Praevenire Konferenz
So soll Österreichs Gesundheitssystem bis zum Jahr 2040 aussehen
- Praevenire-Jahrespressekonferenz in Wien.
- Foto: Praevenire/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz
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Ein Jahr nach dem Start der neuen Bundesregierung zog der Verein Praevenire in seiner Jahrespressekonferenz in Wien eine Zwischenbilanz: Was hat sich im Gesundheitssystem verbessert – und wo besteht noch Handlungsbedarf?
ÖSTERREICH. Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Praxis sprachen über die wichtigsten Entwicklungen und präsentierten Vorschläge für die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems. Dabei ging es nicht nur um aktuelle Probleme, sondern auch um konkrete Ziele bis 2040 – etwa eine stärkere Prävention, eine gezieltere Versorgung und neue Schwerpunkte wie Frauengesundheit, Männergesundheit, Lungengesundheit, psychische Gesundheit, Hörgesundheit und Arbeitsmedizin.
Fortschritte und Handlungsbedarf
Der frühere Finanzminister und Praevenire-Präsident Hans Jörg Schelling sieht im österreichischen Gesundheitssystem Fortschritte, etwa beim Ausbau des öffentlichen Impfprogramms, spricht sich gleichzeitig aber dafür aus, den Zugang zu Impfungen weiter zu erleichtern, beispielsweise über Apotheken. Zudem kritisiert er, dass die Diskussion oft nur einzelne Probleme beleuchtet, anstatt das Gesundheitssystem als Ganzes zu betrachten. Das verunsichert die Menschen. Sein zentrales Anliegen ist daher eine bessere Abstimmung mit gemeinsamer Planung und Finanzierung aus einer Hand, damit die Versorgung der Patientinnen und Patienten stärker in den Mittelpunkt rückt. Allerdings sei man bei der Frage einer einheitlichen Finanzierung noch weit von einer Lösung entfernt.
Positiv bewertet Schelling, dass die Politik die Bedeutung der Gesundheitsreform grundsätzlich erkannt habe. Einzelne Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, etwa die verpflichtende Diagnosecodierung. Er verweist jedoch auf weiteren Handlungsbedarf: Angehörige der Gesundheitsberufe sollten künftig effizienter zusammenarbeiten, Patientinnen und Patienten besser durch das System begleitet, Prävention und Gesundheitswissen gestärkt sowie digitale Angebote wie Telemedizin ausgebaut werden.
Konsolidierung ja, aber sozial gerecht
Eine Videobotschaft übermittelte Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann. Sie betont, dass die Reformpartnerschaft gerade daran arbeitet, die medizinische Versorgung langfristig abzusichern. Angesichts des Budgetdefizits gelte: Konsolidierung ja, aber sozial gerecht. Vieles sei bereits in Ansätzen gelungen, wie die Primärversorgung auszubauen und die Pflege zu stärken. Anderes sei noch im Reformprozess.
Auch Claudia Neumayer-Stickler, Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger, hebt hervor, dass ein starkes öffentliches Gesundheitssystem gerade in unsicheren Zeiten wichtig sei, damit alle Menschen gut versorgt werden. Die finanzielle Lage der Sozialversicherung sei zwar angespannt, doch Kürzungen von Leistungen oder höhere Selbstbehalte kämen für sie nicht infrage. Stattdessen sollte das System effizienter werden.
Forderungen aus Medizin und Wissenschaft
Gynäkologin Petra Kohlberger fordert im Bereich Frauengesundheit mehr Transparenz und verbindliche Qualitätskontrollen, insbesondere bei ästhetischen Eingriffen. Ein nationales Register könne die Sicherheit für die Patientinnen deutlich erhöhen. Gleichzeitig gehe es darum, Frauen besser zu informieren und in ihrer Entscheidungsfreiheit zu stärken. Urologe Shahrokh F. Shariat ortet auch in der Männermedizin großen Handlungsbedarf. Er spricht sich für ein organisiertes, risikobasiertes Screening – vornehmlich bei Prostatakrebs – aus, um gezielter zu testen, die Sterblichkeit zu senken und den Zugang gerechter zu gestalten. Pneumologe Arschang Valipour macht darauf aufmerksam, dass auch Lungenerkrankungen oft unterschätzt und zu spät erkannt werden. Er tritt für eine umfassende Präventionsstrategie mit stärkerer Tabakregulierung, besserer Luftqualität und einem Ausbau der Früherkennung ein.
Psychiater Georg Psota verweist auf die wachsende Bedeutung der psychischen Gesundheit und fordert, besonders junge Menschen und Schwangere stärker in den Blick zu nehmen. Gesundheitsaufklärung müsse verstärkt auch über soziale Medien erfolgen. Eine durchgehende Vorsorge wäre auch in puncto Hörgesundheit essenziell, weiß Hals-Nasen-Ohren-Arzt Harald Schlögel. Regelmäßige Screenings von Geburt an sowie ein offenerer Umgang mit Hörhilfen seien entscheidend, um die Lebensqualität von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen langfristig zu sichern.
Standespolitik und junge Perspektive
Arbeitsmedizinerin Eva Höltl betont die wichtige Rolle der Arbeitsmedizin, wenn es darum geht, Menschen direkt am Arbeitsplatz zu erreichen. Gerade angesichts knapper Ressourcen sollte dieser wichtige Beitrag der Arbeitsmedizin auch wirklich zur Gesundheitsversorgung genutzt werden. Ärztekammer-Funktionärin Lisa Leutgeb sieht in der Tagesmedizin die Möglichkeit, Effizienz und Versorgungsqualität zu verbinden. Sie könne Spitäler entlasten und gleichzeitig eine hochwertige Behandlung gewährleisten.
Medizinstudent Sebastian Hochreiter unterstreicht abschließend die Bedeutung von Innovation. Österreich müsse stärker in die Entwicklung medizinischer Technologien investieren und zugleich junge Perspektiven stärker und schneller in gesundheitspolitische Entscheidungen einbauen.
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