Gut Ding braucht Weile
Rehabilitation

Das Ende von Reha Nummer 4 im Jahr 2018...nie habe ich mich stärker gefühlt als zu diesen Zeitpunkt.
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Mein Name ist Danijel Okic und ich lebe seit fünf Jahren in der wunderschönen steirischen Landeshauptstadt Graz. In diesen fünf Jahren ist mir eine Menge widerfahren, das ich mit euch teilen möchte. Unter anderem habe ich am 28. Februar 2015 in der Folge eines Wrestling Kampfes ein schweres Schädelhirntrauma erlitten. Seitdem hat mein eigentlicher Kampf, mein Kampf gegen meine dadurch bedingten körperlichen Einschränkungen begonnen. Warum ich trotz dieses prägenden Einschnittes und die dadurch bedingte Wende in meinem Leben, ein noch optimistischerer und lebensfroherer Mensch geworden bin, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.



Als ich nach 18 Tagen aus dem künstlichen Tiefschlaf erwachte, fühlte ich, anders als mancher von euch vielleicht denkt, erst einmal nichts. Ich konnte meine gesamte rechte Körperhälfte nicht ansteuern, was dazu führte, dass ich erst einmal an einen fixierten Rollstuhl gebunden war. Auch mein Kurzzeitgedächtnis war schwer beeinträchtigt gewesen, sodass ich meine Mutter, nachdem sie mir die Geschichte des Tatherganges zum zehnten Mal erzählte, ein paar Minuten darauf ein elftes Mal fragte, was denn eigentlich geschehen wäre.

Ich war am Boden angekommen. Das Licht war kurzzeitig ausgegangen. Niemand konnte mir sagen, inwiefern ich mich wieder erholen würde. Allerdings waren die Ärzte aufgrund meines damals jungen Alters von gerade einmal 23 Jahren sehr optimistisch, dass sich meine Gesundheit mit genügend Training fast zur Gänze wiederherstellen lassen würde. Was daraufhin folgte, waren sechs Monate intensivster Therapien, die im LSF-Graz (Ja das LSF, das vor allem für Alkoholiker und Drogenabhängige sowie diverse mental gehandicapte Menschen bekannt ist.) begannen und letztendlich in der Reha-Radkersburg (ehemals die Maria-Theresien-Klinik) ihr vorläufiges Ende fanden.



In dieser Zeit lernte ich unter anderem durch einen geschickten Zug meines damaligen und heutigen Physiotherapeuten Ingmar wieder zu laufen. Dies war aufgrund meiner unfallbedingten Spastik im rechten Bein alles andere als einfach und ich verlor mehr als nur einmal den Mut bei den Versuchen. Vor allem das dadurch bedingte Humpeln war mir ein gewaltiger Dorn im Auge gewesen. Ich begann mich zu fragen, ob das je wieder von selber heilen würde, oder ob ich letztendlich doch eine Operation über mich ergehen lassen müsste.



Auch fing es in mir regelrecht zu brodeln an, wenn ich auf der Straße zum gefühlt tausendsten Mal gefragt wurde, was ich denn bei meinem rechten Bein getan hätte. „Haltet doch endlich die Fresse!“, dachte ich mir nur. Lange Zeit hatte es gedauert, bis ich mich mit der Tatsache anfreunden konnte, behindert zu sein. Auch heute ertappe ich mich noch gelegentlich dabei, meine Fassung bei zu offensichtlichem Starren anderer Leute zu verlieren. Jedoch sind die Blicke aufgrund der enormen Verbesserungen in meinem Gangbild sehr viel seltener geworden, weshalb obengenanntes Verhalten nur noch in den seltensten Fällen zu Tage kommt. Oft dient mir das Starren Anderer sogar als positive Erinnerung, dafür dass meine Rehabilitation noch lange nicht abgeschlossen ist.



Allerdings ist das wichtigste, das ich in den letzten 5 Jahren gelernt habe und das ich mit euch, die sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden, teilen möchte das Folgende:



Limitation jeglicher Art sind in den meisten Fällen nur eine reine Kopfsache.



Ich pflege immer zu sagen, dass zehn Millimeter einen Zentimeter ergeben und dass 100 Zentimeter sich letztendlich zu einem Meter zusammensetzen. Damit will ich all jenen von euch Mut machen, denen die eigenen Fortschritte zu langsam vorangehen. Denn erst seit ich mit dieser Einstellung durch das Leben gehe, habe ich bemerkt, wie viel sich in den letzten fünf Jahren wirklich bei meiner Gesundheit getan hat. Gleichzeitig werde ich durch diesen Rückblick noch optimistischer, wenn ich an meine Zukunft denke.



Wie ihr seht, kann man sogar einem Unfall wie dem meinen etwas positives abgewinnen. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, nach diesem Schlag des Lebens wieder aufzustehen und habe nie mit dem Gedanken gespielt, das Handtuch zu werfen. Ich habe in der Reha Radkersburg Menschen getroffen, die seit je her auf einen Rollstuhl angewiesen sind und trotzdem glücklicher erscheinen, als so mancher „gesunde“ Mensch. Der Blick auf ihr ehrliches Lächeln lässt mich realisieren, wie glücklich ich mich doch schätzen kann, auf meinen eigenen zwei Beinen durch dieses wunderschöne und von Überraschungen geprägte Leben gehen zu können. Dabei komme ich meiner Rehabilitation mit jedem noch humpelnden Schritt näher.



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