Förderstopp droht
Wirtschaftskammer drängt auf schnelle Einigung bei Lehrstellenförderung

Manfred Denk, WKÖ-Bundesspartenobmann Gewerbe und Handwerk, warnt vor weiterem Kostendruck auf Lehrlingsbetriebe. | Foto: Sade Jerabek/MeinBezirk
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Die betriebliche Lehrstellenförderung ist derzeit in der Schwebe. Die Mittel sind fast ausgeschöpft. Wie es weitergeht, ist fraglich. Die Wirtschaftskammer Österreich appelliert an den Bund, die Lehrlingsförderung im Zuge der Budgetverhandlungen  nachhaltig abzusichern - sonst drohe ein Fachkräftemangel.

ÖSTERREICH. Mit Stand Ende April gab es 13.723 Lehrstellensuchende im Land. Diese kamen laut AMS auf 17.699 offene Lehrstellen. Ganz so positiv ist das jedoch nicht. Sowohl die Zahl der Lehrlinge als auch jene der Ausbildungsbetriebe ist zuletzt zurückgegangen. Hinzu kommt: Die offenen Stellen sind regional recht ungleich verteilt.

Hohe Kosten für Ausbildungsbetriebe

Die Ausbildung gerät dabei zunehmend unter Druck. Einerseits aufgrund der sinkenden Geburtenrate. Es gibt schlicht nicht genügend junge Menschen. Andererseits steigt der Druck auf die rund 26.400 Ausbildungsbetriebe kontinuierlich, wie Manfred Denk, WKÖ-Bundesspartenobmann Gewerbe und Handwerk, weiß.

Besonders scharf kritisiert Denk die hohen Kosten. Das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) hat diese erhoben. So liegen die Kosten für den Betrieb pro Lehrling im Schnitt bei knapp 32.000 Euro im ersten Lehrjahr, steigen dann auf 33.800 Euro im zweiten Lehrjahr und erreichen ihren monetären Höhepunkt im dritten Lehrjahr mit rund 40.400 Euro. Gerade für Klein- und Mittelbetriebe sei die Finanzierung „ein Riesenthema“, unterstreicht Denk.

Förderung zu gering

Bis dato gab es eine betriebliche Lehrstellenförderung, die einen Teil der Kosten abgefedert hat. In wenigen Wochen werden die staatlichen Budgetmittel, die bislang über die Wirtschaftskammer ausbezahlt wurden, jedoch ausgeschöpft sein. Ein Förderstopp wäre die Folge, warnt Wirtschaftskammer-Generalsekretär Jochen Danninger.

Ob und in welcher Höhe die Förderung weiterlaufen wird, ist bislang unklar. Grundsätzlich wurde diese 2023 mit 280 Millionen Euro gedeckelt und nicht an die Inflation angepasst. Die WKÖ pocht eindringlich auf eine Erhöhung: „Die Betriebe investieren insgesamt drei Milliarden Euro in die Ausbildung der Lehrlinge. Wir bekommen derzeit aber nicht einmal ein Zehntel an Förderung dafür“, hebt Bundespartenobmann Denk hervor. Dieses Zehntel kompensiere „nicht einmal die Zeit in der Berufsschule“, führt Denk weiter aus.

Rasche Einigung gefordert

Hinzu komme, dass sich die Lehrlingseinkommen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben. Als WKÖ sorge man gemeinsam mit den Betrieben dafür, dass die Lehre auch weiterhin attraktiv bleibe. Das Gleiche fordere man auch vom Staat. Man appelliert nachdrücklich an Wirtschafts-, Finanz- und Sozialministerium, alsbald zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, die die Lehre auch künftig stärkt. „Die Lehrlinge von heute sind unsere Fachkräfte von morgen. Wenn wir den Fachkräftemangel nicht massiv verschärfen wollen, braucht es eine zukunftsfähige Lösung und Planungssicherheit“, betont Generalsekretär Danninger.

Noch ein weiterer Trend ist aber zu beobachten: Die Ausbildung verlagert sich zunehmend von kleineren Betrieben hin zu Großunternehmen. Nicht nur die finanzielle Herausforderung sei eine Ursache, auch der hohe bürokratische Aufwand. Während Konzerne ganze Abteilungen haben, die die administrativen Aufgaben erledigen, verfügen kleinere Betriebe über diese in der Regel nicht.

Genau hier möchte die Kammer ansetzen, denn: gerade KMU übernehmen den Löwenanteil der Lehrlingsausbildung. Knapp 70 Prozent der Betriebe bilden einen oder maximal zwei Lehrlinge aus. Wären die bürokratischen Hürden geringer und die finanzielle Entlastung höher, würden wohl einige Betriebe noch weitere Lehrlinge zusätzlich ausbilden.

Manfred Denk, WKÖ-Bundesspartenobmann Gewerbe und Handwerk, warnt vor weiterem Kostendruck auf Lehrlingsbetriebe. | Foto: Sade Jerabek/MeinBezirk
Österreichweit gibt es rund 26.400 Ausbildungsbetriebe.  | Foto: Sade Jerabek/MeinBezirk
Foto: Sade Jerabek/MeinBezirk
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