migrantinnen und einheimischen Frauen werden dabei schon früh sichtbar: In Australien wurden die häufigsten körperlichen Beschwerden während der Schwangerschaft erhoben. Unabhängig von der Sprachgruppe waren Rückenschmerzen (43,5 %), Schlafschwierigkeiten (37,0 %), starke Müdigkeit (35,1 %), Verstopfung (31,8 %), Übelkeit (31,2 %) und Kopfschmerzen (30,5 %) die häufigsten Symptome.
Interessanterweise zeigte sich zudem: Englischsprachige Frauen berichteten häufiger über Schwellungen in den Beinen, Schlafschwierigkeiten und starke Müdigkeit. Kulturell diverse Frauen wiesen hingegen eine höhere Prävalenz von Allergien, Hämorrhoiden, Verstopfung und Übelkeit auf. Auffällig war außerdem, dass diese Frauen auch seltener medizinische Hilfe bei ihren Beschwerden in Anspruch nahmen.
Schwangerschaftsübelkeit nicht unterschätzen
Eine weitere schwerwiegende Schwangerschaftskomplikation ist Hyperemesis gravidarum. Sie ist gekennzeichnet durch anhaltende Übelkeit und extremes Erbrechen und tritt bei Migrantinnen 4,5-mal häufiger auf. Diese starke Übelkeit geht dabei in vielen Fällen mit starken depressiven Symptomen (40 %) einher. Betroffene verbinden die Schwere der Symptome mit Anpassungsstress, sozialer Isolation und dem Verlust weiblicher Familienmitglieder durch die Flucht aus dem Heimatland. Das Risiko für Suizidgedanken und postpartale Depression kann ansteigen.
Die Beobachtung von 8,2 Millionen schwangeren Patientinnen zeigte weitere signifikante Auswirkungen von Hyperemesis gravidarum: Frauen mit dieser Komplikation hatten ein erhöhtes Risiko für Anämie, Präeklampsie (veraltet Schwangerschaftsvergiftung), Krampfanfälle sowie venöse Thromboembolien, sowohl vor als auch nach der Geburt. Auch hatten sie öfter eine Geburtseinleitung, Frühgeburten bzw. Kaiserschnitte, und ihre Kinder wiesen eher ein niedriges Geburtsgewicht sowie eine geringe Geburtsgröße im Verhältnis zum Gestationsalter auf.
Exklusion auf mehreren Ebenen
Dazu kommt, dass die Lebensumstände von geflüchteten Schwangeren oft schwierig sind. Das zeigen Berichte aus Deutschland: Gemeinschaftsunterkünfte sind häufig durch beengte Wohnverhältnisse, mangelnde Privatsphäre und fehlende Barrierefreiheit gekennzeichnet. Stress und Angst um die Zukunft der Familie entstehen durch die häufig unsichere Aufenthaltsbewilligung. Auch der Zugang zur Schwangerschaftsversorgung wird durch rechtliche Barrieren beeinträchtigt, da Versicherungskarten oft mit erheblicher Verzögerung ausgestellt werden, was zu verspäteten gynäkologischen Untersuchungen führt. Sprachbarrieren werden von medizinischem Fachpersonal durchgängig als Haupthindernis für adäquate Mutterschaftspflege genannt. Oft fehlen professionelle Dolmetscher:innen, was den Rückgriff auf Gesten, schlechtes Englisch oder sogar Kinder als Übersetzer:innen zur Folge hat.
Viele Migrantinnen erleben zudem Isolation, da sie aufgrund fehlender Kinderbetreuung, Sprachbarrieren oder mangelnder sozialer Netzwerke selten ihr Zuhause verlassen und nicht am Gemeinschaftsleben teilnehmen. Der Aufenthaltsstatus, die Lebensumstände und die soziale Unterstützung sind alles Faktoren, welche die Rate der Belastungen nach der Geburt beeinflussen. Während einheimische Frauen und dokumentierte Migrantinnen niedrige Depressions- und Angstwerte aufwiesen, verzeichneten bei undokumentierten Frauen fast die Hälfte ein hohes Level an postpartaler Depression und Angstzuständen. Verbesserte Zugänge zu Gesundheitsleistungen sowie eine kultursensible Aufklärung sind also entscheidend, um gesundheitliche Ungleichheiten zu reduzieren und das Wohlbefinden von Müttern und Kindern zu fördern.
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