Kultur als Lebenselixier: "Gefragte Frauen" mit Alexia Getzinger

Neue Chefin: Alexia Getzinger managt die größte Kulturinstitution des Landes, ist politisch wie ehrenamtlich tätig, ein großer Loriot-Fan und liebt es, Kunst in allen Formen zu erleben.
  • Neue Chefin: Alexia Getzinger managt die größte Kulturinstitution des Landes, ist politisch wie ehrenamtlich tätig, ein großer Loriot-Fan und liebt es, Kunst in allen Formen zu erleben.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

17 Häuser an zwölf Standorten mit 430 Mitarbeitern: Das Universalmuseum Joanneum (UMJ) ist der zweitgrößte Museumsverband in Österreich. Alexia Getzinger leitet als Geschäftsführerin an der Seite des wissenschaftlichen Geschäftsführers Wolfgang Muchitsch die kaufmännischen Geschicke des Museums und sprach mit uns über Kunst, Museumsöffnungszeiten und Schulen als Partner.

WOCHE: Seit Neujahr sind Sie in Ihrer neuen Funktion. Haben Sie sich schon eingelebt?
Alexia Getzinger: Sagen wir so: Ich bin gelandet, aber noch am Flughafen (lacht). Natürlich ist mir das Haus nicht unbekannt, aber es ist ein sehr großes System und das gilt es jetzt Schritt für Schritt kennenzulernen. Ich bin überglücklich und es ist eine große Ehre, hier Direktorin sein zu dürfen.

Sie wurden für fünf Jahre bestellt: Wo soll das UMJ 2022 sein?
Wir sind sehr gut aufgestellt und die Struktur ist durch die einzelnen Häuser zum Großteil bereits vorgegeben. Ein großes Anliegen ist es mir aber, den Bekanntheitsgrad zu steigern und die Inhalte unserer Häuser in die Haushalte zu bringen. Ich will, dass in den Köpfen der Menschen verankert ist, wie viel kulturellen Reichtum wir haben. Kunst lebt von Emotion und daher ist es wichtig, dies den Menschen näherzubringen.

Wie kann das gelingen?
Es muss sich strukturell, aber auch in unserer Haltung etwas verändern. Wir sollten eine Kultur der Rezeption aufbauen, die nicht auf dem traditionellen Museumsbesuch am Samstagnachmittag beruht. Museumsbesuche sollen auch in der Mittagspause möglich sein und dazu wollen wir einladen. Einfach durchspazieren und bei dem Kunstwerk, das gefällt, verweilen solange man will. Da muss es natürlich möglich sein beispielsweise über die Öffnungszeiten zu diskutieren und die Besuche unkompliziert zu ermöglichen. Wir werden unsere Arbeit ständig reflektieren und Verbesserungspotenziale eruieren.

Sie kommen aus dem Bildungsbereich. Wie wichtig ist es, bereits in der Schule anzusetzen?
Wir sehen die Schulen als wichtige Partner und unsere Häuser sind Orte außerschulischen Lernens. Vermittlung von Kunst und Kultur sollte unbedingt fächerübergreifend stattfinden, damit die Zusammenhänge besser verstanden werden. Interdisziplinarität sollte dabei gelebte Realität sein.

Bis Ende 2017 waren Sie Vizepräsidentin im Landesschulrat. Wie kommentieren Sie die Kritik zu Ihrer Bestellung?
Für mich persönlich war die Kritik verzichtbar. Auch wenn man lange politisch tätig ist, ist es einem nicht egal. Denn bei diesem Job gab es eine Ausschreibung und ein Bewerbungsverfahren, das ich – wie alle anderen Kandidaten – absolviert habe. Beim Hearing war ich richtig nervös und durch das mediale Interesse war der Druck natürlich noch größer. Auch wenn ich es gewohnt bin, in der Öffentlichkeit zu stehen, bin ich aus menschlicher Sicht nicht so abgebrüht, dass es mich kalt gelassen hätte.

Muss man sich als Frau im Beruf bzw. in der Politik mehr gefallen lassen?
Als Frau wird einem sicher mehr zugemutet. Ob man es sich gefallen lässt oder nicht, entscheidet man selbst. Manchmal gelingt es einem besser, sich abzugrenzen, mal weniger. Oft geht es dabei um Rollenzuschreibungen, die verankert sind und die gilt es zu lösen. Es zählt immer das Individuum und darauf sollten wir achten.

Wie wichtig ist Kunst für uns?
Sehr wichtig. Es ist eine Reflexionsmöglichkeit für die Gesellschaft. Egal in welcher Sparte, in der Kunst kann man sich verlieren und finden. Ich könnte mir ein Leben ohne Kunst und Kultur nicht vorstellen. Ich finde auch, dass Kunst im öffentlichen Raum etwas Wesentliches ist.

Ihr Lieblingshaus im UMJ?
Jedes Haus hat eigene Stärken und ist in seiner Einzigartigkeit liebenswert. Das Schloss Eggenberg ist Weltkulturerbe und das Kunsthaus hat sich schon zum zweiten Grazer Wahrzeichen entwickelt. Aber es ist wie mit den Kindern: Man darf keines bevorzugen (lacht).

WOCHE-WORDRAP

Das schätze ich an Menschen ... Offenheit und Loyalität.
Das UMJ ist ... ein strahlender Schatz.
Das sagt man mir nach ... dass ich eine gute Netzwerkerin bin.

STECKBRIEF

Geboren am 12.3.1967, drei Kinder
Kulturmanagement-Studium, Schauspielausbildung, Gründung Film-/Medienakadamie, 17 Jahre lang Projekt mit Arbeitslosen 2010-2015 Landtagsabgeordnete (SPÖ), bis 2017 Landesschulrats-Vizepräsidentin, 2012: Kinderfreunde-Landesvorsitzende

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