Graz-Marathon
Der Laufschuh nach Fußtyp schützt nicht vor Verletzungen
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Am Sonntag, 11. Oktober, gehen beim Graz-Marathon rund 15.000 Läuferinnen und Läufer an den Start. In den Tagen davor kaufen sich manche noch schnell einen neuen Schuh, in der Hoffnung, damit leichter oder schonender ins Ziel zu kommen. Die Forschung zum Laufschuh spricht dagegen, und zwar nicht nur wegen des Zeitpunkts.
Hilft ein Schuh, der zum Fußtyp passt?
Nach allem, was man weiß, kaum. Die US-Armee hat das an über 3.000 Rekruten geprüft (Knapik und Kollegen, Journal of Strength and Conditioning Research 2009). Eine Gruppe bekam Laufschuhe passend zur Form ihres Fußgewölbes, also je nach Abdruck einen Stabilitäts-, Bewegungskontroll- oder Dämpfungsschuh. Die andere Gruppe bekam einheitlich denselben Stabilitätsschuh. Während der Grundausbildung verletzten sich beide Gruppen gleich häufig.
Was zählt dann bei der Schuhwahl?
Benno Nigg von der Universität Calgary, einer der bekanntesten Laufschuhforscher, hat 2015 im British Journal of Sports Medicine die Studienlage zusammengefasst. Weder die Dämpfung des Aufpralls noch das Einknicken des Fußes nach innen haben sich als verlässliche Vorhersage für Laufverletzungen bestätigt.
Sein Team schlägt deshalb ein einfacheres Kriterium vor: den Tragekomfort. Wer einen Schuh als bequem empfindet, läuft darin vermutlich in seinem gewohnten Bewegungsmuster, und genau das könnte vor Verletzungen schützen. Bewiesen ist dieses Modell noch nicht. Es erklärt aber gut, warum Fußtyp und Dämpfung in den Studien so wenig bewirkt haben.
Warum dann kein neuer Schuh vor dem Rennen?
Weil der eingelaufene Schuh diesen Komforttest längst bestanden hat, über Wochen und viele hundert Kilometer. Ein neuer Schuh kann im Geschäft angenehm wirken und sich nach 25 Kilometern völlig anders anfühlen. Am Renntag lässt sich das nicht mehr korrigieren.
Für die letzten Tage gilt deshalb dieselbe Regel wie für Ernährung und Ausrüstung: "nur nichts Neues erfinden". Wer unbedingt wechseln will, sollte das nach dem Marathon tun und den neuen Schuh in ruhigen Einheiten einlaufen.
Was tun bei Knieschmerzen in der letzten Woche?
Ernst nehmen, aber nicht mit einem Schuhwechsel beantworten. Ein neuer Schuh in letzter Minute behebt keine Überlastung. Schmerzen, die beim Laufen stärker werden, ein geschwollenes Knie oder Beschwerden, die auch in Ruhe bleiben, sollten vor dem Start untersucht werden.
Wer sich grundsätzlich Sorgen um die Knie macht, kann beruhigt sein: Eine Auswertung von 17 Studien mit über 114.000 Menschen fand bei Hobbyläufern sogar seltener Arthrose als bei Nichtläufern. Warum das so ist, können Sie hier nachlesen.
Mehr zu typischen Verletzungen beim Laufen und anderen Sportarten: ortho-maurer.at/sportverletzungen
Dipl.-Ing. Dr. Dietmar Maurer ist Facharzt für Orthopädie und Traumatologie mit Schwerpunkt Kniechirurgie in Graz.
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