Terrorwarnstufe "hoch"
Zahl der islamistischen und rechtsextremen Taten schießt hinauf
- v. l.: Sylvia Mayer (DSN-Direktorin), Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) und Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) bei der Präsentation "Lagebericht Verfassungsschutz 2025" am Montag.
- Foto: APA-Images / APA / HELMUT FOHRINGER
- hochgeladen von Antonio Šećerović
Die Verfassungsschützer haben im Vorjahr deutlich mehr islamistische und rechtsextreme Taten verzeichnet. Eine große Rolle bei der Radikalisierung spielen das Internet und die Künstliche Intelligenz. Auch dadurch werden die Verdächtigen immer jünger.
ÖSTERREICH. Laut dem Verfassungsschutzbericht 2025 hat die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) vergangenes Jahr 306 islamistische Taten erfasst. Das sind um 42,3 Prozent mehr als 2024. Über die Hälfte davon fand im digitalen Raum statt.
31,3 Prozent der radikalisierten Verdächtigen waren Jugendliche und junge Erwachsene unter 18 Jahren. 40 Personen hat der Verfassungsschutz festgenommen, an 129 Orten kam es zu Hausdurchsuchungen.
KI und Radikalisierung
Der Verfassungsschutz hat mehrere Radikalisierungsnetzwerke in Österreich identifiziert, die insbesondere auf Jugendliche abzielen. Bei der Erstellung und Verbreitung von Propaganda spielt Künstliche Intelligenz (KI) eine wachsende Rolle.
Die Terrorwarnstufe bleibt auf Stufe „Hoch“. Grund ist die nach wie vor abstrakte Gefahr in ganz Europa. Die DSN und die neun Landesämter Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) sorgen als "Frühwarnsystem für die effektive Abwehr der Bedrohung gegen unsere demokratischen Werte“, so DSN-Direktorin Sylvia Mayer.
Rechtsextremismus steigt
Die Zahl der rechtsextremistischen Taten ist im Vorjahr um 34 Prozent auf 1.986 gestiegen. Über die Hälfte wurde nach dem Verbotsgesetz geahndet. Die Beamten haben 75 Personen festgenommen und an 277 Orten Razzien durchgeführt.
- Die DSN sieht einen deutlichen Anstieg der rechtsextremistischen Taten.
- Foto: Andreas Pölzl/MeinBezirk
- hochgeladen von Christiane Appel
Die Vernetzung im digitalen Raum und die Verbreitung extremistischer Propaganda über Social Media sind auch im Rechtsextremismus zentrale Trends. Neue militante Neonazi-Jugend-Subgruppen nutzen den virtuellen Raum zur Anstiftung zu Gewalttaten. Ihnen geht es um die gewaltsame Zerstörung der demokratischen Ordnung, heißt es.
Weniger Linksextremismus
Die linksextremistischen Taten haben dagegen stark abgenommen. 136 Taten bedeuten einen Rückgang um 36 Prozent. Es kam zu 24 Festnahmen und sechs Hausdurchsuchungen. Linksextremismus ist insbesondere im Zusammenhang mit Antisemitismus und radikalem Aktionismus von Bedeutung. Die Akzeptanz rechtswidriger Aktionsformen reicht von symbolischem Protest bis hin zu sicherheitsgefährdenden Taten.
Ein Beispiel ist der Buttersäureangriff auf ein Drohnensymposium in Wien im September 2025. Die Szene ist auch international vernetzt und solidarisiert sich mit marginalisierten Gruppen. Das war vor allem im Zusammenhang mit Palästina relevant.
16 Spione ausgeforscht, Anstieg beim Waffenhandel
Neben der innerstaatlichen Bedrohung durch Extremismus und Terrorismus bleibt die Gefahr durch ausländische Geheimdienste hoch. Die Staatsschützer haben 16 mutmaßliche Spione ausgeforscht und 27 Taten angezeigt. Im Bereich der Cyberangriffe wurden 31 Taten registriert. Auch die Spionage verlagert sich zunehmend in den hybriden Raum, wo Cyberangriffe und -operationen sowie moderne Technologien wie KI und Drohnen eine relevante Rolle spielen.
- Auch die Spionage verlagert sich zunehmend in den hybriden Raum, wo Cyberangriffe und -operationen sowie moderne Technologien wie KI und Drohnen eine relevante Rolle spielen. (Symbolfoto)
- Foto: diego.cervo/panthermedia
- hochgeladen von Christiane Appel
Der illegale Waffenhandel weist zudem eine hohe Affinität zu extremistischen Kreisen auf, speziell zum Rechtsextremismus. Die Verfassungsschützer haben im Vorjahr 49 Taten im Bereich des illegalen Waffenhandels identifiziert, das ist ein Plus von 63 Prozent. 41 Hausdurchsuchungen und 24 Festnahmen wurden durchgeführt.
Austausch und Kooperation
Der Staatsschutz ist auch für den Schutz der verfassungsmäßigen Einrichtungen und obersten Organe zuständig, er ist im Personen- und Objektschutz im Einsatz. Die Beamten haben zudem mehrere Frühwarnungen an Unternehmen der kritischen Infrastruktur versandt.
Die DSN legt laut eigenen Angaben Wert auf Prävention, um Radikalisierung früh zu erkennen und einzudämmen, zum Beispiel durch Info-Veranstaltungen und Workshops, auch an Schulen. Außerdem setzt die DSN auf internationalen Austausch, speziell durch die Arbeit des Center for Security Analysis and Intelligence Research (CSAIR) und des Bundesweiten Netzwerks Extremismusprävention und Deradikalisierung (BNED).
Das könnte dich auch interessieren:
Aktuelle Nachrichten aus Österreich auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.