Neues Buch und Podcast aus Trahütten
Unsere Almen sind nicht nur wanderbar

Was für ein Ausblick über die Koralpe: Bio-Bauer Alois Kiegerl auf der Hochalm Bärntal, Obmann der gleichnamigen Weidegemeinschaft mit rund 40 Mitgliedern. | Foto: Kiegerl
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  • Was für ein Ausblick über die Koralpe: Bio-Bauer Alois Kiegerl auf der Hochalm Bärntal, Obmann der gleichnamigen Weidegemeinschaft mit rund 40 Mitgliedern.
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MeinBezirk hat das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums  und das neue Druckwerk "Über die Alm" zum Anlass genommen, den Herausgeber und Vollblut-Bergbauern Alois Kiegerl vom Bio-Bergbauernhof Priegl in Trahütten zu einem Interview zu bitten. Der Obmann der Weidegemeinschaft Hochalm Bärntal, Biodiversitäts-Botschafter, Leiter des Landesausschusses für Bergbauern in der Landwirtschaftskammer und vor allem beherzter Biobauer ist bei uns im Gespräch über Nutztiere als Naturschützer, gesellschaftliche Entwicklungen und natürlich über das soeben veröffentlichte neue Alm-Handbuch.

DEUTSCHLANDSBERG. Jetzt kann er kommen der Almsommer: Nach einer anhaltenden Trockenperiode im Frühjahr überzieht nach den letzten Regenfällen sattes Grün die blühenden Weiden, auf denen Kühe und andere Tiere ihre Spuren hinterlassen und dabei ganz natürlich die Kreislaufwirtschaft ankurbeln.

Doch der Klimawandel, gesellschaftliche Entwicklungen und die Nutzungsintensität verändern diese sensiblen Wirtschaftsräume im Alpenraum nachhaltig. Um darauf aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums ausgerufen. Ein guter Anlass, um mit Alois Kiegerl vom Bauernhof Priegl in Trahütten als Obmann der Weidegemeinschaft Hochalm Bärntal und zugleich umtriebigen Vertreter seiner Zunft zu sprechen, ein Tausendsassa mit mehreren Funktionen, Visionen und Weitblick am Puls des Bergbauerntums.

"Wir säen Deine Zukunft" steht auf dem Shirt von Alois Kiegerl, das er gemeinsam mit weiteren Landwirtinnen und Landwirten bei einer Präsentation der Landwirtschaftskammer für bäuerliche Leistungen angezogen hat. | Foto: Kiegerl
  • "Wir säen Deine Zukunft" steht auf dem Shirt von Alois Kiegerl, das er gemeinsam mit weiteren Landwirtinnen und Landwirten bei einer Präsentation der Landwirtschaftskammer für bäuerliche Leistungen angezogen hat.
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  • Es ist einfach herrlich hier heroben. Wollten Sie schon immer Bauer werden?

ALOIS KIEGERL. Bauer bin ich eigentlich schon seit meinem 17. Lebensjahr, am Papier sogar noch länger. Ich war gerade mit der dreijährigen landwirtschaftlichen Handelsschule Grottenhof Hardt fertig und hätte noch viele andere Pläne gehabt , wie etwa die Veterinärmedizin. Doch dann erklärte mir mein Vater, dass ich das alles schon verwirklichen könnte aber dann auf die Übernahme des elterlichen Hofes verzichten müsse. Er sei schon alt und könne nicht mehr arbeiten. Aber ich solle mir keine Sorgen machen, denn jede meiner drei Schwestern sei ebenfalls bereit, unseren schönen Bio-Bergbauernhof in Trahütten hoch über der Bezirksstadt Deutschlandsberg weiterzuführen. Da habe ich mich neu orientiert, um selbst den Hof zu übernehmen.

  • Ist Ihnen diese Entscheidung schwer gefallen?

ALOIS KIEGERL. Nein, diese Entscheidung ist mir gar nicht schwer gefallen. Ich habe  nach einem wunderschönen Sommer auf der Feldereralm im Rauriser Tal im Herbst 1995 die Betriebsnachfolge beim vulgo Priegl in Trahütten angetreten. Die ersten zwanzig Jahre verbrachte ich gemeinsam mit meiner Frau Alexandra damit, eine Familie zu gründen. Unsere drei Töchter halten uns entsprechend auf Trab. Außerdem haben wir die Mutterkuh-Herde wesentlich vergrößert und dabei auf die Rasse Murbodner umgestellt. Der neu gebaute Rinderstall erhielt 2016 sogar den ersten Preis für Musterbeispiele für besonders tierfreundliches Bauen im ländlichen Raum.

  • Wie groß ist der Betrieb jetzt?

ALOIS KIEGERL. Wir bewirtschaften derzeit 45 Hektar Grünland und 24 Hektar Wald. Weiters haben wir 15 Hektar anteilige Almfläche. Wir sind bereits seit 1991 ein Bio-Bauernhof und forcieren in diesem Sinne die Direktvermarktung und unseren Urlaub am Bauernhof, das Steckenpferd meiner Frau Alexandra. Außerdem werden weitere Investitionen am Hof umsetzen. 

Der Bio-Bauernhof vulgo Priegl ist malerisch gelegen in Kruckenberg/Trahütten. Hier führen Alexandra und Alois Kiegerl einen Bio-zertifizierten Vorzeigebetrieb rund um Nutzvieh-Haltung, Waldwirtschaft und  Urlaub am Bauernhof. | Foto: Kiegerl
  • Der Bio-Bauernhof vulgo Priegl ist malerisch gelegen in Kruckenberg/Trahütten. Hier führen Alexandra und Alois Kiegerl einen Bio-zertifizierten Vorzeigebetrieb rund um Nutzvieh-Haltung, Waldwirtschaft und Urlaub am Bauernhof.
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  • Sie waren aber auch in der Gemeinde aktiv ...

ALOIS KIEGERL. Genau, neben der Landwirtschaft habe ich noch sehr motiviert in der Gemeinde Trahütten als Gemeindesekretär gearbeitet. Ab dem Jahr 2015 ist mit der Gemeindestrukturreform vieles in Bewegung gekommen, sodass meine Heimatgemeinde an die Bezirksstadt Deutschlandsberg angegliedert wurde. Ich habe schon recht bald erkannt,  dass ich in der neuen Gemeinde nicht das große Glück finden würde und mich aus dieser Funktion zurückgezogen.

  • Sie sind außerdem Obmann der Weidegemeinschaft Hochalm Bärntal auf der Koralpe, wie kam es dazu?

ALOIS KIEGERL. Schon seit meinem 17. Lebensjahr war ich in der Weidegemeinschaft Hochalm Bärntal als Kassier aktiv. Nach einigen Streitigkeiten habe ich mein Amt
allerdings zurückgelegt, das war 2016. Aber oft kommt es anders als man denkt: Bereits zwei Monate später fand ich mich relativ unverhofft als Obmann dieses Vereines wieder. Dabei habe ich Franz Bergler kennen gelernt. Er hat das Bestehen der Weidegemeinschaft gerettet, indem unter seiner Regie ein neuer Vorstand konstituiert worden ist. Bergler ist einer von vier Alminspektoren in Österreich mit Fokus auf die ökologische, sinnvolle Almbewirtschaftung. 
Inzwischen zählt unsere Weidegemeinschaft zu den größten Almengemeinschaften in der ganzen Steiermark. 

  • Sie sind ja auch bekannt als Gründungsvater der stressfreien Hofschlachtung und haben damit Pionierarbeit geleistet. Wie waren die Anfänge, wenn Sie zurückdenken?

ALOIS KIEGERL. 2017 haben wir unseren Verein stressfrei.st – Initiative zur stressfreien Schlachtung auf der Koralm gegründet. Gemeinsam mit elf anderen bäuerlichen Betrieben ist es uns damit gelungen, im Rahmen eines Leader Projektes die sogenannte teilmobile Schlachtung umzusetzen. Wir waren die ersten in Österreich, die diese Bewilligung erreicht haben. 2018 wurde die Gemeinschaft dafür mit dem BIO Austria Fuchs ausgezeichnet.

Alexandra Kiegerl, Christian Polz, Renate Edegger Alois Kiegerl und  Karl Krammer bei der Erstpräsentation zur stressfreien Hof-Schlachtung. | Foto: MeinBezirk/Susanne Veronik
  • Alexandra Kiegerl, Christian Polz, Renate Edegger Alois Kiegerl und Karl Krammer bei der Erstpräsentation zur stressfreien Hof-Schlachtung.
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  • Der Ruf der Nutztierhaltung ist in diversen Kreisen nicht unumstritten, wie sehen Sie diese Entwicklung?

ALOIS KIEGERL. Im Zuge der Aktivitäten bei „stressfrei.st“ wurde mir immer mehr bewusst, dass eine große Gruppe unserer Gesellschaft, den Philosophien aus der sogenannten Tierrechts-Bewegung entsprechend versucht, die Nutztierhaltung in ein schlechtes Licht zu rücken. Zwischen bäuerlich und industriell wird da oft gar kein Unterschied gemacht. Vor allem die Kuh wird dabei als „Klima-Killerin“ diskreditiert. Deshalb haben wir mit Unterstützung vom Bioverband und der Landwirtschaftskammer begonnen, Informationsveranstaltungen zu diesem Thema zu organisieren, um die Menschen aufzuklären. 

"Eine Nutztierhaltung funktioniert nur dann, wenn sie arbeitet, also wenn produziert und konsumiert wird. Wenn jemand ein naturnahes Produkt haben möchte, dann muss man auch ein naturnahes Produkt kaufen."
Alois Kiegerl, Bio-Bergbauer

  • Welche Möglichkeiten haben sich für Sie aus diesem Engagement ergeben?

ALOIS KIEGERL. Gemeinsam mit der Mediatorin und Tierärztin Anita Idel haben wir 2019 einen Themenabend unter dem Titel „Die Kuh ist keine Klimakillerin“ auf die Beine gestellt. 2023 durfte ich an der Veranstaltung von BIO Austria mit dem Titel „Muss die Kuh ins Gras beißen?“ mitwirken. Aufgrund all dieser Aktionen wurde ich 2021 bei der Landwirtschaftskammerwahl in das Landesgremium gewählt und darf seit der Wiederwahl 2026 den Ausschuss für Bergbauern leiten.

  • Eine besondere Reise hat Sie und Ihre Familie mit Bauern aus Argentinien in Kontakt gebracht. Wie war die Ausgangssituation?

ALOIS KIEGERL. Ja, das war im Jahr 2022, als meine Frau Alexandra und ich im Rahmen des Alianza Projektes die Möglichkeit hatten, Argentinien zu bereisen – ein Jahr später folgte der Gegenbesuch der Argentinier bei uns in Trahütten. Im Fokus standen in Argentinien u. a. die Zusammenhänge zwischen der Rodung von Urwaldflächen für die Sojaproduktion sowie in der Weststeiermark die Aufgabe der Alm- und Weidewirtschaft in unseren Breiten. Die Nutztierhaltung und die damit verbundene Kreislaufwirtschaft waren ebenso Thema wie die damit verbundene Fruchtbarkeit der Böden. Nicht zuletzt entstanden Freundschaften mit argentinischen Bauern entstanden, die bis heute andauern.

Hausherr Alois Kiegerl bespricht umfangreiche Themen mit den Gästen aus Argentinien auf seinem zertifizierten Bio-Betrieb in Trahütten. | Foto: Susanne Veronik
  • Hausherr Alois Kiegerl bespricht umfangreiche Themen mit den Gästen aus Argentinien auf seinem zertifizierten Bio-Betrieb in Trahütten.
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  • Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums ausgerufen. Wie hat sich die Almwirtschaft aus Ihrer Sicht entwickelt?

ALOIS KIEGERL. Ja genau, 2026 ist nicht nur weltweit das Jahr der Bäuerinnen und Landwirtinnen, sondern auch das der Weidelandschaften und des Hirtentums. Ziel ist es, die weltweite Bedeutung der Weidetierhaltung für die Natur, das Klima, die Ernährungssicherheit sowie für den Erhalt von Kulturlandschaften ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, also genau mein Thema.

Buchpräsentation Ende Juni

  • Hand in Hand damit geht die die Veröffentlichung des Buches "Über die Alm - Alpine Lebensräume zeitgemäß bewirtschaften". Sie sind gemeinsam mit Franz Bergler als Herausgeber angeführt, was ist der Hintergrund?

ALOIS KIEGERL. Im Laufe der Jahre habe ich mein Wissen über die Alm- und Weide- bzw. Grünlandwirtschaft sowie die Rinderzucht vertieft. Ich wage zu behaupten, dass ich Bergbauer mit Herz und Hirn bin. Insofern war ich zwar schon verwundert, als ich Ende 2023 von Karin Taferner vom Leopold Stocker Verlag kontaktiert wurde, um an der Neugestaltung eines Buches zum Thema Almwirtschaft mitzuarbeiten, dennoch fühle ich mich sehr geehrt, dass man damit an mich herangetreten ist. 

Franz Bergler und Alois Kiegerl, Herausgeber des Buches "Über die Alm". | Foto: Kiegerl
  • Franz Bergler und Alois Kiegerl, Herausgeber des Buches "Über die Alm".
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Ich habe sogleich mein Netzwerk angekurbelt und dabei recht bald erkannt, dass mir doch noch einiges an Ressourcen fehlte, um dieses große Projekt entsprechend umzusetzen. Da kam mir wieder Franz Bergler in den Sinn, der mir inzwischen ein guter Freund geworden ist. Als er 2025 mit ins Boot geholt wurde, ging es ziemlich flott. Franz macht Nägel mit Köpfen und hat extrem viele Kontakte. Insgesamt haben sich rund 30 in der Almwirtschaft Aktive an dem Druckwerk beteiligt.  Innerhalb eines Jahres war das Buch „Über die Alm - Alpine Lebensräume zeitgemäß bewirtschaften“ fertig gestellt. 

  • Ist das Buch schon erhältlich? 

ALOIS KIEGERL. Ja, es ist in diesen Tagen herausgekommen und wird Mitte nächster Woche im Rahmen der Internationalen Almwirtschafts-Tagung in Saalfelden präsentiert werden. Ehrlich gesagt, ich wäre froh gewesen, hätte es zu meiner Zeit als Jungbauer schon so ein strukturiertes Nachschlagewerk als Handbuch gegeben. 

Bereits erhältlich: "Über die Alm" herausgegeben von Franz Bergler und Alois Kiegerl. | Foto: Leopold Stocker Verlag
  • Bereits erhältlich: "Über die Alm" herausgegeben von Franz Bergler und Alois Kiegerl.
  • Foto: Leopold Stocker Verlag
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ISBN 978-3-7020-2334-8
Franz Bergler / Alois Kiegerl (Hg.)
"Über die Alm - Alpine Lebensräume zeitgemäß bewirtschaften"
208 Seiten, durchgehend farbig bebildert, 16,5 x 22 cm, Hardcover
25 Euro

Almen sind Natur-, Wirtschafts- und Erholungsräume sowie für viele Landwirte ein wichtiger Einkommensfaktor. Ihre Bewirtschaftung erfordert fundiertes Wissen über Vegetation, Tierbedürfnisse und rechtliche Fragen. Dieses Handbuch bietet aktuelles Fachwissen für eine zeitgemäße Almwirtschaft. Zentrale Themen wie die Rückkehr des Wolfs, Konflikte zwischen Wanderern und Weidevieh sowie der steigende Aufwand und Personalmangel in der Almhaltung werden behandelt. Fallbeispiele und Anekdoten lockern das Buch auf. Ziel ist eine ebenso wirtschaftliche wie wertschätzende Bewirtschaftung, die Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz verbindet und so den Erhalt der Kulturlandschaft sichert.

Alois Kiegerl im Podcast

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  • Kürzlich war Karin Taferner vom Leopold Stocker Verlag bei Ihnen auf der Alm für einen Podcast, worum geht es?

[/b]ALOIS KIEGERL. Einerseits wird das neue Buch thematisiert, andererseits auch die Belange um das internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums, sowie Themen, die mich als Bio-Bergbauer beschäftigen wie eben die Biodiversität in der Landwirtschaft, Ernährung mit extensiven Lebensmitteln und natürlich das Leben meiner Murbodner Rinder, die mir und meiner Familie über die letzten rund 25 Jahre sehr ans Herz gewachsen sind.

Alois Kiegerl (l.) bei den Podcast-Aufnahmen für den Leopold Stocker Verlag, hier mit Forstwirt, Jäger und Züchter Konrad Liebchen, der als Moderator fungiert. | Foto: Karin Ch. Taferner
  • Alois Kiegerl (l.) bei den Podcast-Aufnahmen für den Leopold Stocker Verlag, hier mit Forstwirt, Jäger und Züchter Konrad Liebchen, der als Moderator fungiert.
  • Foto: Karin Ch. Taferner
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  • Sie sind seit 2026 ja auch Biodiversitätsbotschafter, wie ist es dazu gekommen?

ALOIS KIEGERL. Im Rahmen des Programmes ÖPUL 2023+ gab es erstmals die Maßnahme, Naturschutz auf der Alm als optionalen Zuschlag zur Maßnahme Almbewirtschaftung. Da sich unsere Alm im Natura 2000 Gebiet befindet, hat mich dieses Thema sofort interessiert. Ich habe im Zuge der Begehung mit dem Agrarökologen und Experten für ÖPUL-Naturschutzmaßnahmen Maik Preßnitz aus dem Bezirk Leibnitz festgestellt, dass die Interessen des Naturschutzes und der Weidegemeinschaft in einem sehr hohen Ausmaß übereinstimmen. Wer weiß schon, dass eine richtig bewirtschaftete Alm eine wesentlich höhere Artenvielfalt hat als eine unbewirtschaftete? Wobei der Begriff "unbewirtschaftete Alm" ein Widerspruch in sich ist, da Almen in der Art wie wir sie kennen erst durch ihre Bewirtschaftung entstanden sind. Ohne diese Arbeit wäre längst alles verwaldet. So würde es z.B. das für die Almen so typische Borstgras, das auch ein Natura 2000 Schutzgut ist, ohne Weidewirtschaft gar nicht geben. 

  • Warum?

ALOIS KIEGERL. Borstgras hat die Eigenschaft, dass es vom Rind nur in sehr jungem Zustand gefressen und gut verdaut werden kann. Ältere Pflanzenbestände können nicht mehr gegrast werden und bleiben dann ungenutzt stehen. Das bedeutet, dass die Weiden im Frühjahr extrem zeitig bestoßen werden müssen, um das naturbedingte Überangebot dieser Jahreszeit regelrecht „abzufangen“, damit es auch im Sommer noch frisches Borstgras gibt. Besonders wichtig wäre es, dass es über den Sommer genügend Niederschlag gibt, aber das haben wir leider nicht in der Hand. Der Klimawandel beeinflusst auch die Ressourcen auf unseren Almen.

Provokant auf den Punkt gebracht: "Essbarer Naturschutz"

  • Haben Sie Flächen aus der eigenen Landwirtschaft für diese Naturschutz-Maßnahmen bereit gestellt?

ALOIS KIEGERL. Ja, ich war so begeistert von der Praxistauglichkeit der Maßnahmen, dass ich sogar einen großen Teil meiner Heimflächen für ÖPUL-Naturschutz angemeldet habe, um in den Genuss von Abgeltungen für diese Ökosystemdienstleistungen zu kommen. Da inzwischen 60 Prozent unserer Flächen mit diesen Naturschutzauflagen belegt sind, habe ich den Begriff „Essbarer Naturschutz“ für unser stressfrei geschlachtetes Jungrindfleisch kreiert, welches unter der Marke Styria Beef direktvermarktet wird. Scheinbar konnte ich Maik Preßnitz von unserer Arbeit überzeugen. Er hat mich für die Auswahl nominiert, in der ich dann – gemeinsam mit vier anderen Bäuerinnen und Bauern aus ganz Österreich - von der Jury ausgewählt worden bin. So geschehen in letzter Zeit viele für mich sehr positive Effekte.

Nutztiere fördern natürliche Kreisläufe. | Foto: Kiegerl
  • Nutztiere fördern natürliche Kreisläufe.
  • Foto: Kiegerl
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  • Das wäre einmal der Status quo. Doch was müsste sich aus Ihrer Sicht für die Zukunft der Bergbauern noch tun?

ALOIS KIEGERL. Da müsste einmal der Begriff „Bergbauern“ geschützt werden, denn gefühlt kommt alles vom Berg während immer mehr an Wertschöpfung aus dem Berggebiet abfließt. Essentiell wäre eine wesentliche Verbesserung der Rahmenbedingungen für bäuerliche Direktvermarkter und Urlaub am Bauernhof, wie etwa die Anerkennung von Fleisch als Urprodukt, Freibeträge in der Sozialversicherung der Selbständigen u.a.  Schließlich sind bäuerliche Direktvermarkter und Urlaub am Bauernhof wichtige Botschafter für die bäuerliche Produktion.

  • Das Thema Ernährung mit naturnah erzeugten Lebensmitteln liegt Ihnen besonders am Herzen, kommt das entsprechend an?

ALOIS KIEGERL. Dazu müsste man noch mehr an den Schrauben zur Bewusstseinsbildung für den Wert von extensiv produzierten Lebensmitteln und den Wert von Ökosystem-Dienstleistungen drehen. Die Abgeltung dieser könnte viele bäuerliche Existenzen sichern. Und wenn wir schon bei Bewusstseinsbildung sind: Der Wert der Kuh als Wunderwerk der Natur gehört vermehrt vor Augen geführt. Schließlich produzieren Rinder hochwertiges Eiweiß in Form von Milch und Fleisch aus für den Menschen unverdaulichem Gras. Grasland macht global gesehen zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Und was viele nicht wissen: Gerade die Grünlandböden speichern weltweit mehr Kohlenstoff als Äcker und Wälder zusammen.

  • Letzte Frage: Welche Ziele verfolgt Alois Kiegerl privat?

ALOIS KIEGERL. Da gibt es für mich ganz wichtige Faktoren wie die Regelung der Betriebsnachfolge, auch die Nachfolge in meinen inzwischen angehäuften Ämtern steht im Raum. Ganz persönlich bekommen der Erhalt der Lebensqualität, Resilienz, Glück und Gesundheit immer mehr an Gewicht.

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