Vom Zuckerbäcker zum Club
Grazer Innenhof wird nach 25 Jahren wieder belebt
- Der Grazer Küsntler Daniel Josef Maier, Historiker Mathias Egger und Hannes Schreiner, CEO Schreiner Capital (v.l.) vor dem neuen Wandbild des sanierten Innenhofs in der Jakoministraße.
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Mitten im Bezirk Jakomini ist ein Innenhof nach rund 25 Jahren ohne Nutzung wieder zum Leben erwacht: Schreiner Capital hat den über 100 Quadratmeter großen Hof in der Jakoministraße 22 saniert und mit einem großen Wandbild von Künstler Daniel Josef Maier neu gestaltet.
GRAZ. Von der Straße ist der Hof nicht einsehbar, und genau das macht ihn zu einem der verborgenen Orte der Stadt. Seit etwa 27 Jahren gehört das Haus der Familie Schreiner, rund 200.000 Euro wurden nun in die Sanierung und Neugestaltung investiert. Von März bis Mai 2026 wurden Fassaden und Fenster saniert und die technische Infrastruktur neu ausgeführt – der historische Grundriss blieb so weit wie möglich erhalten. Heute dient der Hof den Mitgliedern des Private Members Club J22 als Lounge, Bar und Sitzbereich. "Abriss wäre die einfachere Rechnung gewesen. Aber ein Haus, in dem seit 150 Jahren gearbeitet wird, reißt man nicht ab – man gibt ihm die nächste Aufgabe", betont Hannes Schreiner, Geschäftsführer von Schreiner Capital.
- Hinter den Wohnhäusern in Graz liegen oft Schätze verborgen, wie der Innenhof in der Jakoministraße 22, der nun wieder genutzt wird.
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Ein Haus mit viel Geschichte
Der Grazer Historiker Mathias Egger hat die Geschichte der Jakoministraße 22 aus Adressbüchern, Zeitungsarchiven und dem Bauakt rekonstruiert. Das Haus stand vermutlich schon vor 1825, ab 1876 lässt sich dort lückenlos Gewerbe nachweisen: Lederhändler und Zuckerbäcker, Kaffeeschank und Schneider, Delikatessenhandel und Friseure, Tapezierer und Designatelier bis hin zum Gasthaus „Zum weißen Rößl“. Vor allem Bäcker schätzten den Ort offenbar: 1885, 1895 und 1907 eröffneten hier nacheinander Bäckereien, zuletzt die Zuckerbäckerei von Ottokar Swoboda. Ab 1904 betrieb Osias Lichtenstein über zwei Jahrzehnte seine Schneiderei im Haus. Er war als Jude aus Galizien nach Graz gekommen; seine Verwandten wurden in der NS-Zeit aus Graz vertrieben und deportiert.
Wenige Jahre später warb hier der Schuhhändler Josef Neubauer (seit 1930 NSDAP-Mitglied) offen mit Rabatten für Parteimitglieder. Die größte Konstante war die Tapezierer-Familie Frühwirth, die das Haus von 1910 bis 1978 über zwei Generationen prägte. Für Egger passt die neue Nutzung dazu: "Dass nun, nach vielen Jahren verschiedenster Gewerbe, ein Ort des Austausches für Unternehmerinnen und Unternehmer und kreative Geister hier geschaffen wird, passt zur vielschichtigen Vergangenheit dieses Gebäudes."
- Der sanierte und neu gestaltete Innenhof zwischen den historischen Mauern in der Jakominstraße 22.
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17 Quadratmeter großes Wandbild
Für die Innenhofwand malte der Grazer Künstler Daniel Josef Maier das Wandbild „Das letzte Businessmahl“. Auf 5,50 × 3,10 Metern sitzen zehn Figuren an einer Tafel, hinter ihnen erheben sich Schlossberg und Uhrturm. Jede Figur verkörpert einen Wert – vom Zuhören bis zur Umsetzung. Für Schreiner Capital ist der Hof zugleich ein Thema, das die ganze Stadt betrifft. "Graz hat im Zentrum einen Schatz, den kaum jemand sieht: seine Innenhöfe. Dass so wenige davon genutzt werden, ist sehr schade", meint Hannes Schreiner. "Viele Innenhöfe werden mit Wohnbau zugestellt. Wer so einen Hof herrichtet und ihm eine Nutzung gibt, schafft einen Ort für die ganze Stadt. Darüber lohnt es sich nachzudenken. Wir wollten einen Ort schaffen, der sich anfühlt, als wäre er schon immer da gewesen, nur eben neu erzählt", sagt Schreiner abschließend.
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